18. September 2008

Begnadeter Pädagoge: Hans Groß

Der begnadete Pädagoge Hans Groß, Schulleiter i.R., ist im Alter von 87 Jahren gestorben. Das Bild seiner Persönlichkeit lebt in uns fort. Er war ein Menschen der Tat, er war geradlinig, korrekt und intelligent, gutherzig, freundlich zu jedermann und gottesfürchtig.
Hans Groß wurde am 9. Januar 1921 im siebenbürgischen Heldsdorf geboren. Nach Besuch der Grundschule im Ort und des Untergymna­siums in Kronstadt kam er 1936 nach Hermann­stadt ins Landeskirchliche Lehrerseminar, wo er sich durch schulische und sportliche Leistun­gen besonders hervortat. So war es denn auch selbstverständlich, dass er in der letzten Klasse einstimmig zum „Präfekten des Coetus Semina­rii“ gewählt wurde.

Nach Ablegung der Lehrer­befähigungsprüfung kam er 1940 als Lehrer nach Großschenk, wurde aber schon 1941 nach Agnetheln versetzt. Im selben Jahr schickte die Volksgruppenführung ihn zur Weiterbildung nach Deutschland, wo er seinen pädagogischen Horizont als Hospitant an einer Anstalt in Pots­dam erweitern konnte und einen hervorragenden Eindruck bei der Schulleitung hinterließ, so dass er mit der Leitung der Deutschen Burse (Studentenheim) in Marburg betraut wurde. Kurz darauf kam er zum Militär und wurde nach der Grundausbildung zum Fronteinsatz an die Ost­front geschickt. Nach gut überstandenen schwe­ren Schlachten kam er an die Offiziersschule und wurde nach Beendigung „Ausbildungsoffizier mit Fronterfahrung“. Während der Schlachten in der Normandie geriet er, nach Sprengung seines Befehlsbunkers durch den Feind, in englische Gefangenschaft und verbrachte je zwei Jahre in England und in Kanada hinter Stachel­draht. Hier hatte er die Möglich­keit, sich weiterzubilden, was er dankbar und eifrig wahrnahm. Ihm lag vor allem daran, die englische Sprache in Wort und Schrift zu beherr­schen.

Nach dem Besuch eines zweisemestrigen „pädagogischen Ausbildungslehrganges“ wurde Groß Lehrer an der Wiesbadener Grund- und Hauptschule. 14 Jahre war er Konrektor und seit 1977 Schulleiter. Das Staatsexamen hatte er schon 1955 abgelegt. Das Thema der schriftlichen Arbeit lautete: „Die Situation des heutigen Ge­schichtsunterrichts – von der Problematik zum Entschluss“. Diese Arbeit bildete den Grundstein zur Lehrplangestaltung für den Geschichtsun­terricht an den hessischen Hauptschulen. Die Arbeit mit den Kindern hatte ihm bis zum letzten Tag Spaß gemacht und große Befriedi­gung gegeben. Groß war ein begnadeter Pädagoge!

Neben der Tätigkeit an seiner Schule hatte er über 20 Jahre als Vertragslehrer an der Hessi­schen Polizeifachschule vornehmlich die Fächer Staatspolitische Bildung und Englisch unterrich­tet. Vorübergehend war er auch als Dolmetscher bei den US-Besatzungsformationen tätig.

„Stephan-Ludwig-Roth-Gesellschaft für Pädago­gik“

Bei all den vielen professionellen und außerprofessionellen Aufgaben, denen er sich mit Hingabe zuwandte, hat Groß sein Siebenbürgen nicht vergessen. Er war Gründungsmitglied der „Stephan-Ludwig-Roth-Gesellschaft für Pädago­gik“ und gehörte dem Vorstand seit Anbeginn an. Diese Organisation hatte es sich zur Aufgabe gemacht, die siebenbürgisch-sächsische Schul­geschichte aufzuarbeiten. Hans Groß hat dabei einen großen Beitrag geleistet. Ein großes Ver­dienst hat er sich mit der „Bilddokumentation siebenbürgisch-sächsischer Schulhäuser“ erwor­ben.

Hans Groß war ein Mensch, der nie abseits, sondern immer mitten drin im Leben stand. Wie kaum ein Zweiter hat er es verstanden, sein persönliches Leben zum allgemeinen Leben zu machen, seine Lebenskraft auch anderen zur Verfügung zu stellen, seine Lebensfäden mit den ihm Nahestehenden zu verweben. Nun ist er als Person zwar gestorben, aber das Bild seiner Persönlichkeit lebt in uns fort. Ich respektierte Hans als einen Menschen der Tat, er war geradlinig, korrekt und intelligent, gutherzig, freundlich zu jedermann und gottesfürchtig. Seine Ehe war mustergültig und harmonisch auf die Bedürfnisse des Partners abgestimmt. In seinen Vorhaben wurde er von seiner „Zunzi“ selbstlos unterstützt, was er ihr gegenüber auch tat.

Wer das Glück hatte, Hans Groß zu kennen, weiß, dass er mit seiner aufrichtigen und offenen Art die Zuneigung der Menschen im Sturm eroberte. Sein strahlendes Lachen und sein un­beschwertes Gemüt haben in meiner Erinnerung einen festen Platz. Er war nicht nur ein guter Ratgeber, sondern auch Vorbild. Ich habe mit Hans Groß einen guten Freund und Kameraden verloren.

Richard-Waldemar Mildt

Schlagwörter: Nachruf, Kultur, Lehrer

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