13. November 2020

Vereinsgründung geplant: „Freunde der BatullApfelBaumSchule“

„Siebenbürgen, Land des Segens und der Fülle und der Kraft.“ Dieser Vers aus unserer Hymne geht mir durch den Kopf, wenn ich im Herbst 2020 die süßen Birnen und die rotbackigen Äpfel auf den alten knorrigen Bäumen in Hermannstadt und Umgebung sehe.
Ein Korb voller Äpfel (Goldparmäne und ...
Ein Korb voller Äpfel (Goldparmäne und boskopartige Äpfel namens Canada) auf dem traditionellen Apfelmarkt in Sibiel. Foto: Gabriela Cuzepan
Immer mehr Menschen in Rumänien schätzen die regionalen Sorten, die vor der Haustür wachsen, als Alternative zur Importware aus Polen und Übersee. Sie kaufen Setzlinge von Batull, Pojnik, Jonathan als Hochstamm, also auf wilde Unterlagen gepfropft, und legen traditionelle Gärten an, die wie Streuobstwiesen bewirtschaftet werden. Das Gras wird bis zu drei Mal im Jahr gesenst und zu den uns wohlbekannten Heuschobern aufgeschichtet. Früher wurden sogar die Äpfel (măr pătul) im Heu gelagert. Dieses Heu ist voller Kräuter und Wiesenblumen, die Bienen anlocken, und gibt, frisch und getrocknet, besonders gute Kuh- und Büffelmilch. Die Setzlinge erfreuen sich großer Beliebtheit. Sogar von jenseits der Karpaten bekomme ich Anfragen. Die logistische Frage des Transports zu diesen Kunden sowie zu denen im Ausland konnte ich allerdings noch nicht klären. Bis dato liefere ich die Bäumchen in meinem kleinen Twingo selber aus.

Vier Jahre seit der Rückkehr nach Siebenbürgen stelle ich fest, dass die Schweizer Fördermittel der letzten 30 Jahre für landwirtschaftliche Projekte nicht ganz umsonst waren. In dem einen Fall wurde die übergreifende Stiftung „Trai Verde“ (www.traiverde.ro) gegründet, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, in einem geographisch begrenzten Gebiet, nämlich des Karpatenvorlandes um Sibiel und Fântânele herum, die Artenvielfalt zu erhalten durch die nachhaltige Nutzung der traditionellen streuobstwiesenartigen Gärten. Es entstanden Broschüren über den ökologischen Wert dieser Gärten mit der Beschreibung von 34 alten Apfel- und neun Birnensorten in rumänischer Sprache, die auch von der o.g. Internetseite heruntergeladen werden können. Die Standorte der einzelnen Bäume wurden auf Karten eingetragen, die zu ausgedehnten Spaziergängen einladen.
Interessierte Besucher fanden eine reiche Ernte ...
Interessierte Besucher fanden eine reiche Ernte auf dem Apfelmarkt am 25. Okotober 2020 in Sibiel. Foto: Gabriela Cuzepan
Auf dem traditionellen Apfelmarkt in Sibiel preisen die Bauern selbstbewusst Sorten wie den zitronengelben Citrom Alma, den orange-gelb-gestreiften Goldparmän, den grün-rot-gestreiften, nachhaltigen Gustav und rot glänzende Jonathan an. Aus einer hölzernen Saftpresse fließt süßer Most. Ein Spaziergang durch die umliegenden Gebirgsdörfer führt uns anlässlich des „Tărg de mere“ an verwilderten Obstgärten vorbei. Ein Feuersalamander läuft uns vor die Füße. Es wohnt hier niemand mehr, der sich um diese Gärten kümmert. Die Jüngeren sind in die Städte oder ins Ausland abgewandert. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis diese Biotope in Bauland umgewandelt werden.

Ähnliches haben die siebenbürgischen Obstgärten in unserer Kirchenburgenlandschaft zu erwarten, wenn sie nicht geschützt werden. Es gilt, diese einmalig wertvolle Landschaft zu erhalten wegen ihrer Artenvielfalt und der noch bestehenden kleinbäuerlichen Produktionsweise. Deshalb beabsichtige ich, einen Verein zu gründen, den Verein „Freunde der BatullApfelBaumSchule“, rumänisch „Asociaţia prietenii pomilor de soi vechi din Transilvania“, ungarisch „Tündérkert Erdélyben“ (zu deutsch Siebenbürgische Feengärten), kurz BABS. Der zu gründende Verein BABS setzt sich zum Ziel, erstens die alten Sorten (vor allem Apfelbäume, aber auch andere Obstbäume) vor dem Vergessen zu bewahren, indem ein Vorzeigegarten angelegt werden soll, in dem von jeder Apfelbaumsorte (später auch von anderem Kern- und Steinobst) ein Exemplar gepflanzt wird. So ein Arboretum siebenbürgischer Obstsorten könnte in den Pfarr- oder Kirchgärten zwischen den Mauern der Kirchenburg angelegt werden. Ich erinnere mich, vor drei Jahren in Meschendorf alte Birnbäume gesehen zu haben, die die breite Dorfstraße säumen, und frage mich, wer sie wohl pflegt?

Die grüne Schönheit der Kirchenburgenlandschaft zu beschreiben und die Schutzwürdigkeit jahrhundertealter Bäume (z.B. Linden, Kastanien, Nussbäume) in den alten Mauern zu betonen, kann ein weiterer Sinn und Zweck des Vereins sein. Dafür suche ich Interessenten! Auch ausgewanderte Landsleute von jenseits der Süd-, Ost- und Westkarpaten sind ausdrücklich als Vereinsmitglieder erwünscht. Der Verein ist jedoch geographisch auf Siebenbürgen festgelegt, da er sich zum Ziel setzt, in der Kirchenburgenlandschaft aktiv zu sein und damit zu deren Erhaltung beizutragen. Es gilt auch, weitere lokale Sorten in den siebenbürgisch-sächsischen Siedlungsgebieten zu finden und sie gegebenenfalls einer osteuropäischen Datenbank zur Verfügung zu stellen. Von den alten Bäumen können nur so lange Edelreiser entnommen werden, so lange sie noch Jungholz bilden. Das kann durch einen Verjüngungsschnitt erreicht werden, der sowohl im Winter als auch im Sommer durchgeführt werden sollte. Dafür braucht es tatkräftige Unterstützung von schwindelfreien Hobbygärtnern.

Bemühungen aus dem Szeklerland um den Erhalt der alten Sorten und traditionellen Obstgärten beispielsweise mündeten in die Bildung des Vereins „AGORA – Arbeitskreis für nachhaltige Entwicklung“, der von fünf Personen ins Leben gerufen wurde, die Interesse an einer Zusammenarbeit signalisiert haben.
Ein Korb voller Batullenäpfel auf dem ...
Ein Korb voller Batullenäpfel auf dem traditionellen Apfelmarkt in Sibiel (bei Hermannstadt) mit Namensschildern der Stiftung "Trai verde". Foto: Gabriela Cuzepan
Auf Zuschriften freut sich unter der E-Mail: brunhilde.boehls[ät]gmail.com

Brunhilde Böhls

Schlagwörter: Apfel, Verein, Vereinsgründung, Batull, Obst, Landwirtschaft, Siebenbürgen

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