4. November 2022

Arbeiten – Berichten – Feiern: Fachtagung des HOG-Verbands in Bad Kissingen

Für das Wochenende vom 28. bis 30. Oktober hatte „Der Heiligenhof“ in Bad Kissingen in Zusammenarbeit mit dem Verband der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften e.V. zu einer durch das Bundesministerium des Innern und für Heimat geförderten Fachtagung eingeladen. Das Thema „Brücken- und Wegebau zwischen Ländern und Generationen. Die Siebenbürger Sachsen hüben und drüben“ war für mehr als 100 Teilnehmer ein guter Anreiz zur Teilnahme an der Fachtagung. Sehr deutlich spürbar war aber auch die Freude darüber, wieder einmal in der Gemeinschaft von Freunden zu verweilen.
Zum 25-Jubiläum des HOG Verbands: Anschneiden der ...
Zum 25-Jubiläum des HOG Verbands: Anschneiden der Geburtstagstorte durch Wilhelm-Georg Hietsch, Horst Göbbel, Ilse Welther und Michael Konnerth (von links nach rechts). Foto: Udo Buhn
Nach der Begrüßung durch Studienleiter Gustav Binder als „Hausherr“ und durch die Vorsitzende des HOG-Verbands, Ilse Welther, ging es gleich zur Sache mit einem Vortrag von Ines Wenzel über „Siebenbürgische Trachten als identitätsstiftendes Bekenntnis“. Die Lehre, die wir daraus ziehen konnten: Es geht nicht um Gleichmacherei oder Uniform, sondern um das bewusste Bekenntnis zur Gemeinschaft in einer angemessenen, aber dezenten Form. Dies verdeutlichte die Referentin anhand vieler Beispiele angebrachter oder unpassender Ausstattung.

Auch die beiden am Freitagabend gezeigten Dokumentarfilme von Christel Ungar-Ţopescu zum Thema „Frauenpower“ befassten sich mit der Einbindung und dem Wirken der dargestellten Personen in ihrem Umfeld und für ihre Gemeinschaft: Ortrun Rhein als Leiterin des Dr.-Carl-Wollff-Altenheims in Hermannstadt und Caroline Fernolend als Geschäftsführerin des Mihai-Eminescu-Trusts sowie in ihrer Heimatgemeinde Deutsch-Weißkirch.

Dr. Radu Nebert, stellvertretender Vorsitzender des Siebenbürgen-Forums, erinnerte gleich am Samstag-Morgen an drei Begriffe, die das Jahr 2022 prägten: Kultursommer, Sachsentreffen und Identität. Selbstverständlich fanden sich viele Tagungsteilnehmer darin wieder, haben doch die Heimatortsgemeinschaften in erheblichem Maße zu den zahllosen Veranstaltungen des Kultursommers und zum Treffen in Meschen beigetragen.
Aufmerksame Teilnehmer der HOG-Fachtagung in Bad ...
Aufmerksame Teilnehmer der HOG-Fachtagung in Bad Kissingen. Foto: Udo Buhn
Über „Beispiele von Nutzungskonzepten von Kirchenburgen und Pfarrhäusern im Harbachtal“ berichtete Winfried Ziegler, Geschäftsführer des Siebenbürgenforums. Aus seinem Vortrag konnte man Ideen mitnehmen, was man mit der entsprechenden Einrichtung in seiner Gemeinde machen könnte und vor allem, wie man das angehen sollte. Die Hauptfunktion der Gebäude als Treffpunkt der Gemeinschaft muss erhalten werden, aber sie kann durch innovative Ideen ergänzt und aufgefrischt werden.

Friedrich Gunesch, Hauptanwalt der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien (EKR), befasste sich in seinem Vortrag mit der „neuen Kirchenordnung“ und der Zweitmitgliedschaft. Klar und deutlich zeigte er auf, dass die entsprechenden Richtlinien vorhanden sind und allenfalls deren Interpretation und Umsetzung Probleme bereiten. In der Manier eines Seminars zeigte er allgemeinverständlich, was wie zu tun ist, und versprach, seinerseits das zu tun, was notwendig ist, um aufkommende Resignation zumindest durch Hoffnung oder noch lieber durch Gewissheit zu ersetzen.

Eine sehr anspruchsvolle Arbeit führt Hildrun Schneider im Kreis Hermannstadt für „Sozialbedürftige in Siebenbürgen“ aus. Über diese Tätigkeit berichtete sie ausführlich, über Bestandsaufnahme und erkannte Probleme und ermittelten Bedarf sowie unmittelbar daraus abgeleitete konkrete Aktionen. Die anfängliche Skepsis einiger Bedürftigten, die sie besuchte, wandelte sich sehr bald in die Hoffnung oder geradezu den Wunsch zu häufigerer Kontaktaufnahme. Die Vernetzung der Helfenden – Forum, EKR, HOGs – soll zum Nutzen der Notleidenden in Zukunft intensiviert werden, das Projekt soll auch auf andere Landesteile ausgeweitet werden. Wie bei allen anderen Vorträgen schlossen sich daran sehr angeregte Diskussionen an.

Der Hermannstädter Bezirksdechant Dietrich Galter gestaltete sein Thema „Zusammenarbeit mit den HOGs“ zu einem Frage-Antwort-Spiel: Was erwarten wir voneinander, was können wir uns gegenseitig bieten, was brauchen wir zum Gelingen unserer Vorhaben? Damit hat er den Teilnehmern sehr eindringlich vor Augen geführt, dass unsere Gemeinschaft außer vom Geben und Nehmen auch z.B. von angemessener Kommunikation lebt.

Der Samstagnachmittag war zunächst dem großen Thema „Kirchenburgen“ gewidmet. Eugen Vaida von der „Asociaţia Monumentum“ und Philipp Harfmann von der Stiftung Kirchenburgen berichteten ausführlich und konkret über Maßnahmen der jüngsten Vergangenheit, was getan werden musste oder getan wurde, um undichte Dächer, morsche Dachbalken und Treppen, einsturzgefährdete Stützpfeiler und Mauern zu ertüchtigen und für die Zukunft zu erhalten. Auch hier konnte der aufmerksame Zuhörer sein Objekt wiederfinden oder Ideen ableiten, die man sinngemäß auf sein Objekt übertragen könnte.

Im März 1997 hatte man „den Weg zueinander gefunden“, wie damals die Siebenbürgische Zeitung berichtete: Der Verband der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften wurde bei einer Tagung in Gomadingen ins Leben gerufen. Darüber und über den weiteren Werdegang unseres Verbands in den vergangenen 25 Jahren berichtete der Gründungsvorsitzende Horst Göbbel. Neben der formellen Gründung gab es aber erste Zusammenschlüsse und Besprechungen bereits 15 Jahre früher, also 1982. Wenn wir noch einen Grund zum Feiern bräuchten, hätten wir durchaus auch ein 40-jähriges Jubiläum vorzuweisen. Aber, wer will schon älter erscheinen, als er tatsächlich ist. Also begnügten wir uns mit der Geburtstagstorte zum jugendlichen 25. Jubiläum, nachdem die Gründungsvorstände entsprechend geehrt wurden: Martin Drotleff, der Schriftführer, mit einer Ehrenurkunde, Wilhelm-Georg Hietsch, der stellvertretende Vorsitzende, mit der Silbernen Ehrennadel, und Horst Göbbel mit der Goldenen Ehrennadel des HOG-Verbands. Kaum jemand hat es gemerkt, dass durch diese Feierstunde die in der Einladung angekündigte „Kaffeepause“ zweckentfremdet wurde.
Gruppenbild mit den Teilnehmern und ...
Gruppenbild mit den Teilnehmern und Teilnehmerinnen der HOG-Fachtagung in Bad Kissingen. Foto: Heike Mai-Lehni
Für den folgenden Block mit Berichten der HOGs über Arbeiten in ihren Heimatorten im Jahr 2022 hatten wir eindeutig viel zu wenig Zeit eingeplant. Die schiere Anzahl der Rückmeldungen auf den entsprechenden Aufruf hat uns überwältigt, deren Inhalte sogar noch mehr. Nicht nur wegen des Kultursommers wurde in sehr vielen Orten sehr gründlich „aufgeräumt“. Auch Ideen von früheren HOG-Fachtagungen wurden aufgegriffen und in der eigenen Gemeinde umgesetzt. Wer will es den Teilnehmern der Arbeitscamps verdenken, wenn sie sich ein wenig an Goethes „Schatzgräber“ erinnerten: „Tages Arbeit, Abends Gäste! Saure Wochen, Frohe Feste!“; dass also nach der Arbeit an der Kirchenburg oder auf dem Friedhof, des Abends im Burghof zünftig gefeiert wurde. Es ist sehr erfreulich, dass neben dem Einsatz von HOG-Mitgliedern immer wieder das Engagement örtlicher Behörden und rumänischer Einwohner oder Szekler Handwerker u.a. lobend erwähnt wurde. Auch das ist zweifellos ein Zusammenwachsen oder die Bildung neuer, lebendiger Gemeinschaften. Mit großem Bedauern mussten wir wegen des geplanten Abendessens die Berichte unterbrechen und die noch ausstehenden auf den Sonntagvormittag verschieben.

In der Morgenandacht forderte Pfarrer Dietrich Galter, passend zur Jahreszeit, auf, in Zeiten des Überflusses „Farben“ zu sammeln, die man später dazu nutzen kann, um das Grau-in-Grau bunter zu gestalten. Um so schöner ist es, wenn man mit den gesammelten „Farben“ auch andere in der Gemeinschaft bei Bedarf beglücken kann.

Franziska Staufert von der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD) zog dann die Teilnehmer in den Bann mit ihrem Vortrag „Jugendarbeit ausbauen – sichtbar und wirksam in die Zukunft“. Es nutzt wenig, die Überalterung der Gemeinschaft zu bedauern, aber es hilft viel, das Problem anzupacken. Beharrlichkeit, das Aufgeben konservativer Grundhaltung, die Auswahl der richtigen Kommunikation, das Heranziehen von Multiplikatoren, den Adressaten attraktive Angebote machen – das wären ein paar Beispiele, die man aufgreifen, konkretisieren, anpassen und umsetzen sollte.

Petra Rezac Sneed behandelte dann ein Thema, das vielen HOGs sozusagen unter den Nägeln brennt: Rechtliches und Beachtenswertes für ihre Heimatblätter. Bildrechte, Tonrechte, Zitierweise, Datenschutz (DSGVO) und andere Stichworte belegte sie anhand praktischer Beispiele. Bestimmt hat der aufmerksame Zuhörer die Information mitgenommen, was sein muss, was gut ist und wie man es noch besser machen kann. Die angeregte Diskussion nach dem Vortrag lässt vermuten, dass wir bei nächster Gelegenheit wieder auf das Thema zurückkommen.

Zum Abschluss des Sonntagvormittags wurden die zurückgestellten Berichte aus den heimatlichen Aktivitäten der HOGs besprochen. Einerseits sehr ähnliche Themen in mehreren Orten, andererseits unterschiedliche, recht kreative Lösungen boten wieder Möglichkeiten der Inspiration für den eigenen Bedarf oder des Voneinander-Lernens. Auch in den Pausengesprächen im kleineren Kreis wurde nach Details gefragt, wie etwas im Einzelnen gemacht wurde, wo man bestimmte Materialien erwerben oder fähige Handwerker kontaktieren kann u.v.m.

Neben der sehr erfreulichen Aufnahme eines neuen Mitglieds in den HOG-Verband gehört zum Fazit, dass es schön und erbauend war, wieder Gemeinschaft zu erleben, dass wir während der gesamten Fachtagung bestrebt waren, Brücken und Wege im ideellen Sinne zwischen Orten, Zeiten und Menschen zu bauen, dass wir vieles erfahren haben, was uns nützlich sein soll, dass wir sicherlich nicht bereuen, dabei gewesen zu sein, dass bei besonderen Gelegenheiten wie einem 25-jährigen Jubiläum auch zünftiges Feiern angebracht ist, dass wir uns an manchen Stellen mehr Zeit für detailliertere Diskussion gewünscht hätten, dass wir möglichst auch andere von Sinn und Zweck unserer ehrenamtlichen Tätigkeit überzeugen sollten und dass wir gerne wieder kommen zu den nächsten Fachtagungen, für die wir uns in den kommenden Jahren tunlichst das letzte oder vorletzte Wochenende im Oktober freihalten wollen. Wir sehen uns wieder – spätestens bei der Fachtagung vom 27. bis 29. Oktober 2023 im Heiligenhof, nach dem Motto des Hauses: „Alles Leben ist Begegnung“!

Horst Müller

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HOG-Fachtagung 2022 in Bad Kissingen: Arbeiten – Berichten – Feiern

Schlagwörter: HOG-Verband, Fachtagung, Heiligenhof, Bad Kissingen

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