16. Juni 2015

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Es menschelt beim Trachtenumzug 2015!

Was macht es aus, in einem Umzug die Tracht der Vorfahren zu präsentieren? Wir durften es erfahren: Die meisten Trachtenträger verspüren Stolz beim Tragen einer wertvollen Tracht, gemischt mit Ehrfurcht vor den fleißigen Händen, die die Tracht erstellt haben. Das sieht man sehr vielen Trachtenträgern im Umzug des Heimattages an und man freut sich, es erleben zu dürfen. Danke dafür! Doch es menschelt auch bei unseren Landsleuten …
Der diesjährige Trachtenumzug mit 109 Gruppen kann zu Recht mit einem Superlativ belegt werden – mehr als 3000 Trachtenträger bereiteten sich auf diesen für die Siebenbürger Sachsen so wichtigen Heimattag vor. Vorbereiten bedeutet, auch Trachten aus dem Schrank holen, anprobieren und gegebenenfalls ergänzen, erneuern und passend machen. Denn die Qualität sollte nicht zugunsten der Quantität leiden!

Leider tritt bei einigen unserer Landsleute die Unwissenheit zu sehr hervor, was sich in zu kurzen Trachtenröcken, unpassenden Schuhen (niedriger Ballerina, Flip-Flop, Lack-, Samt- oder Turnschuh, Sandale, beiger, roter, brauner, grauer oder bunter Schuh), fehlender Kopfbedeckung und offenen Haaren bei Frauen offenbarte. Manchmal erkennt man auch übertriebene Sparsamkeit, z.B. wenn die Kinder statt schwarzer Schnürsenkel, grüne tragen. Auch kosten schwarze Kinderschuhe heute nicht mehr ein kleines Vermögen. Gerade wenn Kinder in der ersten Reihe mitgehen, könnte man doch schwarze Schuhe für sie erwerben. Der Jugendwahn macht vor den Sächsinnen anscheinend auch nicht halt: Viele Frauen tragen Kopfbänder wie die Mädchen (manche tragen das Kopfband um den Nacken, wohl um die Frisur zu schonen!) oder tragen einfach die Mädchentracht (sogar mit Borten) und schieben moderne (!) Kinderwägen vor sich hin! Das Bedürfnis aufzufallen verleitet manche Männer dazu, Jeans oder einen modernen karierten Hut anstatt des schwarzen Trachtenhutes zu tragen. Andere verwechseln bei ihrer Haltung Coolness mit schlurfendem Gang. Manche haben anscheinend einen Minderwertigkeitskomplex und verstecken sich hinter Kopfbändern, die zu weit in die Stirne geschoben sind. Die Großzügigen dagegen zeigen übertrieben, was sie haben, indem sie Schürze, Bänder oder Kirchenmäntel tragen, die länger als der Rock sind. So nicht: Bunte Schuhe im Festumzug des ...So nicht: Bunte Schuhe im Festumzug des Heimattages 2015. Phantasievoll sind sie allemal: diejenigen in falschen Hosen, Westen, Jacken, Röcken, Strumpfhosen, mit schrecklichen Handtaschen, Baumwolltaschen in allen Farben und mit den tollsten Aufdrucken, unpassenden Frisuren, Schminke und Schmuck, schlampig getragenen Trachten, mit zusammengewürfelten Trachten, falschen, neu erstellten Trachtenteilen und Kopfbedeckungen (z.B. Leibchen, Schürzen, Bockelungen), Schildern, die vor dem Gesicht getragen werden, Sonnenbrillen und anderen modernen Accessoires, mit bunten Schirmen, Bollerwagen im Adventure-Look, Sonnenhüten (und die auch noch farbig oder bunt), Kinder in modernen, bunten Jacken (als könnte man unter die Tracht nicht auch etwas anziehen oder sich zumindest um ein weißes Strickjäckchen kümmern), schlechte Haltung… Manche umgehen kreativ die auferlegte Disziplin (die den Zug etwas strafft) und marschieren in Dreierreihen, obwohl Viererreihen gewünscht wurden.



Wie gehen wir mit diesen menschlichen Schwächen in unserer Trachtenlandschaft um? Schicken wir sie im nächsten Jahr aus dem Trachtenzug weg? Bestrafen wir die ganze Heimatortsgemeinschaft, indem wir sie für ein Jahr sperren? Oder verzeihen wir ihnen die menschlichen Schwächen, sprechen sie in unserer HOG freundlich an und helfen ihnen, die auffallenden Schönheitsfehler zu korrigieren?

Wir wären für Letzteres: Doris Hutter, Maio Schenker und Christa Wandschneider

Bitte helft alle mit! Zusammen schaffen wir es, unsere Trachtenträger zu ermuntern und ihnen zu helfen, ihre Tracht mit Würde und Stolz ihrem Alter entsprechend zu tragen!

Schlagwörter: Heimattag 2015, Dinkelsbühl, Trachtenumzug

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