22. Januar 2012

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Erste „Lichtert“-Feier nach Groß-Alischer Brauch

„Die Sehnsucht nach den Bräuchen aus der alten Heimat lässt uns erfinderisch werden, um sie auch in unseren neuen Heimat aufleben zu lassen“, sagte Pfarrer Georg Schaser in seiner Begrüßung im Groß-Alischer Dialekt vor versammelter Gemeinde in der Stephanuskirche in Nürnberg-Gebersdorf.
„Der wohl schönste Brauch in Groß-Alisch war ‚bam Lichtert sanjen‘ in der Frühkirche am ersten Christtag. Es war die von Jung und Alt meistbesuchte christliche Feier im ganzen Kirchenjahr. Da erklangen die hellen Stimmen der über 200 Schulkinder, die sangen zur Ehre Gottes ihr Leuchterlied beim Schein der strahlenden Kerzen ihrer acht, später vier geschmückten Christleuchter. Heute versuchen wir, dank der Großzügigkeit der Gemeinde der Stephanuskirche, unsere erste Leuchterfeier außerhalb Groß-Alischs zu gestalten. Es fehlen uns die hellen Kinderstimmen, die zu Hause nach vielen Singproben ihr Bestes gaben, aber wir werden das uns wohl bekannte Lied ‚Dies ist der Tag, den Gott gemacht‘ im Wechselgesang von vier Gruppen singen. Es ist mir eine Ehre, mit Euch diese Leuchterfeier zu begehen, und ich werde mir Mühe geben, sie so heimatlich zu gestalten, wie wir sie in Erinnerung haben“.

Mit Freude und Begeisterung stimmten die Teilnehmer des gut besuchten Gottesdienstes „Tochter Zion freue dich“ an. Nach Eingangsgebet und Schriftlesung erwarteten alle gespannt, wie wohl der Hauptpart, der Wechselgesang, sich anhören würde. Mit zögerlichem Einsatz der Frauenstimmen, und darauf etwas blasser die Männerstimmen, wuchs allmählich die Lautstärke und auch der Mut der Sänger. Nach zwei Strophen des Liedes „Dies ist der Tag, den Gott gemacht“ sang die gesamte Gemeinde „Lobt Gott, ihr Christen alle gleich“. Danach folgten wieder Strophen des ersten Liedes im Wechselgesang und am Schluss sangen alle mit Orgelbegleitung die letzte Strophe aus „Dies ist der Tag, den Gott gemacht“. Alle waren erleichtert. Wir hatten es geschafft und nahmen uns vor, in den nächsten Jahren vorher doch ein paar Singproben einzuplanen. Nach Verkündigung des Evangeliums, Lukas 2,1-20, folgten das Lied „Ich steh an deiner Krippe hier“ und die besinnliche Predigt von Pfarrer Georg Schaser. Mit dem Lied „Ich sehe dich mit Freuden an“, den Fürbitten, dem gemeinsamen Vaterunser und dem Segen fand der Gottesdienst seinen Abschluss.Der schmucke Groß-Alischer Lichtert in Grün und ...Der schmucke Groß-Alischer Lichtert in Grün und Weiß. Von den 21 anwesenden Kindern hatten vier Gedichte gelernt, die sie zur Freude aller vortrugen. Anschließend gab es die traditionelle Christbescherung der Kinder, liebevoll von Anni Binder und Inge Kuttesch vorbereitet. In dieser Zeit sang die Gemeinde mit Orgelbegleitung „Ihr Kinderlein kommet“.

Unter den Klängen des Groß-Alischer Posaunenchores mit Georg Zakel und Alfred Drotleff wurde es ganz ruhig im Gotteshaus. Andächtig lauschten wir der Melodie „Stille Nacht, heilige Nacht“. Nur zögernd verließen die Menschen das Gotteshaus. Viele wollten den Lichtert aus der Nähe sehen und fotografieren. Die Meinung über das Aussehen des Lichterts: Genau wie in Alisch sieht er aus, vielleicht etwas größer, etwas sorgfältiger geschmückt. Dafür hatten fleißige Hände gesorgt. Alfred Drotleff fertigte das Lichtertgestell an. Das Wintergrün wurde von mehreren Gruppen um Nürnberg herum gesammelt und zur Familie Georg und Anni Binder gebracht. In ihrem Haus trafen sich eine Woche vor dem Leuchtersingen zehn Frauen und fünf Männer, um den Lichtert zu binden. Die Begeisterung an der Arbeit wuchs von Stunde zu Stunde. Ilse Schmidt hatte die weißen Sterne kunstvoll gebastelt und Frieda Homner zeigte uns, wie man die vielen Girlanden aus weißem Krepppapier anfertigt. Auf der Gartenterrasse wuchs der Lichtert vor unseren Augen. Die Männer fügten die Bögen und Ringe, mit Wintergrün geschmückt, zusammen und befestigten sie, wie auch die Sterne und Girlanden, an dem Lichtertgestell. Alles hatte seine Reihenfolge und den angestammten Platz. Die zwölf weißen Kerzen, symmetrisch am Lichtert verteilt, und die Spitze mit dem Siebengestirn sollten erst in der Kirche angebracht werden. Die Freude war grenzenlos. Nach 20 Jahren sahen wir wieder einen Groß-Alischer Lichtert. Nach getaner Arbeit überraschte uns die Familie Binder mit einem Essen, wie es in Groß-Alisch üblich war: gebratene Kartoffeln, Speck, Wurst, Grieben und Zwiebeln. Dafür und für den gesamten Einsatz sind wir ihnen sehr dankbar.

Wilhelm Paul

Schlagwörter: Groß-Alisch, Weihnachten, Lichtert, Brauchtum

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