3. Oktober 2015

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Das ungeschossene Foto: 33. Siebenbürgischer Kirchentag in Bonn

Wäre das Bild nicht im unpassenden Moment aufgetaucht, wäre es das Herzstück der Berichterstattung zum 33. Siebenbürgischen Kirchentag in Bonn gewesen. Es hätte nämlich das repräsentiert, was für das Hauptanliegen aller siebenbürgischen Kirchentage in Deutschland und Österreich programmatisch gewesen ist: Integration der siebenbürgischen Diaspora in die Kirche und die Gesellschaft des neuen Umfeldes. Aber so bleibt der Artikel ohne Bild und der Leser ohne visuelles Erlebnis.
Es wäre sicher unpassend gewesen, im Altarraum der Bonner Kreuzkirche während der Austeilung des Heiligen Abendmahls inmitten der Andächtigen mit Kamera und Blitzlicht zu hantieren. Aber da war das Bild: Das Oberhaupt der Evangelischen Kirche im Rheinland, Präses Manfred Rekowski, reicht den Abendmahlskelch einer trachtentragenden Siebenbürgerin aus Drabenderhöhe. Langsam hält er ihr den Kelch hin. Fast zögernd greift sie danach und trinkt bedächtig. Die Szene zeigte symbolisch, dass die Siebenbürger sich nun in der rheinischen Kirche zu Hause fühlen ohne auf ihre eigene Identität zu verzichten. Sie zeigte auch, dass die Strukturen der Evangelischen Kirche im Rheinland um „ihre“ Siebenbürger Sachsen Bescheid wissen und sich um diese kümmern. Sie sind zu Hause!

Als Vermittlerin zwischen den beiden Welten hat seit 1946 die „Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger Sachsen“ gewirkt. Seit dem siebenbürgischen Kirchentag in Kassel (2013) bringt sich nun auch die Evangelische Kirche A.B. in Rumänien, als Heimatkirche der Ausgesiedelten, aktiv ein. Damit erhält der siebenbürgische Kirchentag eine weitere Dimension, und zwar die der ökumenischen Partnerschaft. So war an dem Eröffnungsabend am 25. September im Haus der Evangelischen Kirche in Bonn folgerichtig auch die Oberkirchenrätin für Ökumene der Evangelischen Kirche im Rheinland, Barabara Rudolph, anwesend. Sie eröffnete zusammen mit dem Gastgeber, dem Superintendenten von Bonn, Eckart Wüster, dem Bürgermeister Reinhard Limbach und dem „Heimatbischof“ Reinhart Guib die Tage der Begegnung. Durch die gesamte Zeit führte der Vorsitzende der Gemeinschaft Evangelischer Siebenbürger Sachsen und Banater Schwaben im Diakonischen Werk der EKD (Hilfskomitee), Dekan i.R. Hermann Schuller.

Danach ging es in doppelter Weise, mit Botschaft UND Begegnung, weiter. Unter dem wachsamen Auge des Teams seitens des Verbandes der Siebenbürger Sachsen, angeleitet von Heike Mai-Lehni, wurde das Haus der Kirche zu einem Ort der Begegnung, wo im Schatten von Martin Rills Kirchenburgen und im Licht von Margret Riedls Textilkunst gesprochen, gegessen, gesehen, geblättert und gestaltet wurde. Gesungen wurde auch, und zwar unter Anleitung der malerischen „Rokestuf“ aus Dortmund, die alle zum Mitsingen der in Siebenbürgen bekannten Lieder animierte.

Die Botschaft wurde von dem Thema und Losungswort „Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat“ vorgegeben. Inhaltlich deckte sie dann Aspekte der Theologie und der siebenbürgischen Geschichte ab (Prof. Dr. Berthold Köber), der Sozialpolitik (Robert Schwartz, Deutsche Welle, Berlin) sowie der grenzübergreifenden Partnerschaft (Stadtpfarrer Christian Plajer, Kronstadt, OKR Jürgen Regul, Düsseldorf, Geschäftsführer Heinz Herbert Paulus, Mönchengladbach). Von der siebenbürgischen Ebene weg, hin zu den aktuellen Tagesthemen der Flüchtlinge und Migration führten Dr. Wolfram Theilemann (Christ und Welt/Die Zeit) und der koreanische Pastor Mike Lee (Internationale Gemeinde Düsseldorf). Auf das Feld der Ökumene führten die beiden Bischöfe Dr. Johann Schneider (Halle-Wittenberg) und Reinhart Guib (Hermannstadt), dabei wurde überall ehrlich um den ethischen Hintergrund und die christlichen Motivation des eigenen Handelns gerungen. Demzufolge pointiert waren dann die Aussagen über das Ja oder Nein der eigenen Annahme in neuem Umfeld. Enni Janesch berichtete, in Drabenderhöhe sei Integration gelungen, Hermann Schuller (Mannheim) stellte ihr aus kirchlicher Perspektive ein „Ja, aber…“ entgegen. Der Publizist Georg Aescht (Kulturpolitische Korrespondenz) forderte die Zuhörer zum offenen Widerspruch, aber auch stiller Zustimmung heraus, indem er sagte: „Seien wir doch ehrlich! Wir sind ausgewandert, damit es uns besser geht!“

Aber Integration geschieht – so die Erfahrung – am allerbesten durch das gemeinsame Lachen. So einen Zusammenschluss erreichte der Rheinische Abend, zu dem Oberkirchenrat Klaus Eberl eingeladen hatte. Umrahmt durch die Musik der kirchlich beheimateten und international bekannten Jazzband Ufermann, animierte das Kabarett Hermanns&Putzler samstagabends die intellektuell schon ausgelaugte Versammlung. Humor kann man nicht beschreiben, allemal die Gesichter der Anwesenden: Während die einen Tränen lachten, guckten die anderen skeptisch ob des kirchenkritischen Humors in die Runde. Den Abschluss fanden dann diese drei Tage im Abendmahlsgottesdienst in der Kreuzkirche. Aber davon war schon die Rede.

Stefan Cosoroabă

Schlagwörter: Kirchentag, Hilfskomitee, Bonn

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