8. Februar 2012

Vortrag über Franz Liszt in Siebenbürgen

Im Rahmen der diesjährigen Veranstaltungsreihe der Kreisgruppe Bamberg referierte der bekannte Münchener Organist und Musikwissenschaftler Dr. Franz Metz am Abend des 27. Januar im Bamberger „Studio 13“ in der Vortragsreihe „Siebenbürgen/r im Blickpunkt“ über „Franz Liszt in Siebenbürgen“. Nach einführenden Worten und kurzer Präsentation des Gastes durch Kulturreferentin Dagmar Zink erlebte der bis auf die letzten Plätze besetzte Saal einen Vortrag der besonderen Art. Souverän gelöst, hochkonzentriert und mit virtuoser Rhetorik gelang es Franz Metz, gestützt auf Bild- und Dokumentationsmaterial, sowohl die intimsten Charaktermerkmale als auch die gesellschaftlichen Seiten der Künstlerpersönlichkeit Franz Liszts plastisch auszuloten.
Geboren am 22. Oktober 1811 im ungarischen Raiding (Doborján), gab er, nach frühem väterlichen Klavierunterricht sowie später bei Carl Czerny, bereits als 12-jähriges Wunderkind Konzerte in Pressburg, Budapest und Wien. Kurze Zeit danach zog Vater Adam mit ihm nach Paris, wo er in den Pariser Salons wie ein großer Star gefeiert wurde, um schließlich als viel umjubelter Konzertpianist kreuz und quer durch ganz Europa zu reisen und vor Kaisern, Königen und Fürsten in überfüllten Konzertsälen seine erstmals durch ihn geprägten „Klavier-Recitale“ zu zelebrieren.

Besonderes Augenmerk legte Franz Metz in seinem Vortrag auf Liszts letzte Konzertreise 1846/47 durch seine ungarische Heimat, die in den heutigen Biographien fast gänzlich ignoriert wird. Diese sollte die letzte und längste Konzertreise seiner Virtuosenlaufbahn werden. Sie begann in Szekszárd, wo man am 22. Oktober 1846 seinen Geburtstag feierte und er mit unzähligen Widmungen in Form von Gedichten, Fackelzügen, Ehrungen, festlichen Empfängen und Tafeln, Ehrenbürgerschaften und Lorbeerkränzen euphorisch gefeiert wurde. Danach folgte ein ebenso triumphaler Festzug durch Temeswar, Lugosch, Arad, Hermannstadt, Aiud, Klausenburg, Bukarest, Jassy und Czernovitz bis Konstantinopel.

Brisant war ein Konzert am 20. November im Hermannstädter Redoutensaal. Auch hier wurde der „König des Klaviers“ mit großer Begeisterung aufgenommen und am Ende des Konzertes wurden als Zugaben zwei Themen mit lauten Rufen vorgeschlagen: von den Sachsen der „Erlkönig“ und von den ungarischen Zuhörern der „Rákóczi-Marsch“. Liszt wählte diesen letzten Vorschlag und erntete nach dessen Interpretation erneut rauschenden Applaus, wobei aber auch Pfiffe zu hören waren, die den Titanen des Klaviers sichtlich verstimmten und er hierauf in seinem Hotel „Römischer Kaiser“ am nächsten Tag ein zweites Konzert – trotz zugesagter hoher Gage von 600 Gulden seitens einer sächsischen Sonderdelegation – ablehnte.

Nicht unerwähnt blieb die freundschaftlich-kollegiale Beziehung Liszts zum siebenbürgischen Wunderkind Carl Filtsch, der in Abwesenheit von Chopin diesen mit großem Vergnügen unterrichtete. Anlässlich einer Pariser Soirée, bei der Filtsch mit außergewöhnlichem Erfolg auftrat, äußerte sich Franz Liszt: „Wenn dieser Knabe zu reisen beginnt, kann ich meine Bude zusperren!“

Zum Abschluss kam leider nur ein Mittelteil der „Rumänischen Rhapsodie“ von Liszt zu Gehör, der rumänische Diplomat und Musikwissenschaftler Octavian Beu in Weimar nach einem Hinweis von Béla Bartók entdeckt hatte, welche als „Listzts 20.“ Motive ungarischer und rumänischer Folklore beinhaltet und auch eine sächsische Volksweise improvisatorisch verarbeitet. Demnach war Liszt der erste bedeutende Komponist, der den verschiedenen ethnischen Musikkulturen Südosteuropas ein Denkmal setzte. Nach lang anhaltendem Applaus des begeisterten Publikums bedankte sich Dagmar Zink mit einem kleinen Präsent bei Franz Metz für den gelungenen Vortrag.

Peter Szaunig

Schlagwörter: Vortrag, Liszt, Siebenbürgen, Bamberg, Musiker, Carl Filtsch

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Neueste Kommentare

  • 08.02.2012, 07:03 Uhr von bankban: " Bela Bártok" ??? Béla Bartók!!! [weiter]

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