2. August 2017

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Impressionen vom Honterusfest bei Pfaffenhofen

Das Geräusch von prasselnden Regentropfen auf der Zeltplane weckt mich am 2. Juli auf. Nicht gut, denke ich – nein, so war das nicht abgemacht. Wir alle hatten gutes Wetter für dieses 27. Honterusfest bestellt und bereits Tage im Voraus Wetter-Apps studiert. Regen kann an diesem speziellen Sonntag keiner gebrauchen.
Es sollte doch unser Debüt, des frischgebackenen „Honterusfest-Orga-Teams“ werden, welches von der langjährigen, erfahrenen Mannschaft die Aufgabe der Festorganisation übernimmt. Wir treten in große Fußstapfen. Entsprechend groß sind die Ehrfurcht und Nervosität, trotz der langen, intensiven Vorbereitungen durch Orga-Chefs und Team. Ich höre bereits emsiges Werkeln jenseits der Hecke in der Kommandozentrale unterm Pavillon auf dem Waldspielplatz bei Pfaffenhofen. Bereits am Samstag sind erste Übernachtungsgäste eingetroffen. Um halb neun zeigen sich neue Gäste. Nun aber hurtig Tische und Bänke zum zweiten Mal abgewischt, Schirme aufgespannt, letzte Absprachen mit den Caterern getroffen und dann in die leuchtend gelben T-Shirts geschlüpft, Positionen bezogen.

Die ersten Autos rollen an. Ich stehe an der Kasse mit den anderen Mädels, mit einem Auge den Strom der Gäste verfolgend, mit dem anderen meine Kinder, die um uns herum spielen. Sie wissen weder, wer Johannes Honterus war, noch kennen sie die Schule, die ich vor 27 Jahren besuchte, aber sie merken, das hier ist für uns Große wichtig. Und während die Autos an uns ­vorbeiziehen, die Insassen ihre Fenster herunterlassen, uns freudig begrüßend, merke ich, ich kenne mehr Honterianer als gedacht. Festrednerin Heidrun Șindilariu beim ...Festrednerin Heidrun Șindilariu beim Honterusfest. Foto: Zoltan Kocsis Heimat, das habe ich früh gelernt, ist kein Ort. Es ist die Summe der Menschen, die man kennt und liebt. Die man schmerzlich vermisst, wenn man von ihnen getrennt wird. Und die Triebfeder, die alle hier an diesem regnerischen Sonntag zusammenbringt.

Heidrun Șindilariu, die wir stolz als erste weibliche Festrednerin vorstellen dürfen, betont in ihrer Ansprache die Rolle der humanistischen Bildung, die die Honterusschule seit ihrer Gründung auszeichnet – ein wichtiges Kernstück siebenbürgischer Identität, das uns alle geprägt hat. Auch durch die schwierigen Zeiten der ­Diktatur hindurch wurden diese Ideale an die Schüler weitergegeben, was uns befähigte, die Doppelbödigkeit der sehr gegensätzlichen politischen Situation bar jeder Ideologie zu erkennen.

Die Jugendtanzgruppe Ingolstadt/Manching tritt nach der Rede auf. Der kleinste Zwerg ist gerade mal geschätzte vier und mäandert grinsend in voller Festmontur zwischen den anderen Kindern, die ihre Sache hervorragend machen, umher. Großer Applaus und Hurra für den Nachwuchs, der hier in der 800 Jahre alten Tracht selbstbewusst auftritt, als wäre es nichts Besonderes. Ist die Spezies Siebenbürger doch nicht vom Aussterben bedroht?

Die Festwiese bietet ein Bild der Geselligkeit. Überall stehen die Honterianer in großen und kleinen Gruppen oder begrüßen einander stürmisch, ratschen, lachen. Die Gesprächsfetzen sind vertraut. „Na, du weißt schon, die soundso, eine geborene sonstwie, deren Schwester den hmhm geheiratet hat und deren Sohn eine …“. Klang meiner Kindheit, genauso wie die mal harmlosen, mal nicht ganz jugendfreien Witze über den nicht totzukriegenden Bulă.

Das Wetter, das sich ein paar Stunden gnädig gezeigt hat, verliert gegen vier die Lust und begießt unsere Gäste kurz und heftig. Schmeißen jetzt alle das Handtuch und flüchten? Falsch gedacht. Ein stabiler Kern hat sich festgeratscht, trocknet unverdrossen die Bänke in Eigenregie ab und macht weiter.

Müde, aber zufrieden trifft sich die Mannschaft nach dem Abbau gegen sieben wieder in der Kommandozentrale. Resümee: Knapp 460 Gäste – kein Besucherrekord, aber für das Wetter ganz passabel. Den demographischen Löwenanteil bestritten die über 60-Jährigen, die Titanen unserer kleinen Gemeinschaft, Kenner der alten Geschichten und aberwitziger Spitznamen, so typisch für diese Generation. Zum ersten Mal waren wieder mehr Mittvierziger vertreten.

Stellt sich die Frage: Haben wir eine Perspektive für das Fest? Ja! Und diese werden wir nutzen, solange es geht und genügend Menschen wichtig ist, sich alle zwei Jahre hier zu treffen. In diesem Sinne freuen wir uns euch beim nächsten Mal am gewohnten Ort zur gewohnten Zeit wiederzusehen.

Anemone Mamet-Schuster

Schlagwörter: Kronstadt, Honterusfest, Burzenland

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