1. März 2014

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Heinrich Plattner zum 90. Geburtstag

Ungeachtet der kalendarischen Schwierigkeiten, die ein am 29. Februar – im Schaltjahr – Geborener mit seinem Geburtstag hat, wird der am 29. Februar 1924 in Hermannstadt zur Welt gekommene Dr. Heinrich Plattner, die Freunde nennen ihn „Bö“, dieser Tage neunzig Jahr alt. Einer angesehenen Bürgerfamilie der siebenbürgischen Stadt entstammend – der Vater: Dr. Dr. Heinrich Plattner, die Mutter: Elisabeth Berta, geborene Jickeli – gehört der seit 1948 mit ­Marianne, geborene Fritsch, verheiratete Jurist und Vater zweier Kinder jenen Jahrgängen an, denen Kriegs- und Nachkriegsereignisse den Lebensweg bestimmten.
Nach dem Abitur am deutschen Gymnasium, der Brukenthal-Schule, in der Heimatstadt und dem obligatorischen „Völkischen Dienstjahr“ wurde der Zweiundzwanzigjährige Soldat der deutschen Luftwaffe, vorzeitig jedoch in einer Kampfgruppe im Harz gegen Truppen der US-Streitkräfte eingesetzt. Der Gefangenschaft entkommen, kehrte Plattner 1945 nach Hermannstadt zurück und begann 1946 in Klausenburg das Jura-Studium. Er schloss es 1950 mit dem Staatsexamen ab; kurz vorher hatte das neue Regime das Promotionsverfahren im ganzen Land abgeschafft. Die rechtlose Situation der deutschen Minderheit zwang ihn zu Gelegenheitsarbeiten, ehe er 1954 in die Anwaltskammer aufgenommen und 1956/57 zum „examen de definitivat“ zugelassen wurde. Erst ein Vierteljahrhundert später, 1981, und 31 Jahre nach dem Studienabschluss konnte der 1970 mit Frau und Kindern aus Rumänien Emigrierte als 57-Jähriger das Doktordiplom der Maximilians-Universität München erwerben. Danach war er zunächst bei Firmen tätig, später im Verwaltungs-­ dienst der Regierung Oberbayern und der Regierung von Schwaben. „Ab 1. Oktober 1973 war ich ununterbrochen als Verwaltungsjurist im höheren Verwaltungsdienst“, heißt es in einem autobiografischen Abriss.

Dr. Heinrich „Bö“ Plattner nahm sich neben der beruflichen Arbeit die Zeit, von 1983 bis 1989 das Ehrenamt eines Rechtsreferenten des Verbands der Siebenbürger Sachsen in Deutschland wahrzunehmen. Gleichzeitig war er Mitglied im Vertriebenenbeirat beim Bundesministerium des Innern, Bonn, und Mitglied des Beirats für Lastenausgleich beim Bundesausgleichsamt, Bad Homburg. Als Rechtsreferent des Verbands wurde er einem großen Kreis seiner siebenbürgischen Landsleute bekannt. Kenntnisreich, zuverlässig, beharrlich in der Verfolgung der Anliegen, derer er sich als Jurist annahm, genoss er Ansehen und Vertrauen der Menschen. Mitglied der Anwaltskammer München, übte er seinen Beruf bis 1989 aus.

Wer „Bö“ näher kennt, schätzt in ihm nicht allein einen selbstständigen Kopf, sondern ebenso einen gradlinigen Charakter. Der spröde scheinende Mann besitzt Humor und die Fähigkeit zur Freundschaft. Respekt verdient auch die Zielstrebigkeit, die ihm eignet – dass er seinen Vorsatz, als Jurist zu promovieren, über Jahrzehnte hinweg nicht an den Nagel hängte, ist ein Beleg dafür. Von sportlichem Habitus bis ins hohe Alter, ist er ein Repräsentant der Generation, die trotz der verheerenden Vorgänge um die Mitte des 20. Jahrhunderts sich selbst und den Glauben an die Zukunft nicht preisgab. Sie ist für den erklärten Pazifisten nicht zuletzt im Sinne seines berühmten Vorfahren Friedrich Krasser (1818-1893) nur in einer Menschen- und Völkergemeinschaft der Vernunft und der Bereitschaft zum Verständnis füreinander denkbar.

Heinrich „Bö“ Plattner, dem Ehemann, dem Vater eines Sohnes, der Arzt, und einer Tochter, die Architektin ist, dem Großvater dreier Enkel sei von hier aus zum neunzigsten Geburtstag das Beste gewünscht. Auch für ihn gilt, was Goethe 1832 so formulierte: „Geburt und Geist geben dem, der sie besitzt, ein Gepräge, das sich durch kein Inkognito verbergen lässt.“

HB

Schlagwörter: Jubilar

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