16. April 2010

Stetiger Einsatz für die Gemeinschaft: Zum Tod von Kurt Schuster

Am 9. März 2010 verstarb unser Ehrenobmann Kurt Schuster im Alter von 83 Jahren. Ein Vierteljahrhundert lang hat Schuster als Obmann des Vereins der Siebenbürger Sachsen in Wien erfolgreich gewirkt. Wir werden ihn immer in dankbarer Erinnerung behalten.
Kurt Schuster kam am 4. November 1926 als Sohn des Industriekaufmannes Hans und von Julie, geb. Göckler, in Mediasch zur Welt. Dem Besuch der Volksschule in der Heimatstadt folgte zunächst der für Bürgerkinder normale Besuch des Stephan-Ludwig-Roth-Gymnasiums in Mediasch, das er 1944 während des Krieges mit dem Bakkalaureat abschloss. Als Jahrgang 1926 wurde er trotz seiner Jugend von den radikalen Veränderungen und chaotischen Zuständen in Siebenbürgen im Sommer 1944 getroffen. Darum entschloss er sich, unmittelbar nach seinem Schulabgang, zu einer abenteuerlichen Flucht nach Wien. Der folgende Kriegsdienst führte den alleinstehenden jungen Mann bis in die Tschechoslowakei und nach Kriegsende in amerikanische Kriegsgefangenschaft in Bayern. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft (1946) arbeitete er als Hilfsarbeiter in Salzburg, bis er 1948 in Graz das Studium der Technik beginnen durfte. Infolge einer schweren Erkrankung musste er das Studium abbrechen. Es gelang ihm aber 1955, zu seinem Lebensberuf zu finden, als er bei der Österreichischen Rohrbau, einer Tochterfirma des Mannesmann-Konzerns, in Salzburg angestellt wurde. Zeitgleich heiratete er dort seine Frau Grete, geb. Schuller, aus Sächsisch-Regen. 1957 wurde er in die Konzern-Zentrale nach Wien versetzt. Dadurch begann für die Eheleute auch beruflich ein neuer Lebensabschnitt.

Kurt Schuster (1926-2010) ...
Kurt Schuster (1926-2010)
Im Mannesmann-Konzern hat Kurt Schuster 35 Jahre lang mit der ihn kennzeichnenden hervorragenden fachlichen Qualität gewirkt, die ihn bis zur Position des Oberingenieurs aufsteigen ließ. Seine überall bewiesene Organisationskraft, sein Realitätssinn und Gespür für die Besonderheiten im Umgang mit Menschen und Behörden, speziell in Rumänien, waren der Grund dafür, dass er von seiner Konzernleitung 1990, im letzten Jahr vor seiner Pensionierung, für den Magistrat der Stadt Wien als Berater für Rumänienfragen freigestellt wurde. Für die damals praktisch Tag und Nacht ausgeübte Koordinierung und fallweise Organisation der vielfältigen Hilfslieferungen der Stadt Wien nach Siebenbürgen erhielt Kurt Schuster das goldene Verdienstzeichen des Bundeslandes Wien.

In dem für uns wichtigsten Teil seiner gesamten großen Lebensleistung muss Kurt Schuster von uns allen ein einmaliger Dank ausgesprochen werden für seine unermüdliche Tätigkeit in den Körperschaften der Siebenbürger Sachsen, zuerst in Salzburg, dann im Verein Wien, ebenso im Bundesverband der Siebenbürger Sachsen in Österreich, der HOG Mediasch und dem VLÖ. Besonders erwähnenswert ist, dass er es war, der bereits 1962 begann, sich auf Ebene der Bundesleitung für ein korrektes Verhältnis der österreichischen Siebenbürger Sachsen zur Rumänischen Botschaft in Wien zu engagieren. Durch ihn wurde es möglich, vielen Menschen, die während der schwierigen Ceauşescu-Zeit Rumänien oftmals auch illegal verließen, in Österreich zu helfen und sie zu unterstützen.

Kurt Schuster wurde 1971 Obmann des Vereins der Siebenbürger Sachsen in Wien und führte den Verein erfolgreich bis 1996. Er genoss in seinem Amt auch bei allen österreichischen und volksdeutschen Landsmannschaften ein besonders hohes Ansehen. Als einmalige Leistung ist hier hervorzuheben, dass es durch seinen persönlichen großen Einsatz erreicht wurde, das „Haus der Heimat“ als Kulturzentrum in Wien ins Leben zu rufen.

Damit gelang es, dem Verein und den anderen volksdeutschen Landsmannschaften ein Heim und eine feste Wirkungsstätte zu schaffen. Er war auch federführend beim Umbau des ehema­ligen Fabrikobjekts, in dem heute alle Landsmannschaften die Vorteile der modernen Vereinsräume, Ausstellungsräume und Festräume genießen können.

Es muss auch gesagt sein, dass Kurt Schusters stetiger Einsatz im Rahmen unserer Ge­meinschaft nur durch das Einverständnis und die Mithilfe seiner Familie möglich wurde. Seine Frau Grete war ihm immer ein starker Rückhalt, sie unterstützte ihn selbstlos. Das gastliche Heim der Schusters in Wien-Neudorf wurde all die Jahre hindurch der Treffpunkt für einen gro­ßen Freundeskreis. Die ohnedies immer knapp bemessene Freizeit haben Kurt und seine Frau Grete meist intensiv mit der Familie verbracht, insbesondere mit den vier Enkeln. Nun setzen die beiden Söhne mit ihren Familien die von den Eltern übernommene siebenbürgische Tradition fort.

Im Rückblick auf unsere lebenslange, persönlich immer gute Zusammenarbeit für die Belange der Siebenbürger Sachsen in Österreich, und mit unserer Wertschätzung für all das, was Kurt Schuster für uns geleistet hat, wollen wir Freunde und Landsleute ihn nochmals grüßen und ihm unseren fortwährenden Dank aussprechen.

Der Vereinsvorstand

Schlagwörter: Nachruf, Verbandsleben, Wien, Mediasch

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  • 18.04.2010, 23:01 Uhr von EICHE: Ein Unermüdlicher Kämpfer für den Erhalt der Sächsischen Identität und dem Zusammenhalt in dem ... [weiter]

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