25. Januar 2026

Irmgard Rosina Bauer zum 70: „Hommage an die Lebensreise“

Die Autorin Irmgard Rosina Bauer, geboren am 10. Januar 1956 in München, hatte früh ein Gedicht für 70. Geburtstage im Freundeskreis geschrieben – nun trifft es sie selber zu ihrem eigenen Siebzigsten. Die „Hommage an die Lebensreise“ blickt in ruhigem Ton auf siebzig Lebensjahre zurück – auf Zeiten von Aufbruch und Überforderung, Erfolg und Zweifel, Routine und Neubeginn.
Irmgard Rosina Bauer trägt das Gedicht auf ...
Irmgard Rosina Bauer trägt das Gedicht auf YouTube vor (Bildschirmfoto)
Das Gedicht verzichtet auf Nostalgie oder Klage. Es beschreibt Lebenswege, die nicht geradlinig waren, und Fragen, die lange mitgetragen wurden – oft ohne Antwort. Gerade darin liegt seine Stärke: Es erkennt Wandel an, ohne das Gewesene festhalten zu wollen. Für viele Siebenbürger Sachsen der älteren Generation dürfte der Text ein Wiedererkennen sein. Er berührt Erfahrungen eines Lebens zwischen Herkunft und Gegenwart – und die leise Einsicht, dass die Jüngeren ihren eigenen, anderen Weg gehen müssen. Das Gedicht lässt Raum für Humor, Selbstironie und Gelassenheit – und spricht damit viele Leserinnen und Leser im siebten Lebensjahrzehnt unmittelbar an.

Wer mag, kann es sich auf YouTube anhören, wo es die Autorin selbst eingesprochen hat.

Gedicht zum Siebzigsten: Hommage an die Lebensreise

Wenn von uns eine*r siebzig wird,
dann hat man was erlebt.
So manches aus manchem Jahrzehnt
uns noch im Hirne klebt.

So manches Jahr war Freude pur:
Erfolg, Karriere, Geld.
Ein Partner und ein Kind dazu,
man fühlte sich als Held.

So manches Jahr war g’scheit was los!
Viel Hektik und Geschrei!
Routine hätt man sich gewünscht -
null Chance dem Einheitsbrei.

So manches Jahr vergessen macht’,
dass Leben schön sein kann.
Da hing man in der Hoffnung fest:
’s wird wieder, irgendwann.

Nach manchem Jahr man erst versteht,
wenn’s tiefer nimmer geht,
dass Glück doch dann erst kommen kann,
wenn man kräftig dran dreht.

So vieles bleibt, was unklar ist,
Weshalb, wieso, warum?
Erst wenn man schließlich siebzig ist,
Kümmert man sich darum.

Wer bin ich, fragt sich jeder Mensch,
kaum einer findt’s heraus.
Bei manchem aber spürt man schon:
Mit achtzig hat er ‘s raus!

Irmgard Rosina Bauer

Schlagwörter: Gedicht, München

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