18. Mai 2008

Jugend beim Heimattag erneut stark vertreten

Die Siebenbürgisch-Sächsische Jugend in Deutschland (SJD) hat erneut maßgeblich zum Erfolg des größten Treffens der Siebenbürger Sachsen beigetragen. Beim diesjährigen Heimattag in Dinkelsbühl organisierte und führte sie, wie in den vergangenen Jahren, eine Vielzahl von Veranstaltungen durch. Damit zeigte sie, wie wichtig Jugendarbeit ist, denn ohne jugendlichen Einsatz wäre an diesem Wochenende vieles nicht möglich gewesen.
Die ersten Heimattagsgäste feierten am Freitag, dem 9. Mai, die Willkommensparty im Festzelt auf dem „Schießwasen“. Hier sorgte die „Akustik-Band“ für einen stimmungsvollen Einklang in das Pfingstwochenende in Dinkelsbühl. Für die Organisation rund um das Festzelt waren abermals Gerhard Roth und Tiberius Donea verantwortlich.

Der Pfingstsamstag begann mit dem Fußball- und Volleyballturnier, die sich wieder einer hohen Beteiligung erfreuten. Verantwortlich hierfür waren Kurt Bening, Hans-Christian Guist und Elmar Wolff (siehe gesonderter Bericht in dieser Zeitung). Nach der Eröffnung des Heimattages am Pfingstsamstag fand das nun schon traditionelle Kinderprogramm „Unser Nachwuchs präsentiert sich“ im Schrannen-Festsaal statt. Unter der Leitung von Ingwelde Juchum führten die Kleinen bis ganz Kleinen Gedichte, Lieder und Tänze vor (separater Artikel folgt am 19. Mai in der SbZ Online).
Der Trachtenzug wurde traditionell von der ...
Der Trachtenzug wurde traditionell von der Bundesjugendleitung der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland angeführt. Foto: Josef Balazs
Eine Neuheit präsentierte die Sektion Karpaten des Deutschen Alpenvereins in Zusammenarbeit mit der SJD: Auf der Schwedenwiese vor den Toren der Altstadt wurde ein Kletterturm errichtet, den ein Banner mit den Logos der Sektion Karpaten und der SJD krönte. Mit diesem Kletterturm wollte man den Heimattagsbesuchern die Vorzüge des Kletterns sowie die vielfältigen Aktivitäten der Sektion Karpaten und der SJD näher bringen. 15 Mitglieder der Sektion Karpaten, davon neun ausgebildete Fachübungsleiter, sicherten an vier Kletterrouten über 500 Besucher am Pfingstsamstag und Pfingstsonntag und machten es möglich, den 7,50 Meter hohen Turm zu erklimmen. Besonders Kindern und Jugendlichen schlug das Herz höher, zuerst wegen der Angst und danach vor Freude, die sich einstellte, nachdem sie die senkrechte Wand gemeistert hatten. Auch an der Slackline, einem elastischen, sechs Meter langen Band, das einen halben Meter über der Erde gespannt war, wurde das Zusammenspiel von Balance, Konzentration und Koordination gefördert. Viele Zaungäste ließen sich von dem muntern Treiben an der Kletterwand begeistern und nahmen Infomaterial mit. Mit solchen oder ähnlichen Aktionen zeigt die SJD, wofür sie steht und was sie tut, und versucht junge Menschen zu gewinnen.

Die Band „Amazonas-Express“ sorgte am Samstagabend für gute Stimmung im Festzelt auf dem Schießwasen, wo rund 2000 Besucher ausgelassen miteinander feierten. Dabei begeisterten die Mädels der Jugendtanzgruppe Geretsried wieder einmal mit ihrem Can-Can. Ebenfalls im Zelt sorgte „Melody 4u“ für einen schönen Ausklang des Heimattages am Sonntagabend.

Beim Pfingstgottesdienst in der St.-Pauls-Kirche war die Jugend ebenfalls aktiv beteiligt. So verlasen die Mitglieder der Landesgruppe Baden-Württemberg Astrid Sutoris, Ingrid Hermann, Simon Hientz und Karin Schneider die Fürbitten. Am Pfingstsonntagmittag konnten sich zahlreiche Kinder erneut an der Zaubershow für Groß und Klein im Spitalhof erfreuen. Zauberer Klingsor aus Siebenbürgen, alias Roland Hönig aus Aalen, entführte ins Reich der Magie und begeisterte mit seinen Zaubertricks.

Höhepunkt des Pfingstsonntags ist stets der farbenprächtige Trachtenzug, der diesmal 74 Gruppen bei herrlichstem Frühsommerwetter in die ehemalige Freie Reichsstadt Dinkelsbühl lockte. Besonders stark vertreten war die Landesgruppe Baden-Württemberg des Verbandes, die Mitausrichter des Heimattages war. Der Zug wurde traditionell von der Bundesjugendleitung der SJD angeführt. Die Kindertanzgruppen Biberach und Heilbronn führten den Block der baden-württembergischen Gruppen an. Rund 1 500 Trachtenträger aus Tanzgruppen, Kreisgruppen, Heimatortsgemeinschaften und Kapellen waren dabei. Sehr viele junge Leute bereicherten den Festzug und sind immer wieder bereit, ihre Tracht anzuziehen. Für die Aufstellung des Zuges zeichneten Ines Wenzel, Rainer Lehni, Elmar Wolff, Michael Konnerth und Thorsten Schuller verantwortlich. Wissenswertes über die vorbeiziehenden Gruppen und Besonderheiten der Trachten präsentierte Ines Wenzel den Tausenden von Schaulustigen. Nach ihrer Feuertaufe im Vorjahr bestach die Moderatorin erneut mit ihrem Fachwissen über die siebenbürgisch-sächsische Tracht. Ines Wenzel wurde übrigens mit dem Siebenbürgisch-Sächsischen Jugendpreis 2008 ausgezeichnet, der ihr am Sonntagnachmittag in der St.-Pauls-Kirche verliehen wurde. Die Laudatio hielt Astrid Sutoris, Föderationsreferentin der SJD (mehr dazu in einem gesonderten Bericht über die Preisverleihungen).
Ein Publikumsmagnet war wieder das gemeinsame ...
Ein Publikumsmagnet war wieder das gemeinsame Tanzen vor der Schranne.
Die Volkstanzveranstaltung stand dieses Jahr unter dem Motto „Aus Tradition und Liebe zum Tanz“. Verantwortlich hierfür war erstmals Christine Göltsch, stellvertretende Bundesjugendleiterin der SJD. Die Darbietungen auf dem Altrathausplatz wurden von Marion Wagner Hermann und Gabriele Hedwig moderiert und die gleichzeitig vor der Schranne gezeigten Tänze von Ingwelde Juchum und Edwin-Andreas Drotleff. Insgesamt gestalteten 23 Tanzgruppen, darunter drei Kindertanzgruppen die Veranstaltungen mit. Beteiligt waren Tanzgruppen aus Augsburg, Biberach, Böblingen, Drabenderhöhe, Fürstenfeldbruck, Heilbronn, Herzogenaurach, Ingolstadt, Köln, Ludwigsburg, Mittelhessen, München, Nieder-Olm, Nürnberg, Schwäbisch Gmünd, Setterich, Stuttgart sowie die Tanzgruppen der Heimatortsgemeinschaften Alzen und Nadesch. Einen herrlichen Anblick boten beim großen gemeinsamen Aufmarsch vor der Schranne die vielen Tanzpaare, die quer durch alle Generationen im Volkstanz vereint waren. Beim gemeinsamen Tanzen vor der Schranne wurden aus Zeitgründen nur zwei der vier am Vorbereitungsseminar in Heidenheim erlernten Tänze getanzt, nämlich der „Vierspänner“ und „Das Fenster“. Dabei begleitete uns schönstes Sommerwetter, das sehr viele Zuschauer lockte. Die Darbietungen vor der Schranne wurden von den Karpatenländer Musikanten Rastatt unter der Leitung von Josef Steingasser begleitet. Sie spielten Ein- und Ausmärsche für die Tanzgruppen und zum großen Aufmarsch. Die große Volkstanzveranstaltung war dieses Jahr ein gemütliches Beisammensein und Genießen der Tänze, die die einzelnen Gruppen traditionsbewusst und mit viel Liebe zum Tanz gemäß unseres diesjährigen Mottos darboten.
Beim Heimattag in Dinkelsbühl wurde der Opfer von ...
Beim Heimattag in Dinkelsbühl wurde der Opfer von Krieg, Verfolgung, Flucht und Vertreibung gedacht. Die Gedenkrede hielt Pfarrer i.R. Werner Knall. Foto: Hans-Werner Schuster
Seitens der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD) waren Rainer Lehni, Elmar Wolff und Thorsten Schuller für den Fackelzug verantwortlich, der von der Schranne zur Gedenkstätte der Siebenbürger Sachsen am Stadtrand der Altstadt von Dinkelsbühl führte. Die Helfer aus dem Infostand bereiteten die Fackeln vor, und pünktlich um halb zehn Uhr abends setzte sich der Zug in Richtung Gedenkstätte in Bewegung. Allen voran die Dinkelsbühler Knabenkapelle, die später vor der Gedenkstätte zum Großen Zapfenstreich aufspielen sollte. In den dunkeln Gassen der ehemaligen Freien Reichstadt zogen die Fackeln an teils erstaunten, teils faszinierten Gesichtern vorbei, hoch in Richtung Stadtrand, durch das Segringer Tor zur Gedenkstätte. Während der Feierstunde und der Ansprache von Pfarrer i.R. Werner Knall war für jemanden, der zum ersten Mal am Fackelzug teilnimmt, dieses Erlebnis ehrfurchterbietend und ergreifend zugleich. Der Geschichte der Vorfahren zu gedenken, um sie vor dem Vergessen zu bewahren, ist auf keinem anderen Weg so gut möglich und unmittelbar erfahrbar wie hier. So wäre es doch wünschenswert, mehr junge Menschen an der Gedenkstätte zu sehen, um zu verdeutlichen, dass Gemeinschaft auch anders gefeiert werden kann.

Die preiswerte Unterkunft für junge Leute, der Zeltplatz zwischen Bahndamm und Wörnitz, hatte – wohl bedingt durch das schöne Wetter – einen größeren Zulauf als in den letzten Jahren. Über 550 Übernachter wurden gezählt. Organisatorisch lag der Zeltplatz in den Händen von Ute Schuller, Adelheid Schuller, Christian Amser und Wolfgang Bretz, die von rund 70 Helfern aus Tanzgruppen aus Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen sowie der Heimatgemeinschaft Heldsdorf unterstützt wurden. Der Zeltplatz ist nicht unbedingt ein ruhiges Plätzchen zum Schlafen, aber ein Ort, wo junge Leute miteinander feiern können, auch wenn die Organisatoren nachts die Lautstärke manch einer Musikanlage herunterdrehen müssen. Die Organisatoren und Helfer des Zeltplatzes sind von Freitagmorgen bis Montagnachmittag im Einsatz, um einen reibungslosen Ablauf zu gewähren.

Der Heimattag steht und fällt mit den finanziellen Einnahmen, die für den Erfolg einer solchen Großveranstaltung nötig sind. Dafür werden Festabzeichen verkauft, aus deren Erlös die hohen Kosten des Heimattages beglichen werden. Ein Dank gilt daher allen, die mit diesem kleinen Betrag zum Gelingen des Heimattags beitragen und damit auch dessen Fortbestand sichern. Zum zweiten Mal zuständig für den Abzeichenverkauf war Heike Mai-Lehni, die gemeinsam mit den Damen und Herren der Siebenbürger Blasmusik Stuttgart, für ein sehr gutes Ergebnis beim Abzeichenverkauf sorgte. Und wer noch Informationen rund um den Heimattag benötigte, war am Infostand neben der Schranne gut aufgehoben, der erneut von der SJD Rheinland-Pfalz/Saarland unter der Federführung von Bettina Brantsch betreut wurde.

Dinkelsbühl ist ein Erlebnis. Ein Erlebnis, das es wert ist, sich auch außerhalb des Festzeltes und bei den vielen Veranstaltungen umzusehen, um zu erfahren, wie sich andere im Namen der eigenen Vergangenheit in ihrer Gemeinschaft stark machen. Das wäre sehr schön, doch noch schöner wäre es, sich selbst stark zu machen und aktiv zu werden. Das ist sehr wichtig für die Zukunft unserer Kultur und natürlich auch für die unseres Verbandes.

Ein Dank geht im Namen der Bundesjugendleitung der SJD an alle diejenigen, die sich an diesem Heimattag beteiligt haben, ihn mitgestaltet und durchgeführt haben und natürlich an all jene, die ihn „lediglich“ besucht haben, um ihn zu dem zu machen, was er war: ein Erfolg.

Edwin-Andreas Drotleff

Schlagwörter: Heimattag 2008, SJD

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