26. Dezember 2020

Kreisverband Nürnberg: "Weihnachten 1945" von Paula Wagner

Die stille, besinnliche Advents- und Weihnachtszeit wird heuer noch stiller als sonst, also anders sein. Schön, wenn man da in Gedanken wertvolle Erinnerungen hervorrufen kann. Unvergessene Weihnachtsfeiern mit festlichem Programm im Rahmen der Fürther Nachbarschaft in der ehrwürdigen St. Paulskirche oder im Gemeindehaus: Klangvolle Chorauftritte, Krippenspiele, festliche Instrumentalmusik, stimmungsvolles Feiern. Auch jährliche Weihnachtsfeiern in Altenheimen, z.B. Burgfarrnbach, wo strah­lende Gesichter „Vom Himmel hoch“ und andere bekannte Weihnachtslieder mitsangen. „Wenn Glocken der Erinnerung läuten, wird Feiertag im Herzen“.
Meine Erinnerungen gehen noch weiter zurück, in das Jahr 1945. Viel Schnee war vor Weihnachten gefallen. Die Welt versank in einem weißen Winterkleid. Die Weihnachtsferien, ungeduldig erwartete Freude der Kinder, hatten begonnen. Aus Hermannstadt, wo ich das Gymnasium besuchte, durfte ich in mein geliebtes Heimatdorf Marktschelken in die Ferien fahren. Doch richtige Vorfreude auf das Christfest konnte nicht aufkommen, denn mein Vater und viele Dorfbewohner waren in Russland deportiert, man wusste nichts über sie. Es wurde ein trauriger Heiligabend trotz geschmücktem Weihnachtsbaum in der Kirche, trotz verlockender Geschenke in den geflochtenen Körben der Frauen, die vor dem Christbaum saßen. Nach altem Brauch trugen Schulkinder Gedichte vom Weihnachtsbaum im Lichterkranz und vom lieben Christkind vor. Als wäre es gestern gewesen, ist meine Erinnerung wach. Ich trug das Gedicht: „Weihnachten 1945“ von Paula Wagner, geb. Henning, vor.

Weihnachten 1945

So weh tun die Herzen zur Weihnachtszeit,
weil unsere Liebsten von uns so weit.
Wir möchten so gerne bei ihnen weilen,
wir möchten so gerne zu ihnen eilen,
so gerne sie drücken an unser Herz.
Ach, wie unendlich groß ist der Schmerz,
wie unaussprechlich tief unser Leid
für uns grad jetzt zur Weihnachtszeit.
Da kann nur einer die Sehnsucht uns stillen,
nur einer das Herz mit Frieden erfüllen,
nur einer uns trösten in unserem Schmerz,
nur einer uns heilen das todwunde Herz.
Der eine, der Heiland, der heute geboren,
ruft tröstend uns zu: „Sie sind nicht verloren.
Und seid ihr von ihnen geschieden auch weit,
gehört ihr zusammen in Ewigkeit.“


Sich durch tiefsten Schnee kämpfend, hatte unser Organist Daniel Schmidt das Gedicht von der damaligen Pfarrfrau aus Schaal mitgebracht. Wie man Weihnachten damals verkraftet hat, wird man auch heuer, im Jahr 2020, nach einem Dreivierteljahrhundert in Frieden und Wohlstand, trotz Corona, mit Einschränkungen, im engsten Familienkreis dankbar feiern. Weihnachten, das schönste Fest des Jahres, wollen wir in Zufriedenheit liebevoll gestalten. Wir wünschen allen gesegnete Weihnachten und ein friedvolles neues Jahr 2021!

Nachbarmutter Rosel Potoradi

Schlagwörter: Nürnberg, Weihnachten, Wagner, Gedicht

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