7. Dezember 2019

Emotionaler Gedichtvortrag beim Heimattreffen in Waldhütten

30 Jahre nach der Wende fand im August 2019 erstmals ein Heimattreffen in Waldhütten statt (diese Zeitung berichtete). Dieses Treffen war und bleibt ein unvergessenes Erlebnis für alle. Von allen Waldhüttner und deren Freunde, die dabei waren oder die aus bestimmten Gründen an diesem Fest nicht teilnehmen konnten, hört man nur großes Lob an die Organisatoren und alle Helfer. Katharina Schuller hat ein selbstverfasstes Gedicht in der Kirche vorgetragen. Es war für sie und die Gottesdienstbesucher ein sehr emotionaler Moment.

Heimweh – das wohl jeder kennt

Vor vielen Jahren, kamen unsere Vorfahren nach Waldhütten gefahren,
gerufen wurden sie ins Siebenbürger Land,
von König Geisa der II, das ist allen bekannt.
Die Wagen voll bepackt, mit wenig Hab und Gut,
für einen Neuanfang hatten sie großen Mut.

Die Wälder roden, den Boden urbar machen,
ein Heim für die Familie bauen, noch viele andere Sachen.
Den Acker pflügen, die Ähren wehten bald golden im Sommerwind,
bis die Sensen kamen und sie zum Fall brachten geschwind.
So wurden die Felder bestellt, man musste für Leib und Seele sorgen
und hoffen auf einen guten Morgen.
Katharina Schuller beim Gedichtvortrag in der ...
Katharina Schuller beim Gedichtvortrag in der evangelischen Kirche in Waldhütten. Foto: Anne Binder
Die Weinrebe hatten sie auch mitgebracht,
diese an die Hänge pflanzen, hier ihnen die Sonne entgegen Lacht.
Die Gutedel, Muskateller an den Reben, waren eine Pracht,
die Weinlese hatte allen viel Spaß gemacht.
Nun wusste man es gibt einen guten Wein,
der in Siebenbürgen auf jedem Tisch musste sein.

In der Not wurde die Gemeinschaft groß geschrieben,
der Nachbar nebenan, war immer bereit zu helfen, so gut er kann.
Ob beim Haus bauen, Scheune neu eindecken,
mit Klein und Groß war man dabei, man brauchte keinen zusätzlich wecken.

Die Kirchenburgen, sie sind Zeugen der Zeit,
haben viel erlebt, der Turm ragt in den Himmel weit.
Die Ringmauern, sie trotzten dem Einbruch der Tataren,
die Dorfbewohner Schutz in den Mauern fanden, vor den Barbaren.

Man feierte zusammen viele schöne Feste,
an die sich manche erinnern, sie waren für alle das Beste.
Ob Fuasnicht (Fasching), Blasi für die Kinder,
dann Palmsonntag, Ostern, Pfingsten,
Peter und Pauls Tag, Erntedankfest, Tomasnacht,
Katharinenball, Weihnachten, Neu Jahr,
mit Freude wurde an alle gedacht.

Die Hochzeit, die Feier ging eine Woche lang,
alles vorzubereiten da brauchte man jeden Mann.
Die Hanklich, der Strietzel, das gute Holzofenbrot,
die Hochzeitsuppe, der Hühnerbraten,
sie durften nicht fehlen, da alle darauf warteten.
Es wurde getanzt bis in den frühen Morgen,
dabei vergaßen alle ihre Sorgen.

Nach 30 Jahren sind wir nun wieder bereit,
zusammen zu feiern, uns zu erinnern an die vergangene Zeit.
Das Dorf grüßt uns ganz einsam und leer,
wo sind die vertrauten Gesichter? sie fehlten uns sehr.
Das Elternhaus steht noch an der gleichen Stelle,
heraus kamen Fremde, der Schmerz in der Brust löste eine Träne.

Der Bach in der Mitte des Dorfes wie schon immer,
gespielt haben wir darin, so war es halt früher.
Der Kirchturm krönt in majestätischer Pracht,
die Mitte des Dorfes noch in voller Macht.

Im Kirchhof sind wir versammelt, einige in der Heimattracht,
wir spüren in unseren Herzen eine gewaltige Macht.
Die Glocken läuten vom Kirchturm hernieder,
sie grüßen uns und sagen „zu Hause seid ihr wieder“.

Der Gottesdienst erfüllt die Kirche mit seinem Hall,
alle hören rührend zu, denken zurück, so war es einmal.
Manch einem eine Träne die Augen verschließt,
es rührt unsere Herzen, es werden viele vermisst.

Die Lindenbäume stehen einsam und verlassen,
sie werden heute wieder mit Tanz und Musik erfüllt,
viele können es kaum fassen.

Der Weg geht auch zum Friedhof zu „All unseren Lieben“,
die in der alten Heimat fanden ihren seligen Frieden.
Ein paar Blumen auf`s Grab, ein letztes Gebet,
dann Abschied nehmen und wieder geht´s weg.

Wir werden wieder kommen, jeder so gut er kann,
die Sehnsucht nach der Heimat stillen, dann und wann.
Wir danken Gott für all unsere Gaben,
die wir in unserm Leben erhalten haben.
Wir danken von Herzen für dieses schöne Fest,
das nach 30 Jahren uns wieder zusammenwachsen lässt.

Katharina (Trinni) Schuller

Schlagwörter: Waldhütten, Heimattreffen, Gedicht

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