HOG Rothbach nimmt Abschied von ihrem Ehrenvorsitzenden Otmar Schall
An Abschiednehmen sind wir im Leben gewöhnt. Doch wenn es um den Abschied für immer geht, sind wir zutiefst betroffen und machtlos. Wir stehen still! So erging es uns am Samstag vor Pfingsten in Dinkelsbühl, als die Rothbacher und ihr Freundeskreis plötzlich die traurige Nachricht vom Heimgang Otmar Schalls erreichte. Sie erschütterte alle bis ins Innerste.
Otmar Schall, geboren am 2. November 1951 in Kronstadt, wuchs mit seinem jüngeren Bruder Bruno in der Obhut der Eltern in Rothbach im Burzenland auf. Er war ein Mensch von großer Tatkraft, von Verlässlichkeit und innerer Haltung, geprägt von seiner Dorfgemeinschaft, von Glauben und Musik. Nach seiner Nierenerkrankung im Jahr 1983 fand er in den folgenden Jahren mit Ehefrau Hedda und Sohn Dietmar in Würzburg eine neue Heimat.
Mit handwerklichem Geschick, großer Hilfsbereitschaft und einem unerschütterlichen Optimismus war er reich beschenkt. Besonders die Bienenzucht lag ihm am Herzen. In der Sorge um seine Bienenvölker, in der stillen Nähe zur Natur, fand er Ruhe, Ausgleich und Erfüllung.
Otmar Schall beim Aufmarsch der Regionalgruppe Burzenland beim Oktoberfest München 2017. Foto: Hedda Schall
Seiner siebenbürgisch-sächsischen Heimat und diesem Völkchen blieb Otmar sein Leben lang eng verbunden. In der Gemeinschaft der Kreisgruppe Würzburg wurde er früh heimisch und wirkte im Hintergrund, sooft er gebraucht wurde, mit. Als Gründungsmitglied der HOG Rothbach 1984 und langjähriges Vorstandsmitglied setzte er sich mit großem Engagement für den Zusammenhalt der Rothbacher ein. Er organisierte Treffen, gestaltete Heimatbriefe und war bei vielen Veranstaltungen mit großer Tatkraft präsent – mit Musik, mit Tracht. Jahrzehntelang war er uns ein vertrautes Gesicht im Kreise der Burzenländer Nachbarmütter und Nachbarväter bei ihren jährlichen Tagungen und brachte sich mit viel Elan und positiven Beiträgen mit ein.
Als erster Nachbarvater, ab Mai 2016, prägte er die Arbeit der Rothbacher HOG in besonderer Weise. Er stärkte das Heimatbewusstsein, hielt Traditionen lebendig und sorgte mit großem Einsatz dafür, dass seine Rothbacher bei Heimattagen, Trachtenumzügen und Begegnungen sichtbar vertreten waren. Für diesen unermüdlichen ehrenamtlichen Dienst wurde er sehr geschätzt und geachtet.
Im Jahr 2022 stellte sich Otmar nach mehr als drei Jahrzehnten ehrenamtlicher Arbeit nicht mehr zur Wahl. Als Zeichen des Dankes und der Anerkennung erhielt er für seine langjährige Tätigkeit als Vorsitzender der Heimatortsgemeinschaft Rothbach die Goldene Ehrennadel des Verbandes der Siebenbürgisch-Sächsischen Heimatortsgemeinschaften e. V.
Mit viel Respekt, Hochachtung und Dankbarkeit blicken wir auf dieses langjährige Wirken zurück, auf seinen treuen Einsatz für Brauchtum, Tradition und Erhaltung unserer siebenbürgisch-sächsischen Kultur.
Am 2. Mai durften wir, mit meiner Ehefrau, Otmar zum letzten Mal begegnen. Es war sein Wunsch, diesen Tag gemeinsam an der Mainschleife bei Volkach zu verbringen – ein kostbares Geschenk, das für uns im Rückblick noch wertvoller geworden ist. Es war ihm ein Herzensanliegen, dass bei seiner Abschiedsfeier Worte des Gedenkens gesprochen werden und eine Bläsergruppe zu seiner Beisetzung aufspielt, denn die Blasmusik gehörte zu seinem Leben. Dafür sei Pfarrer Klöss-Schuster, den Musikkollegen und allen Anwesenden für diese letzte Ehrerweisung und Trostworte herzlich gedankt. Otmar war uns allen ein guter Freund. Ein verlässlicher Weggefährte, ein Vorbild an Tatkraft, Fleiß, Harmonie und Treue.
Ähnlich einer Biene hat in den Abendstunden des 23. Mai 2026 seine Seele ihre Flügel ausgebreitet und „flog durch die stillen Lande, als flöge sie nach Haus“ – vielleicht in die Heimatgemeinde Rothbach, gewiss aber in die Ewigkeit Gottes.
Unsere Gedanken und aufrichtiges Mitgefühl galten am Tag der Urnenbeisetzung am 11. Juni der trauernden Familie. Als Zeichen der Freundschaft und Verbundenheit wollten wir ihnen in dieser Abschiedsstunde nahe sein – mit unserem Gebet, mit unserem Mitgefühl und mit dem Wunsch, Trost, Kraft und Zuversicht zuzusprechen.
Die Erinnerungen an eine schöne gemeinsame Zeit leben weiter und bleiben. Möge Otmar nun das schauen, was er geglaubt hat, möge er Frieden finden in jenem Licht, das für ihn immer Hoffnung bedeutete, ihm Kraft spendete und im langen Leidensweg begleitete. Wir werden ihm ein ehrendes Andenken bewahren. Ruhe in Frieden, lieber Freund Otmar!
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