24. Juni 2010

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Horst Göbbel über „Das Wunder von Bistritz“

Einen Vortrag zum Thema „Das Wunder von Bistritz. Aus Schutt und Asche zu neuen Höhen – Die Evangelische Stadtpfarrkirche 2008-2010“ hielt Studiendirektor a.D. Horst Göbbel, Sprecher der HOG-Regionalgruppe Nordsiebenbürgen und Vorsitzender der HOG Jaad, am 22. Mai 2010 im Evangelischen Gemeindehaus St. Paul in Dinkelsbühl. Der Turm und Teile des Kirchdaches waren am 11. Juni 2008 einer Brandkatastrophe zum Opfer gefallen. Dank zahlreicher Initiativen im In- und Ausland sind die Renovierungsarbeiten erfreulich weit gediehen.
In Bistritz seien viele Wunder geschehen, sagte Horst Göbbel. Das erste Wunder sei die Kirche selbst, die vor bald 450 Jahren, im Jahr 1563, in dieser Größe gebaut und über die Jahrhunderte von einer Gemeinde von 4500 Menschen ohne fremde Hilfe instandgehalten worden sei. In den letzten Jahren sei es dann immer mühsamer geworden. Schon 15 Jahre lang hatten sich die Bistritzer Sachsen im Ausland um die Renovierung der evangelischen Stadtpfarrkirche in Bistritz eingesetzt und ein neues Kupferdach ermöglicht. Die Freude war jedoch von kurzer Dauer, denn am 11. Juni 2008 brannten Turm und Teile des Kirchdaches lichterloh.

Nach der Brandkatastrophe entstand innerhalb von Tagen und Wochen eine ungeahnte „Welle von Hilfsbereitschaft“. Unterschiedliche Gruppierungen, Rumänen, Ungarn, Deutsche, Siebenbürger Sachsen in der ganzen Welt, standen dahinter, damit die Kirche wieder aufgebaut wird. „Das ist für uns ein Riesenwunder“, sagte Horst Göbbel in seinem rhetorisch gekonnten und reich bebilderten Vortrag.Horst Göbbel bei seinem Vortrag in Dinkelsbühl. ...Horst Göbbel bei seinem Vortrag in Dinkelsbühl. Foto: Hans-Werner Schuster Dass die Siebenbürger Sachsen und die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien dahinterstehen, dass die Bundesregierung über den Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturrat ebenfalls geholfen hat, sei nachvollziehbar. „Für uns ist es aber ein Wunder, dass die Masse der Menschen in Bistritz dafür begeistert wurde, dass die Kirche wieder aufgebaut wurde. Die Stadtpfarrkirche wurde nicht nur als Kirche der evan­gelischen Christen, der Siebenbürger Sachsen aufgefasst, sondern auch als Sinnbild der Stadt – architektonisch, kulturell, historisch gesehen.“ Man habe die Ruine, den abgebrannten Kirchturm als Makel empfunden, der Stadt habe „das Gesicht“ gefehlt. Das habe dazu geführt, dass sich „wildfremde Menschen“ dafür engagiert haben. So hat die rumänische Hilfsorganisation teledon in einer Fernsehsendung Spenden in Höhe von 140 000 Euro eingeworben, öffentliche Gelder wurden in Rumänien zur Verfügung gestellt. Die HOG Bistritz-Nösen sammelte über 200 000 Euro. Video: Robert Sonnleitner interviewt Horst Göbbel - Teil 1 Zum Verlauf der Arbeiten, die unter Beachtung denkmalpflegerischer Denkmalschutzbestimmungen durchgeführt wurden, lieferte Horst Göbbel eine Fülle von Daten: Nach Räumungs- und Vorbereitungsarbeiten wurde ab Herbst 2008 das Gerüst aufgebaut. Von Dezember 2008 bis Juni 2009 wurde der Dachstuhl des Kirchenschiffs instandgesetzt und bis November mit neuen Schwalbenschwanzziegeln gedeckt. Nach der Sanierung der Mauerkrone wurde von August bis Dezember 2009 auch der Dachstuhl des Turms neu errichtet und mit Kupferblech bestückt. Eine moderne Blitzableiteranlage wurde ebenso montiert wie ein Glockenstuhl. Am 11. Oktober 2009 wurden die drei Glocken und die Läuteanlage eingeweiht. Die Gesamtanlage ist ein Geschenk der HOG Bistritz-Nösen, ebenso wie die Turmuhr, die zeitgleich mit der Glockenanlage geliefert wurde. Die Turmuhr wird erst nach Fertigstellung der Steinarbeiten im Bereich der Zifferblätter im Juli dieses Jahres montiert. Der 76,6 Meter hohe Kirchturm – der höchste in Siebenbürgen – strahlt in neuem Glanz. Video: Robert Sonnleitner interviewt Horst Göbbel - Teil 2 Auf 3,5 Millionen Euro werden die Gesamtkosten der Renovierung der Kirche veranschlagt. „Dafür versuchen auch wir mitzuhelfen, von allen Seiten viel Geld und Sachverstand zu erreichen. Das ist uns größtenteils gelungen, und das sehe ich als ein Wunder an“, betonte Horst Göbbel in einem Interview, das der Internetreferent Robert Sonnleitner für www.siebenbuerger.de mit ihm führte. Mit viel Energie und Verhandlungsgeschick hat Dr. Hans Georg Franchy, Vorsitzender der HOG Bistritz-Nösen, die Arbeiten vorangetrieben.

Als letztes Wunder nennt Göbbel im Interview die Zusammenarbeit. Die Kirchengemeinde Bis­tritz sei mit 260 Seelen zu schwach, um eine solche Aufgabe zu bewältigen. Auch alle anderen Partner könnten erst gemeinsam etwas bewirken. Sie sind offen aufeinander zugegangen und haben den Wiederaufbau ermöglicht.

Siegbert Bruss

Schlagwörter: Heimattag 2010, Stadtpfarrkirche, Bistritz

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