7. Dezember 2017

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Geistreich und ironisch: Geschichte der Deutschen Abteilung des Staatstheaters Hermannstadt

Schon einige Autoren haben sich mit der Geschichte des deutschen Theaters in Siebenbürgen auseinandergesetzt. Es ist ein Kapitel, das in der Geschichte der Siebenbürger Sachsen selten detailliert behandelt wird, obwohl die darstellende Kunst ein wesentlicher Teil der Kultur der Siebenbürger Sachsen ist. Nun liegt uns ein Kompendium (Abriss) des der Deutschen Abteilung des Staatstheaters Hermannstadt (DASS) von Christian Maurer vor.
„Statt einer Einleitung“, so der Autor, gibt es Auszüge aus einem Vortrag von Christian Maurer, gehalten am 6. Mai 2002 vor einem Auditorium aus Mitgliedern der Kreisgruppe Augsburg des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland. Voller Esprit und Witz, nicht aber ohne Ironie schildert Maurer seine Ankunft in Deutschland und seine verzweifelten Bemühungen, den ahnungslosen, ignoranten Behörden seine deutsche Abstammung glaubhaft zu machen.

2007, zum 50-jährigen Jubiläum der deutschen Abteilung des Staatstheaters Hermannstadt, ist die Festschrift „425 Jahre deutsches Theater in Hermannstadt, 50 Jahre DASS“ erschienen. Diese nimmt Christian Maurer zum Anlass, das vorliegende Buch zu schreiben. Teils empört, teils traurig über die Oberflächlichkeit, mit der für diese Festschrift recherchiert wurde, zeichnet Maurer in seinem humorvollen, aber auch sarkastischen Stil zahlreiche Ungereimtheiten auf, die in der zweisprachigen (deutsch und rumänisch) Festschrift immer wieder auftauchen. Das ist wohl ein Beweis dafür, wie gleichgültig mit der Geschichte einer Minderheit umgegangen wird. Es gibt nur noch wenige, wenn nicht nur einen, der in dieser Sache Bescheid weiß: Christian Maurer. Er war schließlich von der Geburtsstunde der deutschen Bühne bis zum bitteren Ende dabei (es handelt sich dabei um die DASS zur Zeit des Sozialismus).

l ...Maurer gewährt uns einen Einblick hinter die Kulissen dieser vom Sozialismus gut subventionierten Institution. Die ganzen Jahre über war es ein Balanceakt, sowohl die Parteiorgane als auch das Publikum zu befriedigen, ein Spagat, der selten, aber doch das eine oder andere Mal gelang. Die „leidige Zensur“ führte oft haarsträubende Argumente ins Feld, warum ein Stück nicht auf den Spielplan durfte. Meistens waren es schon die ­Titel, die dem Zensor suspekt waren, zum Beispiel „Ein Volksfeind“ von Ibsen oder „Don Carlos“ von Schiller. Volksfeind – das ging im sozialistischen Rumänien gar nicht, und Don, also Herr (wo man doch eifrig dabei war das Wort „Genosse“ durchzusetzen) ebenso wenig. Der Inhalt dieser Stücke war den „wachsamen“ Zensoren natürlich nicht bekannt.

Ein weiteres Kapitel behandelt die von der DASS gespielten Stücke nach „Herkunfts-Kategorien“ (so der Autor) – ein weiterer Spagat zwischen Pflicht und Kür. Es folgt eine Bilanz der Spielzeiten in Zuschauerzahlen und Aufführungen und zum Abschluss eine Auflistung aller Mitarbeiter der DASS von der Gründung im Jahre 1956 bis 1989.

Alles in allem ist das vorliegende Buch eine leicht zu lesende, in dem für Maurer so charakteristischen geistreichen und auch leicht ironischen Stil gehaltene Lektüre. Ich würde sagen: ein Muss für alle, die in jener Zeit Liebhaber der DASS waren und vielleicht noch geblieben sind – für die älteren Leser eine nostalgische Erinnerung an den Überlebenskampf unserer sächsischen Gemeinschaft, für die jungen Leser ein Stück Theatergeschichte aus erster Hand.

Hannes Höchsmann

Christian Maurer: „Zur Geschichte der DASS, der Deutschen Abteilung des Staatstheaters Sibiu-Hermannstadt zwischen den Jahren 1956 und 1989 – während der Zeit des sogenannten ,Sozialismus‘ im rumänischen Siebenbürgen“. 136 Seiten, 12 Euro, ISBN 978-3-941425-15-6, zu bestellen bei Christian Maurer, Am Säumerberg 18e, 94136 Thyrnau, Telefon: (08501) 915652.

Schlagwörter: Rezension, Theater, Hermannstadt

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