22. Juli 2019

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Empfehlenswerter Stadtführer von Hermannstadt

Der bayerische Pfarrer Dr. Jürgen Henkel und der Münchner Fotograf Martin Eichler haben einen sehr lesenswerten Stadtführer über Hermannstadt im renommierten Josef Fink Verlag veröffentlicht. Der 80 Seiten starke Band besticht durch eine Fülle an kunsthistorischen Informationen, die von hochwertigen Fotos veranschaulicht werden. Der 1996 in Lindenberg im Allgäu gegründete Kunstverlag Josef Fink gilt mit seinen rund 1300 Publikationen als „König der Kirchenführer“. „Hermannstadt (Sibiu)“ steht nun in derselben Reihe der „Kleinen Kunstführer“ mit „Rom – Streifzüge durch die Heilige Stadt“, der Kirche St. Lorenz in Nürnberg, dem Münster in Freiburg u.v.a.
Hermannstadt hat neben seiner großen Geschichte seit dem Mittelalter und seiner besonderen Bedeutung als jahrhundertelange Hauptstadt der Siebenbürger Sachsen heute als moderne Großstadt mit 150000 Einwohnern, als orthodoxe und evangelische Bischofsstadt, als Universitäts- und Kulturstadt mit Theaterbühnen und Philharmonie wie auch als bedeutender Wirtschaftsstandort viel zu bieten, schreibt Jürgen Henkel.

Der Verleger Josef Fink konnte ihn als Autor des Hermannstadt-Buches gewinnen. Jürgen Henkel war begeistert über die Gelegenheit, ein solches Stadtporträt zu verfassen. Der Pfarrer und ausgebildete Journalist kennt sich in Hermannstadt bestens aus, hat er doch zehn Jahre dort gelebt – in den 90er Jahren fünf Jahre als Student und Doktorand, von 2003 bis 2008 dann als Leiter der Evangelischen Akademie Siebenbürgen. Als Student wohnte er in historischen Gemäuern wie dem evangelischen Stadtpfarramt. Dieses Gebäude und die Fenster seiner früheren Studentenbude sind sogar auf dem Titelfoto zu sehen. Eine urige Studentenkneipe, „Crama Naţional“, empfiehlt er im Buch als „besonderen Tipp“. „Hermannstadt ist für mich eine der schönsten Städte der Welt“, fasst Jürgen Henkel seine Begeisterung im Gespräch mit der Siebenbürgischen Zeitung zusammen. z ... Die Sehenswürdigkeiten Hermannstadts stellt er auf zwei „Stadtspaziergängen zur Geschichte und Gegenwart“ vor. Auf dem ersten Rundgang (43 Seiten) wird das historische Zentrum in der Oberstadt vom Großen Ring zum Astra-Museum erkundet. Ein Kunstwerk nach dem anderen reiht sich am Großen und Kleinen Ring sowie am Huetplatz aneinander. Der evangelischen Stadtpfarrkirche als bedeutendstem Kunstwerk widmet der Autor sechs Seiten. Das „Museum für traditionelle Volkskultur Astra“, das Freilichtmuseum im Jungen Wald, sei „eines der schönsten Museen des Landes“. Auch der zweite Spaziergang, der mit 8 Seiten etwas kürzer ausfällt, startet am Großen Ring, führt aber in entgegengesetzter Richtung vom Bischofspalais der Evangelischen Kirche vorbei am Ursulinenkloster und an der früheren Synagoge bis zum Schauspielhaus, dem Thalia-Theater.

„Wer eine geschichtsträchtige, an Kultur und wertvoller historischer Bausubstanz so reiche Stadt wie Hermannstadt nicht nur aus einer Außenperspektive besuchen und wie ein Museum besichtigen, sondern wirklich in vielen Facetten kennenlernen und erleben will, der sollte auch von den Kneipen bis zu den Konzertsälen ins pralle Alltagsleben der Stadt eintauchen“, schreibt Henkel. Empfehlenswert findet er daher nicht nur den Zibinsmarkt, auf dem täglich heimische Produkte von würzigem Schafskäse bis feurigem Paprika verkauft werden. Im Kapitel „Historisches und Heutiges außerhalb der Altstadt“ präsentiert er auch Neppendorf, seine Landler, die dortige Kirche und die Evangelische Akademie Siebenbürgens. Das rumänische Bauern- und Hirtendorf Rășinari am Fuße der Karpaten ist ebenso einen Abstecher wert wie die alten Dampflokomotiven im Eisenbahnmuseum.

Porträts bedeutender Persönlichkeiten wie Baron Samuel von Brukenthal, Albert Huet, Andrei Șaguna, Friedrich Teutsch und Josef Bedeus von Scharenberg ergänzen den Text an geeigneter Stelle. Zum Schluss bietet der Autor zahlreiche Literaturhinweise, wobei das von Dagmar Dusil herausgegebene Buch „Hermannstadt. Fakten, Bilder, Worte“ (2017) leider nicht erwähnt wird.

Die Zeittafel im Anhang gibt Aufschluss über die bewegte Stadtgeschichte vom Mittelalter bis zur Gegenwart. Einen Stadtplan aus der Habsburgerzeit von 1904, der Hermannstadt noch auf Deutsch darstellt, steuerte das Siebenbürgen-Institut in Gundelsheim bei. Eine ausklappbare Karte mit der heutigen Altstadt rundet das Buch ab.

Jürgen Henkels Ziel war es, einen allgemeinverständlichen, anschaulichen und zugleich unterhaltsamen Stadtführer zu schreiben. Das ist ihm bestens gelungen. Für nur 6 Euro bietet das Buch eine Fülle an wertvollen Informationen, flüssig geschrieben, illustriert mit Hochglanzfotos. „Diesen Band zu schreiben, hat richtig Spaß gemacht. Das bisherige Echo ist überwältigend positiv“, so der Autor. Er hofft, dass im Kunstverlag Josef Fink weitere Stadtführer etwa über Schäßburg, Temeswar und Kronstadt folgen werden.

Siegbert Bruss

Jürgen Henkel/Martin Eichler (Fotos): Hermannstadt (Sibiu). Historisches und Heutiges aus einer siebenbürgischen Metropole, Kunstverlag Josef Fink, Lindenberg im Allgäu, 2019, 80 Seiten, 77 Farbfotos, 2 Stadtpläne, 6,00 Euro, ISBN 978-3-95976-148-2, erhältlich im Buchhandel.

Schlagwörter: Rezension, Hermannstadt, Reiseführer, Tourismus

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