2. Oktober 2017

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Faszinierende Festtrachten der Siebenbürger Sachsen

Die Hamburger Fotojournalistin Christina Czybik ist von den Festtrachten der Siebenbürger Sachsen begeistert. In einem Gespräch mit Dietmar-Udo Zey aus Niedersachsen gibt sie Einblick in ihr aktuelles Projekt.
Christina, Begeisterung ist ansteckend!
Auf alle Fälle! Besonders dann, wenn es um das gleiche Thema oder Objekt geht. So teilen wir das auf Trachten ausgerichtete Interesse. Ich habe hier in Norddeutschland lange nach Ansprechpartnern oder Kennern der siebenbürgischen Trachten gesucht. Deine Frau und dich gefunden zu haben, war für mich ein echter Glücksfall!

Siebenbürgisch-sächsische Trachten – wie kommt eine Fotojournalistin, die, wie es so schön heißt, in der Welt zu Hause ist, auf das Thema?
Ich arbeite zurzeit an einem Langzeit-Fotoprojekt, bei dem ich Landestrachten dokumentiere. Dabei bewegen mich zwei Dinge: Ich will dazu beitragen, das kulturelle Erbe auf diese Weise bekannt zu machen und zu erhalten. Außerdem ist mir wichtig, den Menschen zu zeigen, der die Tracht trägt. Zum Beispiel die Festtrachten, wie Hochzeits- oder Kirchentrachten. Solche Bilder präsentieren den Stolz, das Selbstbewusstsein, die Haltung, die Eleganz, mit der die Trachten getragen werden. Das ist eine ganz eigene Bildsprache. Die Trachten-Sprache gilt es zu ergründen. Dass ich dafür auch in die Geschichte der Volksgruppen eintauchen muss, ist selbstredend.Siebenbürgisch-sächsisches Brautpaar aus Rode ...Siebenbürgisch-sächsisches Brautpaar aus Rode bzw. Unterwälder Kirchentrachten. Foto: Christina Chybik Es gab ja eine Zeit, in der hierzulande die Trachten häufig als „Lokalpatriotismus“ abgetan wurden. Und ich glaube, dass die Siebenbürger hier keine Ausnahme bildeten.
Das war wohl bloß vorübergehend. Denn es sieht so aus, als gäbe es eine Renaissance der regionalen Wiederentdeckung. Genau das will ich dokumentieren: Die Wiederbelebung der regionalen Eigenheiten, in all ihrer Vielfältigkeit, in ihrer Individualität, aber auch Kollektivität. Und nicht zuletzt die Kreativität, Fantasie und handwerkliche Kunst in der Erstellung der Trachten.

Dann bist du ja in diesem Sinne auch bei Siebenbürgern fündig geworden?
Ja! Ich habe lange gesucht und recherchiert, weil ich in diesem Jahr den Schwerpunkt auf Braut- und Hochzeitstrachten gelegt habe. Von dir weiß ich, dass diesbezüglich eine der prunkvollsten Siebenbürger Trachten im Unterwald beheimatet ist. Leider haben unsere gemeinsamen Bemühungen nicht dazu geführt, eine Urweger Braut vor mein Objektiv zu bekommen. Umso mehr hat es mich gefreut, dass ich in Fürth ein Brautpaar in der Tracht aus Rode fotografieren durfte. Und Bilder von der Unterwälder Festtracht habe ich letztendlich doch bekommen.

Christina Chybik ...Christina Chybik Und was sagt die Fotografin, zufrieden?
Ja! Vordergründig sind die Bilder eine Darstellung, eine Präsentation der Trachten. Aber wer Trachten anlegt, verwandelt sich. Der Mensch zeigt und bewegt sich würdevoll, zieht die Blicke auf sich. Die kreative Handwerkskunst und die Präsentation sind für mich Haute Couture. Ich habe Trachtenteile und Handwerkstechniken dokumentieren können, die über 100 Jahre und älter sind. Und was ich noch erfahren habe: Fast für jede Region oder sogar Ort gab bzw. gibt es eine nur dort verwendete Terminologie für jedes Kleidungsstück.

Du hast ja noch andere Braut-Trachten fotografiert. Bestimmt imposante Bilder.
Natürlich! Ich war von Föhr über Altenburg, das Schaumburger Land, Hessen und Oberfranken bis nach Südbayern schon unterwegs. Jede Trachtenregion hat ihre Besonderheiten, Faszination und tolle Menschen!
Auf meiner Website www.christinaczybik.com oder meiner Facebook-Seite @ChristinaCzybikPhotography können sich Interessierte über die Entwicklung meines Projektes informieren – oder mich auch gerne kontaktieren, wenn jemand noch interessante Brauttrachten zu Hause hat!

Vielen Dank für das Gespräch und noch viel Erfolg!

Schlagwörter: Interview, Fotografin, Trachten

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