30. August 2012

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"Das größte Heimattreffen in Siebenbürgen"

496 Einladungen, 547 Anmeldungen und fast 650 Teilnehmer – das ist die Bilanz des 15. Kleinschelker Treffens am 11. und 12. August 2012, das dritte in der alten Heimat. Das sind nicht ganz so viele Gäste wie in den Jahren 2004 und 2008, dafür kamen aber besonders viele junge Menschen. Wieder gelang es der HOG, ein Fest in einer ungewöhnlichen Größenordnung reibungslos und vor allem sehr stimmungsvoll mit vielen Glanzpunkten zu organisieren.
Kein Treffen der Kleinschelker beginnt ohne Glockengeläut und den Gang zur Kirche. Viele zogen zu diesem Anlass die Tracht an, vor allem die Kinder und Jugendlichen, die wie früher die Bänke vorne füllten. Den Festgottesdienst gestalteten der Pfarrer der Heimatkirche, Gerhard Servatius-Depner, und Pfarrer Martin Hermann aus Neumarkt bei Nürnberg, der nach 23 Jahren zum ersten Mal wieder in Kleinschelken war, gemeinsam. Gleich zum Auftakt stellte Pfarrer Servatius-Depner klar, dass „das Kleinschelker Treffen das größte seiner Art in Siebenbürgen“ ist. Das Treffen begann mit einem traditionellen ...Das Treffen begann mit einem traditionellen Gottesdienst in der vollbesetzten Katharinenkirche in Kleinschelken. Foto: Karl Schuller Nirgendwo sonst finden so viele Sachsen den Weg zurück in den Geburtsort. Wunderschön untermalt wurde der Gottesdienst von den Klängen der alten Orgel und von den silberhellen Stimmen unseres Kleinschelker Chores unter der Leitung von Andreas Stühler. Besonders gut kam das Lied „Glocken der Heimat“ an, weil es genau die Stimmung ausdrückte, die die Gäste bei diesem Treffen empfanden. Nach der Ansprache von Kirchenkurator Martin Draser zeigten Katharina Herrmann und Katharina Reuss in der Kirche eine Bildschirm-Präsentation von Sabine Mai. Sie wurde bei einem Unfall in Afrika so schwer verletzt, dass sie bis heute mit den Folgen zu kämpfen hat und im Rollstuhl sitzt. Die junge Frau hat trotz allem ihren Lebensmut nicht verloren und bedankte sich für die Spenden der Kleinschelker, indem sie ihre Geschichte erzählte, mit vielen Bildern vor und nach dem Unfall. Die rührende Präsentation bewegte die Herzen aller, viele konnten die Tränen nicht zurückhalten.

14 Nachbarschaften: Hilfe leisten von der Geburt bis zum Grab

Für den Auszug aus der Kirche durch das alte Porttor auf den Marktplatz hatten sich die Organisatoren etwas ganz Besonderes ausgedacht: Alle stellten sich nach den 14 Kleinschelker Nachbarschaften auf, wie es vor der Auswanderung bei der „Fuesnicht“ üblich war. Das Nachbarschafts-Motto erläuterte Hans Draser, der die Gäste auf dem Marktplatz begrüßte: „Nachbarn waren viel mehr als nur nebeneinander wohnende Menschen. Es war eine Gemeinschaft der gegenseitigen Hilfeleistung von der Geburt bis zum Grab, eine Verpflichtung zur Instandhaltung des Gemeindegutes und der Einhaltung der weltlichen und religiösen Ordnung. Einer Nachbarschaft anzugehören war Pflicht. Durch sie konnten die Sachsen ihre Identität, Tradition und Kultur über Jahrhunderte bewahren.“ Die Gäste stellten sich wie früher nach den 14 ...Die Gäste stellten sich wie früher nach den 14 Nachbarschaften geordnet auf dem Marktplatz von Kleinschelken auf. Foto: Karl Schuller Nach den Eröffnungsreden begeisterte eine Gruppe von Kleinschelker Jugendlichen mit ihren Trachtentänzen „Krüzkönig“ und „Russenpolka“ unter der Leitung von Anita Groß. Danach sangen alle gemeinsam die 14 Hymnen der Nachbarschaften und das Siebenbürgenlied. Zu jeder Hymne hatte Simon Geiger ein thematisch passendes Bild gezeichnet, die auf Schildern vor jeder Nachbarschaft zu sehen waren. Sodann ging es in den wunderschön renovierten Saal zum gemeinsamen Festessen. Bei der Sanierung des Gemeindesaals und der Schule wurde in einer Mauer ein Fläschchen mit einem Brief vom 25. September 1986 gefunden, den Uwe Draser vorlas. Hier einige Auszüge: „Anlass dieses Schreibens ist die Renovierung des Schulgebäudes. Zur Zeit leben noch 1166 Sachsen in der Gemeinde, aber es werden sehr viele nach Deutschland auswandern. Diese deutsche Schule wurde im Jahr 1912 gebaut, nur von Sachsen, und dieses Mal von sächsischen Meistern renoviert. Vielleicht wird es bis zur nächsten Renovierung keine Sachsen mehr im Dorf geben.“

Zum ersten Mal hatte die HOG die Organisation des Festessens einem örtlichen professionellen Partyservice überlassen – mit großem Erfolg: Von der „Schluppernsuppe“ bis zu den „Sarmale“ schmeckte alles köstlich. Nach Kaffee und Torte sorgten die rumänischen Mitbürger für eine Überraschung: Grundschüler traten in Tracht auf, zeigten Tänze, trugen Lieder und extra zum diesem Anlass geschriebene Gedichte vor. Anschließend nutzten die jetzigen Lehrer das 100. Jubiläum der Schule als Anlass, um die ehemaligen Schüler in ihre Klassen einzuladen. Viele folgten der Einladung und machten Fotos nach Jahrgängen. Zu diesem Thema hatte auch Pfarrer Servatius-Depner einen Beitrag: Er hat alte Presbyterialprotokolle vom Bau der Schule 1912 gefunden. Zum Nachlesen stehen sie jetzt im Internet unter www.kleinschelken.de bereit.

Ein besonderes Highlight war die Eröffnung des Heimatmuseums im Pfarrhaus. Die Idee dazu basierte auf dem Wunsch, das, was unsere Vorfahren mühsam aufgebaut hatten, zu erhalten und den nachfolgenden Generationen zu zeigen. Unter der Leitung von Katharina Hermann wurden daher über 100 Fotos und Ausstellungsstücke zusammengetragen, die die Gäste des Treffens in Scharen anzogen. Viele erkannten sich auf den Fotos, sahen längst Verstorbene wieder, erinnerten sich an lustige und traurige Begebenheiten. Die Truhen und Zeichen fast aller Nachbarschaften, bemalte Bauernmöbel, bestickte Trachten und Kissen, alte Gebrauchsgegenstände und Arbeitsgeräte geben einen lebendigen Eindruck über die Geschichte, die Bräuche, den Weinbau und die Kultur im Dorf. Auch das Heimatmuseum ist ein gelungenes Projekt, zu dem man nur gratulieren kann.

„An Tagen wie diesen“

Kaum erwarten konnten vor allem die vielen Jugendlichen den Abend, denn da sorgte die Top-Band „Amazonas Express“ für beste Stimmung. Mit ihren beliebten Songs und brandneuen Hits holten sie alle auf die Tanzfläche. Besonders bei dem Lied „An Tagen wie diesen“ fühlten sich junge und alte Kleinschelker sehr verbunden und genossen das Zusammensein in vollen Zügen. Da konnte nur das großartige Feuerwerk noch eins draufsetzen!

In dieser Stimmung ging es auch am nächsten Tag weiter, der mit einer besinnlichen Andacht auf dem Friedhof begann. Nach dem Mittagessen lud Adolf Kiertscher mit Gesang und Trompete zum Mitsingen ein. Später stand der Tag im Zeichen des Sports: Wie früher gab es ein spannendes Fußball-Turnier auf dem „Kokosch“, wo drei Teams um die Goldmedaille kämpften, die diesmal an die junge Mannschaft der „Youngsters“ ging – wieder ein Beweis für die Stärke und den Zusammenhalt unserer Jugend, auf die alle sehr stolz sind. Am Abend zeigte eine Modenschau mit verkehrten Rollen, dass Kleinschelken nicht nur – wie es in der Hymne heißt – „de hescht Medcher“, sondern auch attraktive Jungs zu bieten hat. Dafür gab es viel Applaus und die meisten Lacher des Abends.

Am Montag trafen sich alle zum traditionellen Lagerfeuer auf dem Berg – ein Erlebnis mit meterhohen Flammen und den romantischen Klängen der Adjuvanten, die bis weit nach Mitternacht spielten und viele zum Mitsingen und Tanzen im grünen Gras bewegten. Ein überaus gelungener Abschluss des Treffens war der Ball am Dienstag: Die sechs Vollblut-Musiker von Amazonas Express sorgten für einen vollen Saal mit fast 1 000 Gästen. Siebenbürger Sachsen, Deutsche und Rumänen tanzten gemeinsam bis in die frühen Morgenstunden. Damit ging eins der schönsten Wiedersehensfeste, das allen Teilnehmern unvergesslich bleiben wird, zu Ende. Allen, die Treffen, Rahmenprogramm und Ball auf die Beine gestellt und mitgeholfen haben, sei ein herzlicher Dank ausgesprochen. Auf ein Neues im Jahr 2016!

Heike Schuster-Mantsch

Schlagwörter: Heimattreffen, Kleinschelken

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