9. Januar 2012

Überwältigende Welt der Karpaten

Nur wenige Reiseveranstalter bieten Touren durch die recht wilden und ursprünglichen Karpaten in Rumänien an. Hans-Paul Buchfellner hat diese Marktlücke erkannt. Er begleitet Reisende zu Fuß oder mit unterschiedlichen Verkehrsmitteln und bietet ihnen die Möglichkeit, die überwältigende Welt der Karpaten und der anliegenden Landschaften zu allen Jahreszeiten zu erleben. Monika Czika führte ein Interview mit dem aus Großpold stammenden Reiseleiter über das Fogarascher Gebirge und wollte wissen, wie er sein Hobby zum Beruf gemacht hat. Das Gespräch fand Ende August am Hermannstädter Flughafen statt, wo Buchfellner gerade auf vier deutsche Touristen wartete.
Was steht heute Abend an?

Wir werden gleich zu unserer ersten Übernachtung auf die Hohe Rinne (Păltiniş) fahren. Auf dem Weg durch Hermannstadt und die hügelige Landschaft können meine vier Gäste erste Impressionen über Rumänien aufnehmen. Nach dem geschäftigen Treiben hier am Flughafen und in Hermannstadt, einer Stadt, die unsere deutschen Besucher als vertraut europäisch empfinden, werden nämlich die Behausungen am Straßenrand immer seltener und karger. Der Weg wird steiler, und der Blick weitet sich über die malerischen Täler des Zibinsgebirges (Cindrel). An diese Übergänge sollen sich die Gäste gewöhnen. Nach etwa einer Stunde werden wir das Gebirgshotel „Casa Turiştilor“ erreichen, das guten Komfort und eine empfehlenswerte Küche bietet. Die Fleischklößchensuppe („ciorbă de perişoare“) oder die landestypischen Palatschinken mit Süßkäse („clătite cu urdă“) schmecken fantastisch.
Der Bulea-See im Bulea-Kessel. Foto: Hans-Paul ...
Der Bulea-See im Bulea-Kessel. Foto: Hans-Paul Buchfellner.
Wie kommen Sie eigentlich dazu, solche Touren zu organisieren? Welches ist Ihr Bezug zu Siebenbürgen?

Na ja, ich bin 1970 in Großpold in Siebenbürgen geboren. Und das mit den Touren ist eine lange Geschichte. Als mich mein Klassenlehrer mit 13 Jahren zum ersten Mal auf eine Tour mitnahm, sagte er: „Wer einmal unsere Karpaten beim Wandern erlebt, kann sich ihrer Magie nie mehr entziehen“. Wie recht er haben sollte, merkte ich erst später, nach meiner Auswanderung nach Deutschland im Jahr 1990. Ich war wohl dem „Karpaten-Virus“ verfallen. Denn jedes Jahr zog es mich in mein Heimatdorf, in die Berge und Wälder zurück, um dort Urlaub zu machen. Die Schönheit der wilden Karpaten wurde mir immer mehr bewusst, je öfter ich mich dort aufhielt, aber auch wenn ich andere Länder, wie beispielsweise Kanada, besuchte. Freunde, die ich aus Deutschland mitnahm, waren von der Ursprünglichkeit des Landes begeistert. So keimte in mir die Idee, den „Garten der Karpaten“ auch anderen Menschen zu zeigen.

„Nicht träumen, machen!“ war das Motto, das mich nicht mehr losließ. Das Träumen hatte ich schon perfekt im Griff, würde ich aber den Plan auch umsetzen können? Denn so eine Veränderung würde auch das Leben meiner Frau und unserer 2005 und 2009 geborenen Söhne beeinflussen. Ein kurz bevorstehender Jobwechsel Anfang 2011 machte mir die Entscheidung leichter, das Hobby zum Beruf zu machen. Ich kündigte meinen Job und machte mich als Reiseveranstalter für Outdoor- und Offroad-Touren in den rumänischen Karpaten selbstständig.

Ihren Mut finde ich beeindruckend. Wohin soll es aber nun die nächsten Tage gehen?

Die ersten zwei Tage stellen eher leichte Eingewöhnungstouren dar. Von der Hohen Rinne aus wandern wir durch Wälder, malerische Täler und Lichtungen, vorbei an einsamen Senn- und Almhütten. Dort leben die Menschen noch so, wie vor 100 Jahren, als wäre die Zeit stehen geblieben. Da die Hirten mehr als die Hälfte des Jahres zusammen mit ihren Schafen auf den Almen verbringen, sind sie Selbstversorger und völlig autark – dementsprechend karg sind sie ausgestattet – ein starker Kontrast zum Standard auf der Hohen Rinne. Einige traditionelle Gerichte aus Schafsfleisch und -milch werden uns immer wieder mit großer Herzlichkeit angeboten. Nach den zwei Eingewöhnungstagen kehren wir nach Hermannstadt zurück. Die Stadt wartet nicht nur mit baugeschichtlichen und kulturhistorischen Sehenswürdigkeiten auf, sondern ist auch ein guter Ausgangsort für Wanderungen in das Fogarascher Gebirge (Munţii Făgăraş). Bei einem Spaziergang über den Kleinen Ring und im Freilichtmuseum im Jungen Wald bereiten wir uns auf die sechstägige Kammwanderung durch das Fogarascher Gebirge, die „Alpen Transsylvaniens“, vor. Die faire Information im Vorfeld lautet: Einige Berghütten können es nicht mit dem Komfort einer Alpenhütte aufnehmen.
Hans-Paul Buchfellner auf Offroad-Tour durch die ...
Hans-Paul Buchfellner auf Offroad-Tour durch die Karpaten.
Welches ist Ihre erste Station in dem Fogarascher Gebirge?

Das Ziel am ersten Tag ist die Negoiu Schutzhütte. Obwohl sie eher karg ist, belohnen das warme Abendessen und die gastfreundliche Gesellschaft der Hüttenwirte die Mühen des Aufstiegs. Von hier aus besteigen wir in den darauffolgenden zwei Tagen den zweithöchsten Gipfel Rumäniens, den Negoiu-Gipfel (2 535 m). Diese Touren um den Negoiu zeigen uns auch nochmal die unbeschreibliche Schönheit der Karpaten: elegant und gleichzeitig schroff umgeben die kargen, steilen Berghänge hochalpine Wiesen von sattem Grün mit vielen leuchtenden gelben und blauen Tupfen. Manchmal begegnen uns scheue Gämsen, die aber genauso schnell wieder verschwinden.

Und wie geht die Kammwanderung weiter?

Zwei Tage später führt uns der Abstieg vom Negoiu-Gipfel zum kristallklaren Bulea Sea (Lacul Bâlea), der an der Transfogarascher Straße (Transfăgărăşan), die das Fogarascher Gebirge von Norden nach Süden durchquert, liegt. Obwohl dort im Allgemeinen reger Betrieb herrscht, erfreuen wir uns auch an den Vorteilen, die diese Straße mit sich bringt: die gute Unterkunft und das Abendessen in der gut belieferten Bulea-See-Schutzhütte. Am nächsten Morgen wagen wir uns näher an das „Dach Rumäniens“ mit dem höchsten Gipfel, dem Moldoveanu (2544m), heran. In dieser Tagesetappe wandern wir Richtung Osten und erreichen die Podragu-Schutzhütte (2136m), um einen Tag später auf dem Moldoveanu-Gipfel zu stehen. Am Abend entspannen wir an der Podragu-Schutzhütte an einem Lagerfeuer und genießen das herzhafte Essen. Am letzten Morgen werfen wir dann einen vermutlich wehmütigen Blick auf die majestätischen Berge und steigen nach Hermannstadt ab – zurück in den Alltag.

Was bieten Sie aber jenen an, denen solche Touren zu anstrengend sind?

Ich mache ab und zu Jeep-, Motorrad und Mountainbike-Touren. Für vielseitig Interessierte gibt es Kombinationstouren. Auf individuellen Wunsch der Kunden biete ich z.B. drei Tage Kulturreise und vier Erlebnistage in den Bergen an.

Besten Dank für das Gespräch und viel Erfolg bei Ihren Unternehmungen.


Auf der Homepage www.karpaten-offroad.de bietet Hans-Paul Buchfellner ein vielfältiges Programm an: Trekking- oder Mountainbike-Touren, Offroad-Touren auf einsamen Wegen und Pisten abseits der Städte und Straßen mit Enduro-Bikes oder Geländewägen, Höhlenwanderungen, Skitouren, Canyoning (Abseilen in Schluchten und Wasserfällen) oder den Besuch von Sehenswürdigkeiten und Kulturstätten. Die Seite www.grosspold-online.de widmet Buchfellner denjenigen Großpoldern und Landsleuten, die nicht mehr oft in Siebenbürgen unterwegs, aber an Fotos und aktuellen Informationen interessiert sind.

Schlagwörter: Tourismus, Karpaten, Großpold

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Neueste Kommentare

  • 09.01.2012, 18:49 Uhr von orbo: *Neid :-))) [weiter]
  • 09.01.2012, 14:09 Uhr von Gabbi: ein grossartiges Programm, schon lange nach solch einer Gelegenheit gesucht. Auf in die Karpaten !! [weiter]

Artikel wurde 2 mal kommentiert.

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