19. Oktober 2011

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Altbischof Christoph Klein erhält Georg-Dehio-Kulturpreis

Der Georg Dehio-Kulturpreis 2011 des Deutschen Kulturforums östliches Europa wurde in einem Festakt am 22. September im Atrium der Deutschen Bank in Berlin-Mitte an D. Dr. Christoph Klein, Bischof a. D. der Evangelischen Kirche A.B. in Rumänien, und an den Organisten und Musikwissenschaftler Jan Janca überreicht.
Nach der Begrüßung der rund 200 Gäste durch Dr. Doris Lemmermeier, Direktorin des Deutschen Kulturforums östliches Europa, verwies Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel, Abteilungsleiterin beim Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, in ihrer Rede auf die jahrhundertealte Geschichte der Deutschen im östlichen Europa und auf ihre kulturellen Hinterlassenschaften, die die Regionen entscheidend mitgeprägt haben und heute ein gemeinsames Erbe der Deutschen und ihrer östlichen Nachbarn sind. Um die Menschen für den Erhalt dieser kulturellen Schätze zu sensibilisieren, ist auch der Georg Dehio-Preis vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien geschaffen worden. Der diesjährige Hauptpreis wurde D. Dr. Christoph Klein, Bischof a. D. der Evangelischen Kirche Augsburgischen Bekenntnisses (A.B.) in Rumänien, zuerkannt. Die Jury begründete ihre Entscheidung damit, dass es Altbischof Klein gelungen sei, nach dem Exodus der Deutschen aus Rumänien infolge der politischen Wende 1989 die Evangelische Kirche A.B. als lutherische Diasporakirche neu zu gestalten. Sein seelsorgerisches Wirken „stand konstant im Zeichen der Überzeugung, dass den neuen Herausforderungen der Kirche nur durch den Dienst an der Gesamtgesellschaft gemeinsam mit der Mehrheitsbevölkerung und den anderen Minderheiten in Rumänien sowie mit den anderen Kirchen und Konfessionen begegnet werden kann“. Georg Dehio-Kulturpreisverleihung in Berlin: (v. ...Georg Dehio-Kulturpreisverleihung in Berlin: (v. l.) Dr. Ingeborg Berggreen-Merkel, Abteilungsleiterin beim Beauftragten für Kultur und Medien, Jan Janca (Ehrenpreis), D. Dr. Christoph Klein (Hauptpreis) und Dr. Doris Lemmermeier, Direktorin des Deutschen Kulturforums östliches Europa. © Deutsches Kulturforum östliches Europa, Foto: Mathias Marx, Schwielowsee Der emeritierte Bischof Klein sei jemand, „der einen starken Glauben an das Gute im Menschen und in der Welt besitzt und diesen Glauben weitergibt“, betonte der Hermannstädter Bürgermeister Klaus Johannis in seiner Laudatio. Er berichtete über ein Erlebnis, das Bischof Klein bei der Visitation einer Gemeinde nachhaltig beeindruckt habe. Eine junge Siebenbürger Sächsin, die aus Deutschland zu Besuch gekommen war, fotografierte den Altar und wurde währenddessen von Tränen überwältigt. „Der Altar bedeutete für sie mehr als ein Kunstwerk. Es war der Ort der Erinnerung an die Kindheits- und Jugendzeit, denn vor diesem Altar war sie getauft, konfirmiert und getraut worden“, erläuterte Klaus Johannis. Er verwies auf die Bedeutung der Evangelischen Kirche in Rumänien für die Identität der dort lebenden Deutschen und als Bewahrerin der kulturellen Hinterlassenschaften der Siebenbürger Sachsen. Nach der „Selbstverabschiedung“, wie er es nannte, des Großteils der Deutschen „blieb das riesige Kulturerbe einer Volksgemeinschaft (zurück), die Teil einer Kulturen- und Völkervielfalt in Siebenbürgen war, wie sie in Europa in wenigen Gebieten über mehrere Jahrhunderte hinweg bestanden hatte“.

Bischof Klein sei nicht nur die Neustrukturierung der Kirche hinsichtlich ihrer seelsorgerischen und karitativen Aufgaben, sondern auch eine weitgehende Bewahrung des kulturellen Erbes gelungen. Klaus Johannis skizzierte die Maßnahmen, die auf Initiative des Bischofs zur Sicherung der historischen Gebäude und der Gegenstände von künstlerischer, geschichtlicher, dokumentarischer oder wissenschaftlicher Bedeutung ergriffen wurden: die Einrichtung von Sammelstellen in den fünf Kirchenbezirken sowie die Bereitstellung eines der Bewahrung und Sicherung dienenden Gebäudes, die Einrichtung des landeskirchlichen Museums und einer „Leitstelle Kirchenburgen“ beim Landeskonsistorium in Hermannstadt.

Dr. Laura Popescu, Leiterin der politischen Abteilung der Botschaft von Rumänien in Berlin, verlas stellvertretend für den erkrankten Helge Fleischer, Unterstaatssekretär im Department für Interethnische Beziehungen der rumänischen Regierung, dessen Grußwort. Herr Fleischer hatte Bischof Klein für den Preis vorgeschlagen. In seinem Grußwort skizzierte er die große Bedeutung des Bischofs für die Siebenbürger Sachsen. Altbischof Christoph Klein dankte für seine Wahl und die Preisverleihung. Er habe die Tätigkeit, für die er mit dem Georg Dehio-Kulturpreis ausgezeichnet wurde, stets als seine Aufgabe angesehen. In dem Bewusstsein, in einer großen Tradition zu stehen, zu der die deutsche Sprache, Kultur, die Kirchenburgen, der evangelische Glaube wie auch das Bild seiner Heimatkirche gehöre, sei es für ihn selbstverständlich gewesen, seiner Aufgabe nachkommen. Als Christ vertraue er auf die Gnade von Gott, dass seine Arbeit nicht vergebens sei.

Der Ehrenpreis des Georg Dehio-Kulturpreises wurde Jan Janca für seine Erforschung der Orgellandschaft Danzigs sowie Ost- und Westpreußens verliehen.

Dr. Claudia Tutsch

Schlagwörter: Berlin

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