24. Juni 2008

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Späte Premiere: Erstes Kronenfest in Drabenderhöhe

Der zwölf Meter hohe Kronenbaum wurde im Robert-Gassner-Hof des Altenheims in Drabenderhöhe aufgestellt, in unmittelbarer Nähe des Turms der Erinnerung. Die Siebenbürger-Sachsen-Siedlung hat am 15. Juni ihr erstes Kronenfest erlebt. Eine späte Premiere, die dafür um so prächtiger geriet.
Man sollte es nicht glauben, aber am 15. Juni wurde in der weltweit größten geschlossenen Siebenbürger-Sachsen-Siedlung Drabenderhöhe zum ersten Mal das Kronenfest gefeiert. In den über vier Jahrzehnten, die seit Gründung der Siedlung vergangen sind, hat es sich bisher nie ergeben. Vielleicht spielt dabei auch eine Rolle, dass die Bewohner der Siedlung aus rund 200 siebenbürgischen Orten hier zusammenkamen und hier erst zu einer großen Gemeinschaft zusammengewachsen sind, die heute sehr aktiv ist und viele heimatliche Bräuche pflegt bzw. wiederaufleben lässt. Nun auch das Kronenfest, das alle Erwartungen übertroffen hat. Die Organisatoren von der Kreisgruppe Drabenderhöhe, der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD), dem Adele-Zay-Verein sowie dem Altenheim Siebenbürgen-Drabenderhöhe können dieses Fest als einen schönen Erfolg bewerten. Die weltweit größte Siebenbürger-Sachsen-Siedlung ...Die weltweit größte Siebenbürger-Sachsen-Siedlung in Drabenderhöhe erlebte ihr erstes Kronenfest am 15. Juni 2008. Foto: Christian Melzer Die Idee, dass die Jugend zusammen mit der Kreisgruppe Drabenderhöhe 2008 ein Kronenfest in Drabenderhöhe ausrichten solle, war im Vorjahr entstanden, als die SJD Nordrhein-Westfalen ein Kronenfest in Sprockhövel bei Wuppertal nach traditionellem Ablauf durchgeführt hatte. Bald war die Örtlichkeit gefunden, das Problem des Baumes gelöst und ein Kronengestell bei einem fachkundigen Landsmann in Auftrag gegeben. Am Vortag des Kronenfestes liefen die letzten Vorbereitungen. Die Jungen der Jugendtanzgruppe Drabenderhöhe holten Eichenlaub aus den umliegenden Wäldern, die Landesjugendleitung der SJD NRW konnte zusammen mit den Mädchen der Tanzgruppe und Drabenderhöher Frauen die Krone mit prächtigen Blumen binden, die größtenteils von Drabenderhöher Bewohnern gespendet worden waren. Zur gleichen Zeit bereiteten engagierte Männer den Kronenbaum vor. Nach einer regenbedingten Pause, in der man sich mit leckerem Gegrilltem stärkte, wurde mit vereinten Kräften der rund 12 Meter hohe Kronenbaum im Robert-Gassner-Hof des Altenheims aufgestellt. In unmittelbarer Nähe des Turms der Erinnerung stehend, boten Kronenbaum und das einem siebenbürgischen Wehrturm nachempfundene neue Wahrzeichen Drabenderhöhes ein heimatliches Bild.

Groß war der Andrang am 15. Juni bereits zum Gottesdienst, der gemeinsam mit der Evangelischen Kirchengemeinde Drabenderhöhe im Robert-Gassner-Hof gefeiert wurde. Die Plätze waren schnell belegt, zusätzliche Sitzgelegenheiten wurden aus dem Altenheim herbeigeschafft. Der Altar war vor dem Kronenbaum aufgebaut. Der Honterus-Chor präsentierte sich in seinen schmucken Trachten. Ortspfarrer Frank Müllenmeister bezog seine Predigt auf das Kronenfest und sprach die Gottesdienstteilnehmer sehr an. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst vom Honterus-Chor unter der Leitung von Regine Melzer und einer Bläsergruppe des Blasorchesters Siebenbürgen-Drabenderhöhe. Bei den Fürbitten wirkten vier Mädchen in sächsischen Festtrachten von der Jugendtanzgruppe Drabenderhöhe mit. Noch größer war der Andrang beim anschließenden Mittagessen. Rund 500 Gäste kamen. Es hieß Geduld üben beim Schlangestehen. Da sowohl die begehrten Mici als auch der von Familie Bretz gebackene Baumstriezel ausgingen, musste Nachschub geholt werden.



Am frühen Nachmittag standen die auftretenden Tanzgruppen und das Blasorchester Siebenbürgen-Drabenderhöhe in den Startlöchern. Enni Janesch, die Vorsitzende der Kreisgruppe Drabenderhöhe, war sehr erfreut ob der zahlreich erschienenen Gäste und begrüßte stellvertretend den Landrat des Oberbergischen Kreises, Hagen Jobi, den stellvertretenden Bundesvorsitzenden des Verbandes, Rainer Lehni, sowie den Vorsitzenden der Landesgruppe Nordrhein-Westfalen, Harald Janesch. Sehr erfreulich war, dass viele Gäste auch aus anderen Kreisgruppen in NRW zu diesem Ereignis angereist waren.

Die Landesjugendleiterin der SJD Nordrhein-Westfalen, Heike Mai-Lehni, führte in den Brauch des Kronenfestes als Fest der konfirmierten Jugend ein. Ein prächtiges Bild boten die 20 Tanzpaare, die zu den Klängen des Blasorchesters mit einem schönen Aufmarsch unter der Krone das Fest einleiteten. Es folgte der Höhepunkt: „Jungaltknecht“ Michael Schneider aus Drabenderhöhe erklomm in wenigen Augenblicken den hohen Stamm und erinnerte in seiner Kronenrede an die Symbolik der Krone, die im Zeichen der Sonnenwende und der Erneuerung der Natur steht und bei uns Siebenbürger Sachsen die Verbundenheit zwischen Glauben, Kirche und Volk darstellt. In seiner Antwortrede an den Jungaltknecht wies Pfarrer Friedrich Barth, Heimleiter des Altenheims Drabenderhöhe, darauf hin, dass jeder Einzelne nur in einer Gemeinschaft bestehen könne. (In einigen Gemeinden Siebenbürgens gab es den Brauch, dass der Pfarrer in einer Ansprache auf die Kronenrede des Jungaltknechts antwortete.) Der obligatorische Bonbonregen für die Kinder blieb natürlich auch nicht aus. Zu Blasmusikklängen stieg „Jungaltknecht“ Michael Schneider vom Kronenbaum herunter, um mit seiner Tanzpartnerin einen Ehrenwalzer zu tanzen, in den sich nach und nach alle anderen Tanzpaare mit einreihten.

Es folgten die Auftritte der einzelnen Tanzgruppen unter dem Kronenbaum. Mit dabei waren die Kindertanzgruppe und die Jugendtanzgruppe Drabenderhöhe (beide geleitet von Christa Brandsch-Böhm), die Tanzgruppe der Bruder- und Schwesternschaft Setterich (Leitung: Sandra Fritsch und Jens Schwager) sowie die Tanzgruppe Köln (Leitung: Rainer Lehni und Heidi Roth). Die gemeinsam getanzte „Reklich Med“ und zwei weitere Tänze boten einen schönen Anblick auf der vollen Tanzfläche unter der Krone. Zum Abschluss des Kronenfestes dankten die beiden Hauptorganisatorinnen mit kleinen Präsenten maßgeblichen Helfern sowie den teilnehmenden Tanzgruppen. Der Landesvorsitzende Harald Janesch dankte allen für dieses schöne Fest, das ein Erlebnis war. Zum Abschluss erklang das Siebenbürgenlied. Zu den Klängen des Blasorchesters ließ man das Fest ausklingen, bevor ein Regenschauer die Aufräumarbeiten einleitete.

Ein Fest dieser Größenordnung ist nur möglich, wenn viele Helfer mitwirken, denen allen herzlicher Dank gebührt. Zu nennen wären die beiden Hauptorganisatoren Heike Mai-Lehni mit der Landesjugendleitung der SJD NRW und Enni Janesch mit den Vorstandsmitgliedern aus der Kreisgruppe Drabenderhöhe. Ferner gebührt Dank dem Adele-Zay-Verein und dem Altenheim Siebenbürgen-Drabenderhöhe mit seinem Heimleiter Fritz Barth für die Zurverfügungstellung des Robert-Gassner-Hofes, der Kirchengemeinde Drabenderhöhe für die gemeinsame Gestaltung des Gottesdienstes, Georg Amser für den Bau des Kronengestells, der Firma Hans Schinker für die Spende des Kronenbaums, Klaus Buchholzer und der Firma Bauku für das Befestigungsrohr, dem passionierten Kletterer Arnold Melzer für die Sicherung des Jungaltknechts, allen teilnehmenden Kulturgruppen sowie allen beteiligten Helferinnen und Helfern. Ein beeindruckendes und schönes Fest war zu Ende, dessen Wiederholung nicht ausgeschlossen, vielmehr wünschenswert ist.

Rainer Lehni

Links:

Video von Günther Melzer: Kronenfest in Drabenderhöhe

Weitere Fotos unter www.drabenderhoehe.de

Schlagwörter: SJD, Kronenfest, Drabenderhöhe

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