13. September 2014

Viertes Treffen in unserem Heimatort Meschen

Drei Jahre nach dem letzten Treffen zog es wieder viele Meschner, deren Freunde aus der württembergischen Partnergemeinde Ilsfeld sowie weiteren Regionen in unseren siebenbürgischen Heimatort. Drei Tage (2.-4. August 2014) offizielles Programm waren angesagt, drei Tage, die viel Bekanntes auffrischten, aber auch Neues zum Entdecken boten. Schon unsere Ankunft beschreibt treffend die allgemeine Stimmung im Dorf. Von einer älteren, einheimischen Frau nach meiner Herkunft gefragt, wurde ich mit einem sehr herzlichen „Bine aţi venit“ begrüßt. Es ist schön, nach 25 Jahren noch immer die eigenen Wurzeln spüren zu dürfen.
Der Samstagvormittag stand unter der Frage: Was ist in Meschen in der Zwischenzeit geschehen und wie kann es weitergehen? Die Vertreter der örtlichen Administration (allen voran Bürgermeister Eugen Roba und Schuldirektor Sotropa) ließen es sich nicht nehmen, das heutige Meschen den ehemaligen Bewohnern zu präsentieren. Eine Dorftour umfasste die Schule, die alte Mühle sowie ehemals sächsische Häuser, die im Rahmen des Projektes „Ecomuzeu“ zu Vorzeigewerken umgewandelt sind. Traditionelle Speisen und Getränke an jeder Station rundeten dieses Angebot ab. Es ist schön zu sehen, dass es in Meschen positiv weitergeht und unser steinernes Erbe in das alltägliche Dorfleben integriert bleibt.

Gleichzeitig fand am kühlsten Platz des Dorfes, der schönen Kirche, eine Diskussion mit Bischof Reinhart Guib und weiteren Vertretern der Evangelischen Kirche über die zukünftigen Möglichkeiten der Beteiligung unserer Siebenbürger Nachbarschaft Meschen e.V. (HOG Meschen) an der Erhaltung und Nutzung des siebenbürgisch-sächsischen Kulturerbes in Meschen statt. Zusammenfassend wurde beim nachfolgenden Mittagessen festgestellt, dass die momentane Konstellation in Meschen mit der sehr motivierten örtlichen Administration, der „mit Leib und Seele Burghüterin“ Manni Rempler, den Verantwortlichen der Evangelischen Kirche sowie dem Vorstand der SNM e.V. vielversprechende Rahmenbedingungen bietet. Jetzt liegt es an uns, aus dieser Situation mit den richtigen Ideen zukünftig positive Ansätze umzusetzen.
Heimattreffen im Gemeindesaal in Meschen. Foto: ...
Heimattreffen im Gemeindesaal in Meschen. Foto: Jürgen Wiesler
Die leidenschaftliche Köchin Manni Rempler bewirtete zur Mittagszeit mit familiärer Hilfe im Burghof die anwesenden Meschner vorzüglich. Kulinarisch ging es weiter. Das Hanklichbacken der rumänischen „Bäckerin“ am späteren Nachmittag zeigte nochmals die Gastgeberqualitäten der heutigen Meschner. Fast jeder „Heimgereiste“ wurde nach seinen Eltern und alter Adresse gefragt, so dass das Netz alter Bekanntschaften immer dichter gesponnen wurde. Dass die Hanklichqualität von Meschen in Deutschland unerreichbar ist, war nur ein viel zitierter Nebeneffekt. Somit zeigte der erste Tag, es ist mal wieder schön, am Ort der Kindheit und Jugend zu sein.

Voller Erwartung startete der nächste Tag mit dem sonntäglichen Kirchgang. Die Vermutungen, dass die vorhandenen Kirchenbänke nicht ausreichen würden, bestätigten sich sehr schnell. In einer sehr gut gefüllten, neu renovierten Kirche fand seit vielen Jahren wieder ein Meschner Gottesdienst statt. Ich bin überzeugt, dass er fast allen Teilnehmern für eine lange Zeit im Gedächtnis bleiben wird. Neben Pfarrer Ziegler waren es hauptsächlich Meschner, die dazu beitrugen: Theologiestudent Nick Fernolendt, ein Meschen-Ilsfeld-Chor unter der Leitung von Fritz Bretz und – für mich – der emotionale Höhepunkt dieses Treffens: der Gesang von Heidi und Christian Mantsch, begleitet an der Orgel von Fritz Bretz. Danke, lieber Christian, für diese unvergesslichen, „halszuschnürenden“ Momente. Ich bin überzeugt, dass dieses DANKE von vielen anwesenden Meschnern unterschrieben wird.

Noch überwältigt von diesen emotionalen Momenten ging es im Anschluss an den Gottesdienst zu den Gräbern unserer Ahnen. Ich habe in den zwei Wochen vor dem Treffen mehrere sächsische Friedhöfe in Siebenbürgen gesehen und kann erfreut feststellen: wir haben in Meschen einen der schönsten. Die Ansprache von Pfarrer Dieter Herbert sowie der Gesang der von Fritz Bretz begleiteten Adjuvanten Georg Bretz und Christian Mantsch traf die Seele der Meschner erneut mit voller Wucht.

Damit war der offizielle Teil des Tages beendet und jeder freute sich auf die klimatisierte Luft im Gemeindesaal. Nach der Enthüllung einer Erinnerungstafel an die sächsischen Bewohner Meschens startete der unterhaltsame Teil des Tages. Die Bewirtung durch unsere rumänischen Ex-Nachbarn überraschte keinen mehr und ist aus meiner Sicht das schönste Kompliment, das ich in diese Richtung aussprechen kann.

Als unsere Geschichtslehrerin Susanne Elischer auftauchte und sich inmitten ihrer ehemaligen Schüler sehr wohl fühlte, erinnerte ich mich an ihre Worte vom letzten Blasi (1990) in Meschen: „Wir sind heimatverbunden, auch wenn wir nicht mehr hier sind. Wir gehören zusammen, auch wenn wir in Deutschland oder anderswo leben. Ein Mensch kann sich ändern, aber das, als was er geboren wurde, kann ihm niemand nehmen.“ Wieso konnte Frau Elischer unseren heutigen Zustand schon am 2. Februar 1990 so treffend beschreiben?

Sicherlich gibt es noch viel von diesen beiden Tagen zu berichten, aber ich möchte auch jedem Einzelnen seine individuelle Erinnerung zugestehen.

Hans Reinerth

Schlagwörter: Meschen, Treffen, HOG

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