25. Mai 2013

Ein Leben im Dienst für seine Landsleute

Am 24. Mai jährte sich der hundertste Geburtstag von Wilhelm Schiel, ehemaliger Vorsitzender und Ehrenvorsitzender des Sozialwerks der Siebenbürger Sachsen, Ehrenmitglied des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Träger des „Großen Ehrenwappens“ des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und Träger des Bundesverdienstkreuzes. Sein Leben war erfüllt von dem Einsatz für seine Landsleute in Siebenbürgen, für die bedürftigen Menschen, deren Unterstützung ihm immer an Herzen lag.
Willi Schiel wurde als Sohn Honigberger ­Zuwanderer am 24. Mai 1913 in Kronstadt geboren. Hier besuchte er die Volksschule, das Honterus-Gymnasium und die Höhere Handelsschule, die er 1931 absolvierte. Als „Merkurianer“, so nannte man die Schüler der Kronstädter deutschen Handelsschule, war er auf kaufmännische Probleme ausgerichtet und begann sein Berufsleben in jenem Bereich. Mit klarem Blick für die Stärken und Schwächen der sächsischen Organisationen übernahm er schon früh soziale Aufgaben. 1939 erhielt er die Möglichkeit, gestaltend zu wirken, als die Führung der siebenbürgisch-sächsischen Gemeinschaft eine geeignete Person für ihr Referat Volkswohlfahrt suchte und in ihm fand. Bei Kriegsende geriet er in Österreich in Gefangenschaft. Seine Frau Anni wurde 1945 aus Siebenbürgen mit Tausenden unserer Landsleute zur Zwangsarbeit nach Russland deportiert. Die vier Kinder mussten von ihrer Großmutter und einer Tante betreut werden. Es dauerte lange, bis sie alle – nun in Deutschland – wieder beisammen sein konnten.

Willi Schiel verwendete seine ganze Freizeit darauf, den vom Schicksal getroffenen Landsleuten in Siebenbürgen Unterstützung zukommen zu lassen. Auf diesem Gebiet fand er bald Mitstreiter und sagte ihnen oft, dass jede Unterstützung für die Landsleute in der Heimat notwendig sei, weil sie beweise, dass diese nicht vergessen seien. Der Erfolg seiner Worte fand ein Echo bei seinen Mitarbeitern, die immer zahlreicher wurden und erkannten, dass vor allem die Landsleute der Betreuung bedurften, die keine Angehörigen im westlichen Ausland hatten. Anfang 1950 trat Willi Schiel der damals neugegründeten Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen bei. Nach fünf Jahren übernahm er deren Bundesreferat für Sozialhilfe, aus dem 1983 das Sozialwerk der Siebenbürger Sachsen als eigenständiger Hilfsverein hervorgegangen ist.

Wilhelm Schiel wurde 1999 die Honterus-Medaille ...
Wilhelm Schiel wurde 1999 die Honterus-Medaille des Siebenbürgenforums verliehen.
Bald wurde er von vielen als „Vater des Sozialwerks“ tituliert. Dieser Mann, der fast 60 Jahre seines Lebens – er verstarb am 4. Dezember 2008 – in den Dienst der Hilfe für andere gestellt hat, war in der Tat eine echte Vaterfigur für viele unserer Landsleute in Siebenbürgen. Willi Schiel hat im Laufe seiner ehernamtlichen „Dienstzeit“ Tausenden und Abertausenden von Landsleuten zum Teil unter schwersten Bedingungen geholfen. Seiner Umsicht, Kompetenz, seinem Organisationswillen, seiner Geduld und Ausdauer und nicht zuletzt seiner Hilfsbereitschaft haben es unzählige Menschen zu danken, dass sie trotz schwerster materieller Not ihren Lebensmut nicht verloren haben, wenn sehr viele von ihnen kaum den Namen dessen kannten, der hinter der Hilfe stand. Seine Uneigennützigkeit war für ihn und seine Tätigkeit immer vorrangig bestimmend, er war zu keiner Zeit Nutznießer irgendeiner materiellen Vergütung und lehnte es auch immer ab, selbst und auch mit dem Sozialwerk, im Zusammenhang mit seiner Tätigkeit in der Öffentlichkeit zu stehen.

Anfangs waren die zur Verfügung stehenden Mittel sehr bescheiden. Doch mit den Jahren motivierte Willi Schiel mehr und mehr Spender, warb um Unterstützung, wo es nur möglich war, und konnte Zuschüsse von Bund und Ländern in Anspruch nehmen. Er baute ein ausgeklügeltes System von Anschriften notleidender Zielpersonen und von Verbindungskanälen auf, durch die pausenlos Hilfsgüter aller Art flossen: Lebensmittel, Medikamente, Kindernahrung, Bücher.

Bedingt durch eine einschneidende Verfügung der kommunistischen Staatsführung unter Nicolae Ceauşescu, die es aus Prestigegründen verbot, jedwede Unterstützung von ausländischen Hilfsorganisationen in Anspruch zu nehmen, schaltete Willi Schiel auf den noch möglichen Paketversand von Privatperson zu Privatperson um: Hunderte Siebenbürger, aber auch zahlreiche alteingesessene Bürger Deutschlands und Österreichs wurden dafür gewonnen, fingierte „Briefpartnerschaften“ mit Familien in Siebenbürgen einzugehen, nur damit der Strom der Hilfsgüter, die nach wie vor das Sozialwerk stellte, nicht abriss. In diesem Zusammenhang war das Sozialwerk in sehr vielen Fällen bereit, auch Menschen anderer Nationalität vor allem mit Medikamenten in deren Not beizustehen.

Nach dem Umsturz 1989 in Rumänien haben sich die Aufgaben und Aktionen des Sozialwerks zusätzlich vervielfältigt. Willi Schiel regte darum die Gründung der heute schon 20-jährigen SAXONIA–Stiftung an, um diese vor Ort als Stützpunkt und Zwischenstation seiner Maßnahmen nützen zu können. Diese Stiftung vermittelt in Eigenverantwortung die weiterlaufenden Hilfsaktionen des Sozialwerks der Siebenbürger Sachsen. Auch heute noch bildet die Überlebens- und Altenhilfe den Schwerpunkt dieser Maßnahme. Während der fast sechzig Jahre seines Wirkens als ehernamtlicher Leiter des Sozialwerks und Koordinator eines Großteils der Siebenbürgenhilfe aus Deutschland, Österreich, den USA und Kanada hat Willi Schiel fast aus dem Nichts mit dem Sozialwerk durch seinen persönlichen Einsatz und dem seiner vielen Mitarbeiter eine bedeutende Einrichtung geschaffen, die seit Jahrzehnten bis heute erfolgreich und segensreich wirkt. Alle Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Österreich, den USA, Kanada, und die noch in Siebenbürgen Lebenden werden Willi Schiel, von allen „Schilli“ genannt, für immer ein würdiges Andenken bewahren.

Peter Pastior

Schlagwörter: Sozialwerk, Vorsitzender, Geburtstag, Porträt

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