20. April 2026

Wie sich Dinkelsbühl zukünftig entwickeln wird: Interview mit OB Dr. Christoph Hammer

Bei der Kommunalwahl am 8. März siegte Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer (CSU) souverän mit 58,5 Prozent der Stimmen gegen Herausfordererin Anja Schmidt-Wagemann (wir berichteten in der Folge 5 und SbZ Online vom 20. März 2026). Der Jurist ist seit dem 6. November 2003 Stadtoberhaupt von Dinkelsbühl und damit dienstältester Bürgermeister in der Region. Seit 2008 setzt er sich als Mitglied des Kreistags Ansbach für eine starke Stimme des südlichen Landkreises ein. Für seine herausragenden Verdienste um die Gemeinschaft der Siebenbürger Sachsen erhielt er das Goldene Ehrenwappen (2008) und Große Ehrenwappen des Verbandes der Siebenbürgen Sachsen (2025). Christopher Hammer wurde 1961 in Freising geboren, legte sein Abitur in Regensburg ab und studierte Rechtswissenschaften in Erlangen. SbZ-Chefredakteur Siegbert Bruss befragte Dr. Christoph Hammer über die Entwicklungen der Stadt Dinkelsbühl und die Beziehungen zu den Siebenbürger Sachsen.
Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer auf dem ...
Oberbürgermeister Dr. Christoph Hammer auf dem Russelberg mit Blick auf die Altstadt Dinkelsbühls. Besonders ins Auge fällt das Münster St. Georg, eines der Wahrzeichen der Stadt an der Wörnitz. Foto: Laura Krehn
Herzlichen Glückwunsch zu Ihrer spektakulären Wiederwahl als Oberbürgermeister. Bundesvorsitzender Rainer Lehni schreibt in seiner Gratulation, dass Sie „durch eine hervorragende Arbeit in der zurückliegenden Amtsperiode die Dinkelsbühler Bevölkerung erneut mehrheitlich für sich gewinnen“ konnten. Welches sind die wichtigsten Projekte, die der Stadt und ihren Bewohnern bisher zugutegekommen sind?
Vielen herzlichen Dank! Die Gratulation vom Bundesvorsitzenden ­Rainer Lehni hat mich echt sehr, sehr berührt. Ich freue mich auf weitere gute Jahre der engsten Zusammenarbeit.
Eines der wichtigsten Projekte, für das ich wirklich seit Jahren gekämpft habe, durfte erst kürzlich seinen Durchbruch feiern: der Bau der Ostumfahrung B25. Nach jahrzehntelangem Ringen, intensiven Debatten und juristischen Auseinandersetzungen bin ich froh, dass es für die Ostumfahrung der B25 bei Dinkelsbühl endlich grünes Licht gibt. Für 2026 sind der Neubau des Kreisverkehrs an der Staatsstraße, der Neubau der Brücke an der Mutschach und Trassenarbeiten geplant. 2027 sollen dann die Brücke Richtung Bechhofen und die restliche Trasse gebaut werden. Mit der Umfahrung wird die Stadt vom Durchgangsverkehr – insbesondere vom Schwerlastverkehr – entlastet, die Lebensqualität der Anwohner verbessert und Staub, Lärm und Abgase in der Altstadt reduziert. Auch der Bau des Kreisverkehrs „Am Brühl“ hat in der Stadt für eine verkehrliche Entlastung gesorgt.
Mithilfe der Städtebauförderung konnten wir in den letzten Jahren zahlreiche Gebäude, Straßen und Plätze in der Stadt sanieren, verbessern und den Bürgern wahre Schätze präsentieren. Es ist mir ein persönliches Anliegen, Dinkelsbühl als historische Stadt zu erhalten und die Häuser dennoch modern und zeitgemäß auszustatten. Ein Paradebeispiel dafür ist das neu sanierte Carl-Fortunat-Haus in unserer historischen Spitalanlage. Ein Gebäude, das zuvor fast zusammengestürzt war und jetzt wunderschön von außen und top modern ausgestattet von innen ist. Ein Ort der Musik und Begegnung für die Bürgerin- nen und Bürger der Stadt.
Auch die Ansiedlung wirtschaftsstarker Betriebe hat unsere Stadt vorangebracht. Mit den neuen Gewerbegebieten in Waldeck und Dinkelsbühl Ost haben wir leistungsfähige Partner bekommen, die unsere Gewerbesteuereinnahmen erhöhen und Arbeitsplätze schaffen. Zudem konnten wir die Tourismuszahlen in Dinkelsbühl seit meiner Amtszeit fast verdreifachen. Attraktive Angebote in Gastronomie und Hotellerie sowie eine stetige Verbesserung dieses Angebots locken zahlreiche Menschen zu uns ins schöne Dinkelsbühl. Die Kürung durch das Magazin Focus als „Schönste Altstadt Deutschlands“ und viele weitere Auszeichnungen haben natürlich unseren Bekanntheitsgrad erhöht.

Wie haben Sie den Wahlkampf empfunden, der von einer starken Mobilisierung der anderen Parteien und Bürgerbewegungen gegen Sie geprägt war?
Ich habe in meinem Leben nun schon mehrere Wahlkämpfe bestritten. Ich habe mich jedes Mal darauf gefreut. Es ist unglaublich anstrengend, nervenaufreibend und manchmal auch sehr zermürbend. In solchen Stresssituationen ist der Umgang miteinander oft etwas ruppiger. Die Menschen sind angriffslustiger und manchmal fallen auch Worte, die man im Nachhinein bereut. Allerdings gibt es ohne kontroverse Meinungen, Streitpunkte oder Dissonanzen auch kein konstruktives Miteinander. Eine Demokratie, auch ein Stadtrat, lebt von den unterschiedlichen Ansichten der Mitglieder. Die Kunst ist es, all die Kritik und teilweise auch die Vorwürfe anzunehmen und daraus einen gemeinsamen Kompromiss zu schmieden, der unsere Stadt voranbringt und die Interessen unserer Bürgerinnen und Bürger wahrt. Ich habe aus diesem Wahlkampf unglaublich viel mitgenommen. Es gibt viele neue Ideen und spannende Ansätze, die ich mich freue weiterzuverfolgen. Außerdem hatte ich die gesamte Zeit über ein unglaublich starkes Team aus den CSU-Kandidaten und allen Unterstützern im Rücken, mit dem es einfach Spaß gemacht hat.
Ein Oberbürgermeister zum Anfassen: Dr. Christoph ...
Ein Oberbürgermeister zum Anfassen: Dr. Christoph Hammer und Bürgermeisterin Nora Engelhard (Erste von links, damals noch CSU) mit siebenbürgischen Gästen im Gespräch vor dem Haus der Geschichte, von links: Rainer Lehni, Dr. Heinke Fabritius, Friederike Göckel-Bottesch, aufgenommen Juni 2022 in Dinkelsbühl. Foto: Konrad Klein
Auf welche Mehrheiten können Sie im Stadtrat bauen, um Ihre Arbeit fortzusetzen?
Nach den Neuwahlen des Stadtrates sind die Karten in den Gremien neu gemischt. Die CSU-Fraktion hat unglaubliche acht Plätze im Stadtrat erhalten, was mich wirklich sehr gefreut hat. Allein mit unserer Fraktion haben wir jedoch keine Mehrheit im Stadtrat. Ich baue für die nächsten sechs Jahre darauf, dass der Wille für ein starkes Dinkelsbühl größer ist als die Interessen der einzelnen Personen. Jeder gewählte Stadtrat, jede gewählte Stadträtin will nur das Beste für unsere Stadt. Dass sich das manchmal für jede Fraktion in einem anderem Schwerpunkt widerspiegelt, ist klar. Ich bin der festen Überzeugung, dass wir uns als Stadtrat gemeinsam für den richtigen Weg entscheiden können und auch nach einem Wahlkampf Kompromisse möglich sind. Wir haben bereits in der Vergangenheit bewiesen, dass Dinkelsbühl zusammenhält, wenn es darauf ankommt. Ich denke, das schaffen wir auch in Zukunft.

Welche Vorhaben planen Sie in Ihrer fünften Amtszeit?
1) Ein besonderes Thema, das mir wirklich sehr am Herzen liegt, ist natürlich unser Dinkelsbühler Krankenhaus. Ich habe bereits in der Vergangenheit alles in meiner Macht Stehende getan, um den Klinikstandort Dinkelsbühl zu erhalten und ich werde auch weiterhin dafür kämpfen.
2) Natürlich werde ich mich auch weiterhin für die Stärkung Dinkelsbühls als Wirtschaftsstandort einsetzen. Wir haben starke Partner in der Region und wollen die Wirtschaftsförderung und Standortqualität stets verbessern. Mit der Unterstützung von Gründerinnen und Gründern, Klein- und Mittelstand sowie der touristischen Entwicklung möchten wir Arbeitsplätze sichern und die Attraktivität der Stadt erhöhen.
3) Ich werde mich weiterhin für eine Stärkung der lokalen Infrastruktur und für eine lebenswerte Innenstadt bemühen. Investitionen in Verkehrsanbindung, Nahversorgung, barrierefreie Einrichtungen und grüne Erholungsräume für Jung und Alt sind dabei essenziell.
4) Auch der Ausbau von Bildungsangeboten, die Förderung von kultureller Vielfalt und die stärkere Unterstützung unserer Vereine sollen neue Brücken zwischen Generationen und Kulturen bauen.
5) Wir sind außerdem bemüht, die Umsetzung von Klimaanpassungsmaßnahmen, energetische Sanierungen öffentlicher Gebäude und Förderung erneuerbarer Energien weiter auszubauen.
6) Mit sozialraumorientierten Angeboten und bezahlbarem Wohnraum wollen wir Unterstützung für Familien und ältere Bürgerinnen und Bürger sowie eine sichere, weltoffene Stadt garantieren.
7) Ein weiteres Projekt, das mich bereits seit vielen Jahren begleitet, ist die Bahnreaktivierung. Mittlerweile haben wir eine mündliche Förderzusage der Bundesrepublik Deutschland für die Reaktivierung der Schiene erhalten. Als nächste Schritte stehen die Ausschreibung und der Beginn der Baumaßnahme an. Und dann können unsere Freunde aus Siebenbürgen hoffentlich bald mit der Bahn zum Heimattag nach Dinkelsbühl anreisen.

Welche Akzente setzen Sie in der Partnerschaft der Stadt Dinkelsbühl mit dem Verband der Siebenbürger Sachsen, auch mit Blick auf den bevorstehenden Heimattag 2026?
Die Partnerschaft zwischen der Stadt Dinkelsbühl und dem Verband der Siebenbürger Sachsen besteht seit 41 Jahren – ein bemerkenswerter Zeitraum, der von Vertrauen, Austausch und gemeinsamen Werten geprägt ist. Ich persönlich genieße die Kontakte und den Austausch jedes Jahr an den Heimattagen sehr. In diesem Jahr sehe ich folgende Akzente in unseren Beziehungen, insbesondere mit Blick auf den Heimattag 2026:
1) Stärkung kultureller Begegnungen: Wir möchten Begegnungen zwischen Bürgerinnen und Bürgern beider Gemeinschaften weiter fördern, kulturelle Veranstaltungen unterstützen und den Dialog über Geschichte, Sprache und Tradition lebendig halten.
2) Vernetzung lokaler Initiativen: Zusammenarbeit zwischen Vereinen, Schulen, Kultur- und Bildungsinstitutionen aus Dinkelsbühl und Siebenbürger Sachsen vertiefen, um nachhaltige Projekte zu initiieren, wie z.B. Sprach- und Kulturvermittlung, Jugendaustausch oder Brückenprogramme. In der Vergangenheit konnten wir eine gemeinsame Reise der Dinkelsbühler Mittelschule, der Wirtschaftsschule und des Gymnasiums nach Schäßburg organisieren. Ich freue mich auf weitere solcher tollen Projekte.
3) Vorwärts gerichtete Perspektiven: Den Heimattag 2026 in Dinkelsbühl als Plattform nutzen, um Zukunftsvisionen zu entwickeln – gemeinsames Handeln über Generationen hinweg, Verantwortung füreinander und die Stärkung einer offenen, toleranten Gesellschaft.
4) Sichtbarkeit und Transparenz: Offene Kommunikation über Ziele, Projekte und Ergebnisse der Partnerschaft sicherstellen, damit die Bürgerinnen und Bürger den Mehrwert spüren und sich aktiv einbringen können.
5) Unterstützung lokaler Identität: Die siebenbürgische kulturelle Identität in Dinkelsbühl sichtbar machen und zugleich die Diversität unserer Stadt würdigen.
Ich freue mich auf eine weiterhin vertrauensvolle Zusammenarbeit mit dem Verband der Siebenbürger Sachsen, auf viele inspirierende Begegnungen und auf einen Heimattag 2026, der Zusammenhalt und Brücken zwischen unseren Gemeinschaften stärkt.

Herzlichen Dank für das Interview und viel Erfolg in Ihren ehrgeizigen Vorhaben!

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Schlagwörter: Politik, Interview, Dinkelsbühl, Christoph Hammer

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