2. September 2022

Kreisverband Nürnberg: Rumänienrundreise mit Siebenbürgischem Kultursommer 2022

Am 23. Juli trafen wir uns in Nürnberg zur Rundreise ins Banat, nach Siebenbürgen und Crisana, vier Freunde der Siebenbürger Sachsen, der große Anteil gebürtige Siebenbürger Sachsen aus Nordsiebenbürgen und ein Teil gebürtige Siebenbürger Sachsen aus Südsiebenbürgen. Annemarie Wagner hatte die Reise bestens organisiert.
Es war von Anfang an ein herzliches Miteinander im Bus, unsere Busfahrer Kurt Penteker und Christopher Brendel hatten für genügend kalte Getränke und leichte Speisen für unterwegs gesorgt. Hans Wagner erklärte uns unterwegs oft interessante Sehenswürdigkeiten. In Budapest kehrten wir ins Expo Hotel ein. Am nächsten Morgen fuhren wir weiter Richtung Rumänien. Dann waren wir da, in der Weite des Banats, wir waren in Rumänien! Annemarie, brachte es auf den Punkt mit den Worten der Siebenbürgischen Elegie von Adolf Meschendörfer: „Anders rauschen hier die Brunnen, anders rinnt hier die Zeit.“ Der einzigartige Duft der Heimat lag in der Luft, erst ganz zart, dann immer intensiver.

In Billed kehrten wir beim Deutschen Forum ein, wurden sehr herzlich mit köstlichem Essen, einer sehr interessanten Führung durch das Heimatmuseum, mit Kaffee und Kuchen erwartet. Wir haben viel Neues über das Leben und Wirken der Banater Schwaben erfahren, anhand der Schautafeln konnte man den Werdegang verfolgen. Mit vielen schönen Eindrücken, auch mit ein wenig Wehmut im Herzen fuhren wir nach Temeswar ins Hotel Continental. Der Abend stand zur freien Verfügung, wir erkundeten das Zentrum und die schönen Biergärten auf eigene Faust. Gestärkt ging es am nächsten Morgen zur Stadtführung mit unserem Reiseleiter Bogdan, er hat uns mit seinem Wissen fasziniert. In Karlsburg bewunderten wir die Schönheiten der Stadt. Nach einer erholsamen Übernachtung im Hotel Transilvania starteten wir frohen Mutes Richtung Hermannstadt. Das war schon ein tolles Erlebnis, im Spiegelsaal des Deutschen Forums den Worten Herrn Zieglers zu lauschen, mit Bogdan die interessante Stadtführung, mit Besichtigung der Evangelischen Kirche und all der schönen Plätze im Herzen Hermannstadts, zu genießen. Wir fuhren danach mit dem Bus durch die wunderschöne Landschaft des siebenbürgischen Sommers in die wohltuende Kühle des Hirtendorfes Budenbach (Sibiel). Vor dem Tor des Bauernhauses unserer Gastgeber wurden wir von zwei bildhübschen Mädchen in rumänischer Volkstracht begrüßt, es war ein Eintauchen in den Alltag einer siebenbürgisch-rumänischen Familie. Am schön gedeckten Tisch erwartete uns Suppe, Krautwickel und fein duftender Palukes. Wir unterhielten uns angeregt mit den Familienmitgliedern und erfuhren einiges aus ihrem Alltag. Müde, aber erfüllt fuhren wir dann nach Mediasch in das Hotel Binderbubi.
Gruppenbild bei der Rumänienreise des ...
Gruppenbild bei der Rumänienreise des Kreisverbandes Nürnberg. Foto: Gerlinde Feess
Am Morgen starteten wir Richtung Alzen. Hier wurden wir von unseren Freunden, Familie Müller, Familie Mehburger, Rosemarie Müller, Kuratorin und Lehrerin der deutschen Abteilung, erwartet. Im Kirchhof vor der einst stolzen Kirche waren liebevoll Tische gedeckt, Kaffee, Nussstriezel. Mit herzlichen Worten begrüßte uns Frau Müller, führte uns in die Kirche und da mussten wir schlucken. Das Kirchendach ist eingestürzt, es klafft ein Loch in der Decke. Wir waren erschüttert, so fleißige, engagierte Menschen, die mit ganzem Herzen für ihre alte Heimat schaffen, werden so hart geprüft. Sogar die Glocke läutete Frau Müller für uns. Beim späteren gemütlichen Beisammensein berichtete sie uns von ihrem Leben, wir sangen zusammen wohlbekannte Lieder. Wir besichtigten auch das Interethnische Museum mit seinen verschiedenen Stuben. Reich beschenkt, setzten wir unsere Reise fort, anschließend nach Wurmloch zur Besichtigung der Kirchenburg (UNESCO-Weltkulturerbe). Danach wurden wir vom Bürgermeister der Gemeinde Wurmloch in seinem Hof empfangen. Er, seine Ehefrau und die Tochter eines befreundeten Ehepaares erwarteten uns in rumänischer Tracht, ein Ehepaar in siebenbürgisch-sächsischer Tracht, mit einem selbstgebackenen Brot in der Form Rumäniens und Salz. Das Mädchen hieß uns in deutscher Sprache willkommen und bot uns eine musikalische Einlage, auf einem traditionellen rumänischen Alpenhorn, das nur von Frauen gespielt wird. Dann ging es weiter zu einem traditionellen rumänischen Abendessen am See bei Wurmloch, mit rumänischer Volksmusik. Irgendwann mussten wir dann zurück ins Hotel nach Mediasch.

Am nächsten Tag ging es über Agnetheln, Fogarasch mit Burgbesichtigung, nach Zeiden, bei Kronstadt. In Zeiden besichtigten wir das Museum vor der Kirche und danach ging es zum „Conacul lui Bebe“ zu einem köstlichen Essen mit schöner Musik. Vater und Tochter sangen rumänische Lieder, mal temperamentvoll, mal traurige, tragende Weisen. Wir sangen mit, tanzten erfüllt von all dem Schönen. Von Zeiden ging es zum Hotel „Coroana Brasovului“ nach Kronstadt. Ausgeruht starteten wir am nächsten Morgen zur Stadtbesichtigung in Kronstadt, unser Reiseleiter Bogdan zeigte uns viele interessante Orte im Stadtzentrum, die imposante Schwarze Kirche. Am Nachmittag fuhren wir nach Tartlau und Honigberg, besichtigten die Kirchenburgen. Von da ging es nach Wolkendorf, dort begrüßte uns Pfarrer Uwe Seidner sehr freundlich. Es gab wieder ein schmackhaftes Essen, als Nachtisch den berühmten Baumstriezel aus Wolkendorf, Musik und gute Gespräche.

Tags darauf besuchten wir Deutsch-Weißkirch. Nach Besichtigung der Kirche und des Dorfes kehrten wir bei Walter Fernolend ein, da hatten fleißige Hände ein köstliches Essen für uns vorbereitet. Gut gestärkt fuhren wir weiter Richtung Schäßburg. Wir bezogen unsere Zimmer im Hotel „Binderbubi“, im Hotel „Central“ und im Haus Wagner auf der Burg. Den Nachmittag nutzten einige, um ihre Heimatdörfer zu besuchen. In Schäßburg war gerade das Mittelalterliche Fest in vollem Gange, wir genossen das Flair dieser Stadt.

Am Sonntag fuhren wir nach Mediasch, in die Margarethenkirche, zum Gottesdienst und zur 450-Jahr-Feier „Augsburger Bekenntnis“ in Mediasch. Nach dem Gottesdienst gab es vor der Kirche Getränke und Kaffee, der Männerchor sang Volkslieder, es war ein gemütliches Beisammensein. Die Organistin Edith Toth bot uns auch eine Orgelvorführung. Wir machten mit Bogdan eine Stadtbesichtigung, besuchten auch die Synagoge von Mediasch, ehe wir wieder nach Schäßburg zurückkehrten.

Am nächsten Morgen starteten wir noch zur Stadtführung in Schäßburg, ich schaute zum Joseph Haltrich Lyzeum herein und dann nahmen wir Abschied von Schäßburg. Die Fahrt ging weiter Richtung Sächsisch Regen, dann zum Weingut Zaig nach Tekendorf. Wir kamen in den Genuss einer Weinverkostung und Weinkeller-Besichtigung und danach gab es eine gute Tokana in einer Wirtschaft unweit des Weinkellers.

Die Fahrt nach Bistritz war eine Wohltat, das Hotel „Coroana de Aur“ erwartete uns mit schönen Zimmern. Am nächsten Tag gab es eine interessante Stadtführung in Bistritz. Der Augenblick vor dem Mahnmal für Flucht und Vertreibung war sehr emotional, es waren Betroffene der damaligen Flucht in unserer Reisegruppe, Mathias Penteker erzählte uns von den damaligen Erlebnissen, er war auf der Flucht geboren. Ausgerechnet an diesem Tag feierte Thomas Penteker seinen Geburtstag, am Nachmittag machten wir eine Rundfahrt durch die Ortschaften um Bistritz, unser Geburtstagskind konnte seinen Heimatort Jaad besuchen, ich glaube das war das schönste Geschenk. Am Abend erwartete uns ein gutes Essen im Restaurant, wir brachten Thomas Penteker ein Ständchen und er servierte uns eigenhändig einen prickelnden Sekt!

Ich habe die Mitreisenden, die aus dieser Gegend stammen, sehr bewundert. Ohne Bitterkeit und Klagen sind sie ihren Lebensweg trotz schwerer Schicksalsschläge gegangen, sie pflegen noch freundschaftlichen Kontakt mit ihren rumänischen Bekannten, gehen mit Mut und Gottvertrauen in die Zukunft und sprechen nach so vielen Jahren noch rumänisch! Am nächsten Morgen verließen wir Bistritz. Wir hatten unser nächstes Geburtstagskind Susanne Frim, sie hatte aus ihrem Heimatort Weilau im Reener Ländchen Getränke mitgebracht, die wir genossen. Unser Bus fuhr weiter nach Klausenburg. Nach einer Stadtbesichtigung ging es nach Großwardein (Oradea) in das schöne Hotel Hilton. Am nächsten Tag fuhren wir zu Bärenhöhle, bestaunten die Wunder der Natur. Am Abend gab es ein leckeres Essen im Hotel, wir verabschiedeten Bogdan mit den herzlichsten Wünschen. Tags darauf verließen wir Rumänien Richtung Budapest. An diesem Tag feierte Hertha Funar ihren Geburtstag, wir brachten ihr ein Ständchen und wurden mit herrlichen Getränken belohnt. Am letzten Tag besuchten wir Budapest mit einem kompetenten deutschsprachigen Reiseleiter. Weiterreise nach Györ, zum Hotel Ibis. Von Györ starteten wir dann am nächsten Morgen Richtung Nürnberg. In Nürnberg verabschiedeten wir uns herzlich voneinander. Mit großer Freude und Dankbarkeit schauen wir auf die 15 gemeinsam verbrachten Tage zurück, danken Annemarie und Hanny für alles, was sie für uns gedacht und gemacht haben, Bogdan für seine interessanten Führungen, Kurt Penteker und Christopher Brendel für ihr umsichtiges Fahren, und nicht zu vergessen allen Helferinnen und Helfern im Bus.

Rosemarie Hartmann

Schlagwörter: Nürnberg, Reise, Rumänien, Kultursommer 2022, Schäßburg

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