24. Januar 2019

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Gustav Schneider, ehemaliger Rektor in Rode, wurde 90

Die HOG Rode gratuliert Rektor Gustav Schneider zu seinem 90. Geburtstag, den er am 5. Januar im Siebenbürgerheim in Drabenderhöhe beging. Wir danken ihm für seinen ganz besonderen Einsatz, den er als Lehrer und Rektor an unserer Roder Dorfschule über ein ganzes Jahrzehnt erbracht hat.
Es war nicht irgendein Jahrzehnt, sondern die schwere Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg, als unsere Roder nach der Flucht wieder versuchten, zu Hause Fuß zu fassen. Nach den Kriegswirren und ihren Folgen bestand in Rode wieder die Möglichkeit, deutschsprachige Schulklassen zu gründen. Das Problem war aber, dafür geeignete Lehrkräfte zu finden. Die Lehrerinnen und Lehrer, die nach Rode beordert wurden, kamen nicht unbedingt auf eigenen Wunsch, sie wurden dahin befohlen.

So geschah es auch mit Gustav Schneider, der 1929 in Odrihei bei Rode geboren wurde, wo sein Vater als Diplomlandwirt ein ehemaliges Grafengut verwaltete. 1950 wechselte er auf Verlangen des damaligen Bürgermeisters von der Schule in Kleinlasseln nach Rode, weil Rode angeblich einen Dirigenten für den Chor benötigte. So wurde er Lehrer und später auch Rektor an der Schule in Rode.

Die ersten Jahre in Rode waren für einen so jungen Menschen nicht einfach. Unsere Roder konnten ihm anfangs keine ordentliche Unterkunft bieten, weil sie selbst in fremden Hütten lebten und nur das Nötigste zum Überleben hatten. Sie gaben sich aber große Mühe und unterstützten ihn, wo sie nur konnten, denn sie wollten ihn nicht verlieren. Bei den Kindern war er außerordentlich beliebt, aber auch gefürchtet, weil er ein strenger Lehrer war. Dementsprechend lernten sie aber auch fleißig und sind ihm bis heute dankbar für seine strenge Hand!Der ehemalige Roder Rektor Gustav Schneider. ...Der ehemalige Roder Rektor Gustav Schneider. Ihm haben wir zu verdanken, dass in Rode ab dem Schuljahr 1952/53 wieder eine deutsche Oberstufe geschaffen wurde. So konnte den Schülern ein erweitertes Wissen vermittelt werden, um sie auf die neue Situation für eine veränderte Welt vorzubereiten. Es war notwendig, auch über die Dorfgrenze von Rode hinauszuschauen, um sein Wissen zu erweitern und das Land kennenzulernen, in dem man lebte!

Rektor Schneider organisierte bereits 1954 den ersten Ausflug für unsere Roder Kinder. Sie fuhren mit der Bahn aus Elisabethstadt nach Hermannstadt, wanderten zur Prejba, einem Gipfel in dem Zibingebirge, und fuhren dann weiter zum Roten-Turm-Pass im Alt-Tal. Weitere Ausflüge führten zu den Mineralwasserquellen nach Harghita, zum Mördersee (Lacul Roșu) und der Bicaz Klamm. Damit sahen unsere Roder Schüler Orte, die ihre Eltern und Großeltern vorher nie gesehen hatten. Das führte auch dazu, dass die Schüler das Bedürfnis hatten, später nach der Schulzeit aus dem Ort rauszukommen, weiterführende Schulen zu besuchen und andere Berufe zu erlernen.

Das neue Regime im Land forderte von den Lehrern intensive Kulturarbeit. Es mussten immer wieder Programme im neuen Kulturhaus organisiert werden. Rektor Schneider stellte einen Chor auf, studierte mit der Roder Dorfjugend Volkstänze ein und bildete eine junge Bläsergruppe aus, so dass die gesamte Roder Blaskapelle über 20 Mitglieder zählte. Durch die Teilnahme an verschiedenen Wettbewerben kamen die Roder Kulturgruppen viel herum und gewannen sehr oft den 1. Platz – dank ihrer Bereitwilligkeit und der Begeisterungsfähigkeit durch Rektor Schneider.

Im Jahr 1960, nach zehnjährigem Aufenthalt in Rode, verließ Rektor Schneider unser Dorf, um in der Kreisstadt einen Posten als Schulinspektor anzunehmen. Auch aus dieser Position heraus unterstützte er unsere Schule und unser Dorf. So organisierte er 1971 als großes Volksfest eine „Schau-Hochzeit“ in Rode. Dieses Ereignis wurde sogar von den Nachbarorten und der rumänischen Bevölkerung mitgefeiert und wurde über die Presse weit über Rode hinaus bekannt. Schneider leistete damit einen Beitrag für die Erhaltung unserer siebenbürgisch-sächsischen und Roder Tradition. 1974 wurde er Rektor der Schäßburger Bergschule.

Seine Verbindung zu Rode hat Gustav Schneider nie ganz abgebrochen, wohl auch deswegen, weil die Dienstzeit in Rode zu den schönsten Abschnitten seines Lebens gehört, wie er selbst sagt. Auch nach der Auswanderung aus Rumänien 1986 hat er an vielen unserer Treffen teilgenommen und sich als Mitglied unseres Roder Heimatvereins bekannt. Im Jahr 2010 wurde ihm seitens der HOG Rode als Dank für sein gesamtes Wirken zum Wohle unserer Roder Gemeinschaft die Ehrenmitgliedschaft verliehen.

Im Namen aller Roder wünschen wir unserem Rektor Schneider gute Gesundheit und Gottes Segen für die kommenden Jahre und dass er seine Verbundenheit zu uns Rodern weiterhin aufrechterhält.

Ilse Bell

Schlagwörter: Porträt, Geburtstag, Lehrer, Schule, Rode, Schäßburg, Bergschule

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