28. Februar 2020

Deportation der Rumäniendeutschen in der Literatur

Mit der Deportation der Rumäniendeutschen als literarisches Thema befasst sich William Totok in einem Beitrag an Radio Europa Libera, abgedruckt in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien. 1950 sei es erstmals publizistisch nach den Schlüsselbegriffen der offiziellen Propaganda aufgegriffen worden. Ziel war damals, die diskriminierte deutsche Bevölkerung in das politische System einzugliedern. Später ging man dazu über, durch Propaganda aus Rumänien Ausgewanderte zur Rückkehr zu bewegen, angeblich seien ca. 3000 Rumäniendeutsche zurückgekehrt.
In der Ceaușescu-Zeit hatten dann erstmals auch Schriftsteller das Thema entdeckt. Anlass sei eine Rede von Ceaușescu selbst über „Fehler in der Volkswirtschaft und Nationalitätenpolitik“ gewesen, in der er auch die „Umsiedlungen“ und Enteignungen der Deutschen erwähnte, schreibt William Totok.
1977 las Johann Lippet, Gründungsmitglied der Aktionsgruppe Banat, erstmals ein Teil seines Langgedichts „Biografie. Ein Muster“ (1980 in Bukarest veröffentlicht) im Deutschen Literaturkreis von Temeswar vor. Er beschreibt darin das Schicksal seiner deportierten Mutter. Über die Lesung informierte der ehemalige „Bibliothekar von Auschwitz“, Hans Mokka, die Securitate. Diese sah sich in Alarmbereitschaft versetzt, als weitere Autoren des Literaturkreises das Thema aufzugreifen begannen. Auch über das dort vorgestellte Theaterstück „Viehwaggon 21“ von Hans Kehrer alias Stefan Heinz informierte Mokka die Securitate. In deren Visier geriet auch Nikolaus Berwanger, Chefredakteur der Neuen Banater Zeitung, der 1977 bekannt gab, in seiner geplanten Autobiografie auch das Thema Verschleppung der Deutschen in die UdSSR erwähnen zu wollen.
Das Plakatbild der Ausstellung „ORDER 7161 – Marc ...
Das Plakatbild der Ausstellung „ORDER 7161 – Marc Schroeders Zeitzeugen-Porträts einer Deportation“, die kürzlich in Berlin zu sehen war, zeigt den Zeitzeugen Franz Pleth, Bildegg/Beltiug, 2013. Foto: Marc Schroeder
Kritisch äußert sich Totok über die Ignorierung von historischen Fakten in der postkommunistischen literarischen Aufarbeitung: Beispiele sind der Roman „Lindenfeld“ von Ioan Morar (2005), wo die wirklichen Gründe für die Verschleppung verschwiegen werden, stattdessen sollen sich nach Darstellung des Autors die Deutschen geweigert haben, rumänische Partisanen im Umfeld des Banater Bergdorfs zu verraten. Das fiktive Argument wird im Vorwort von Marius Chivu übernommen. In Radu Gabreas Film Lindenfeld tritt der fiktionale Aspekt noch stärker in den Vordergrund. „Durch Ignorierung der geschichtlichen Wahrheit wird auch die Grundbotschaft des Mit-Leids, die solche Werke vermitteln wollen, vermindert. Und die geschichtliche Wahrheit verschleiert“, kritisiert Totok.

NM

Schlagwörter: Russlanddeportation, Literatur

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