24. November 2010

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ZDF-Film „Fremde Heimat“ in Siebenbürgen gedreht

Nach der Premiere am 3. Oktober im Cinemaxx Dammtor in Hamburg wurde der ZDF-Fernsehfilm „Fremde Heimat“ am 6. und 7. November bei den Biberacher Filmfestspielen (http://www.biberacherfilmfestspiele.de/) vorgestellt. Die beiden Produzentinnen Doris Zander und Josephine Belke sowie der Redakteur Pit Rampelt waren bei der Filmvorführung dabei und wurden anschließend von Annemarie Zultner für die Siebenbürgische Zeitung über die Hintergründe und Entstehungsgeschichte des Films befragt.
„Fremde Heimat“ thematisiert ein siebenbürgisches Schicksal, das in diesem Jahr in Siebenbürgen gefilmt wurde und 2011 als „ZDF-Fernsehfilm der Woche“ ausgestrahlt wird. Der genaue Sendetermin (ein Montag um 20.15 Uhr) steht noch nicht fest, wird aber rechtzeitig in dieser Zeitung bekannt gegeben.

„Heimat und die schmerzhafte Suche nach den Wurzeln soll dieser Film thematisieren, aber auch diese in Westeuropa wenig bekannte märchenhafte Gegend, die krassen Gegensätze zwischen lebendigem Mittelalter und Moderne und die fast untergegangene, 800 Jahre alte Kultur der Siebenbürger Sachsen in Rumänien“, zitiert das Nachrichtenmagazin „Focus“ die Produzentin Josephine Belke von der ATF Aspekt Telefilm in Berlin, die die Idee zu dem Film nach Gesprächen mit einem siebenbürgischen Freund entwickelt hat. Das ZDF-Filmteam nach den Dreharbeiten in ...Das ZDF-Filmteam nach den Dreharbeiten in Siebenbürgen, von links nach rechts: Rodica Popa, Sorin Popa, Philipp Timme, Doris Zander, Martin Enlen, Pit Rampelt, Josephine Belke, Oliver Stokowski, Jürgen Tarrach. Foto: ATF Aspekt Telefilm Berlin Josephine Belke, deren Eltern ihre Heimat auch verlassen mussten, möchte Filme machen, um Menschen zu berühren. „Unabhängig von der individuellen Geschichte meiner Familie ist mir immer wieder im Leben und in Begegnungen bewusst geworden, dass das Thema, seine Heimat zu verlassen, viele Generationen und viele Kulturen betrifft. Und ich glaube, es macht etwas mit den Menschen, wenn sie ungewollt ihre Wurzeln verlassen“, erklärte Belke gegenüber der Siebenbürgischen Zeitung.

Ursprünglich sollte der Umzug von Nokia von Bochum nach Klausenburg (Cluj) für eine in Siebenbürgen angesiedelte Geschichte dienen. Damit ging Frau Belke im November 2007 auf ZDF-Redakteur Pit Rampelt und auf die Leiterin der ATF Aspekt Telefilm Berlin und Produzentin Doris Zander zu.

Pit Rampelt, Sohn des bekannten siebenbürgisch-sächsischen Mundartdichters Paul Rampelt, geboren 1959 in Kronstadt, kam 1965 nach Deutschland und lebt seit 2002 in Berlin. Seit 1993 ist er beim ZDF bei vielen bekannten Filmen als Redakteur tätig, einer der Bekanntesten ist „Bella Block“ – seit 1997 werden zwei Filme pro Jahr gedreht. 2005 wurde Rampelt mit dem „Live-Movie: Feuer in der Nacht“ für den Adolf-Grimme-Preis Special und mit dem Bella Block-Film „Die Freiheit der Wölfe“ für den Deutschen Fernsehpreis nominiert.

Bei „Fremde Heimat“ war er als ZDF-Fernsehfilm-Redakteur, als Vertreter des Auftrag- und damit des Geldgebers, für das ganze Filmprojekt verantwortlich. Pit Rampelt erläutert die Hintergründe für die Siebenbürgische Zeitung: „Dieses Projekt lag mir natürlich aufgrund meiner Kindheit in Kronstadt, Mediasch und Bußd besonders am Herzen. Die damit verbundenen Reisen nach Siebenbürgen haben mich auf anrührende Weise mit meiner Herkunft, meinen Wurzeln konfrontiert. Mit dem Autor Thomas Kirchner und der Producerin Josephine Belke bin ich im Herbst 2008 von Bukarest über Kronstadt, Schäßburg nach Herrmannstadt gereist, um die Filmidee zu überprüfen. In diesem März habe ich dann mit dem Regisseur Martin Enlen, dem Kameramann Philipp Timme und dem Produzententeam die Motive und Drehorte gesucht und gefunden. Bei den Dreharbeiten war ich am Anfang in Birthälm dabei und auch wieder am Ende in Hermannstadt – mit einem ausgelassenen Abschlussfest und etlichen berührenden Begegnungen. Die deutsch-rumänische Koproduktion hat wunderbar geklappt. Türen öffneten sich wohl auch deshalb, weil ‚Fremde Heimat’ einen (kleinen) Teil der Geschichte des Landes erzählt, ihr eigenes Schicksal thematisiert.“

Regie führt Martin Enlen („Der Tote am Strand“) nach einem von Rolf Silber überarbeiteten und von Thomas Kirchner geschriebenen Buch („Das Wunder von Berlin“, „Das Geheimnis im Moor“). Neben Oliver Stokowski, Katharina Böhm und Dorka Gryllus in den Hauptrollen spielen Jürgen Tarrach, Ernst Georg Schwill und Gudrun Ritter mit.

Im Film wird die Problematik der Siebenbürger Sachsen, die noch vor 1989 das Land wegen des kommunistischen Terrors massenhaft verließen, in eine allzumenschliche Story verpackt. Einen aus Siebenbürgen stammenden deutschen Geschäftsmann (Oliver Stokowski) verschlägt es beruflich zurück in die Heimat. Seit seiner Ausreise 1987 hat er seine ehemalige Heimat Siebenbürgen verdrängt. Dort findet er seine einstige Jugendliebe (Dorka Gryllus) wieder, durch die er abgründigen Familiengeheimnissen und früheren Verwicklungen mit der berüchtigten Securitate auf die Spur kommt. Die Repressionen der Geheimpolizei, die Ausbürgerung seiner Familie, die Verwicklung seiner Jugendliebe darin und die riesige Enttäuschung darüber holen ihn ein.

Das Geschehen spielt sich hauptsächlich in Birthälm ab und immer wieder lösen aktuelle Szenen Erinnerungen aus, beispielsweise wenn Lukas Schauttner seinen Finger in ein Marmeladenglas eintaucht, ableckt und mit einem Seufzer „Hätschenpätsch“ ausspricht. Aber auch die wunderschöne Landschaft, Pferdewägen, das Mundartlied „Bäm Hontertstroch“, der Pali, die Kirchenburg Birthälm, die seit 1993 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört, das in der Kirchenburg befindliche „Ehezimmer“, das im Film eine wichtige Rolle spielt, holen den siebenbürgischen Geschäftsmann für Augenblicke in die Vergangenheit zurück.

Bei den Dreharbeiten hat auch die Schauspielerin Katharina Böhm ihr Herz für Siebenbürgen entdeckt, schreibt Focus in einem Artikel vom 25. Mai 2010: „Die uralten Balken knarren, steil geht’s rauf über eine Holztreppe zur knorrigen Kirchenburg Birthälm, die seit einem halben Jahrtausend mitten im Herzen von Siebenbürgen steht. Oben nimmt der malerische Ausblick den Besucher gefangen: sattgrüne, weiche Hügel und Wälder voller Wölfe und Bären, Bussarde im Tiefflug, paradiesische Ruhe.“ „Ich habe Rumänien als ein dunkles, graues, tristes Land erwartet, aber diese unglaublich schöne Landschaft hat mich so umgehauen“, schwärmt Böhm.

In diesem Film werden sich sowohl Siebenbürger Sachsen als auch alle anderen, die ihre Heimat verlassen mussten, wieder finden werden. So wurde der Film auch eher global und nicht nur für Siebenbürger Sachsen gedreht, sagte die Produzentin Doris Zander bei den Biberacher Filmfestspielen. Zunächst waren die beiden Produzentinnen bezüglich des Drehortes skeptisch („Wer kennt schon Siebenbürgen?“), aber nach den Erfahrungen vor Ort waren sie und das Filmteam begeistert von der Landschaft und der Freundlichkeit der Menschen. Zander forderte die Zuschauer auf, demnächst Urlaub in Siebenbürgen zu machen. Die Besucher fanden den Film authentisch und ansprechend.

Annemarie Zultner

Schlagwörter: Film, TV-Tipp

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