11. Mai 2020

Verstarb vor 450 Jahren: Ladislaus Stuff – siebenbürgischer Arzt und Rektor der Universität Wien

Der Siebenbürger Dr. art., Dr. med. Ladislaus Stuff (1530-1570) war eine medizinische Kapazität im Wien des 16. Jahrhunderts. Er verstarb vor 450 Jahren, am 8. Mai 1570. Wir wollen hier seine Biografie und Bedeutung würdigen.
Die Tatsache dass es seit 1365 eine Universität in Wien gab, hat viele Wissbegierige aus dem damaligen Königreich Ungarn nach Wien gezogen. Dort konnte man sich das Wissen der damaligen Zeit aneignen. Es wurden Geistliche, Anwälte, Ärzte ausgebildet. Das Wien des 16. Jahrhunderts hatte viele beachtenswerte Ärzte. Eine dieser Persönlichkeiten war der aus Siebenbürgen stammende Ladislaus Stuff. Geboren in Kelling etwa im Jahre 1530, zog er, nachdem er die höhere Schule in Hermannstadt abgeschlossen hatte, nach Wien, um dort Medizin zu studieren. 1549 wurde Stuff an der Wiener Universität immatrikuliert. Von 1549 bis 1551 belegte er verschiedene Fächer und erreichte den akademischen Grad eines Magisters der freien Künste. Am 11. März 1551 bestand er die Befähigungsprüfung für die Wiener Medizinische Fakultät. Dennoch zog er nach Padua, um den Grad eines Doktors der Medizin zu erreichen. Padua war zu jener Zeit eine der angesehensten Universitäten Europas, mit der damals wohl fortschrittlichsten medizinischen Fakultät, geprägt von Berühmtheiten wie Giovanni Battista di Monte (1598-1551), der den ersten Unterricht am Krankenbett vornahm. Ladislaus Stuff studierte von 1551 bis 1553 in Padua u. a. bei Giralamo Francastoro (1477-1553), der Arbeiten über Syphilis verfasste. Als Professoren der Anatomie wirkten dort Realdo Colombo (1516-1559) und der berühmte Gabriele Fallopio (1523-1562), die am „Theatrum Anatomicum“ den Aufbau des menschlichen Körpers an leblosen menschlichen Körpern lehrten.

Am 18. September 1553 promovierte Stuff in Padua zum Doktor der Medizin. Darauf hat in jüngerer Zeit erstmalig 1873 der ungarische Historiker Vilmos Fraknoi aufmerksam gemacht, als er die Matrikeln der Universität Padua studierte: In einem Brief an Georg Daniel Teutsch teilt er mit, welche Siebenbürger an der Universität Padua studiert hatten. Einer davon war „Ladislaus Stuff aus Siebenbürgen“. Die Matrikel der Universität vermerkte aber nur, dass er „Transsylvanus“ gewesen sei, der Beiname „Kellinckensis“, der sich auf seinen Geburtsort Kelling bezieht, kommt hier nicht vor. Zurück aus Padua, praktizierte Ladislaus Stuff als Arzt in Wien und stellte am 14. August 1554 den Antrag, in die Wiener Medizinische Fakultät aufgenommen zu werden. Am 23. Februar 1555 wurde er tatsächlich Mitglied des Lehrkörpers. Durch seine Tätigkeit als Arzt in Wien erreichte er bald hohes Ansehen. Dieses begünstigte, dass er am 14. April 1555 zum Vorsitzenden (Procurator) der Vereinigung der „Studenten ungarischer Nation“ an der Universität Wien gewählt wurde. In seiner ersten Amtszeit als Procurator studierten 24 Studenten ungarischer „Nation“ in Wien. Unter den Studenten waren zwei Hermannstädter: Sebastian List, Nicolaus Woll. Auch Nicolas Olahus, der spätere Erzbischof von Gran, ein gebürtiger Hermannstädter Rumäne, fungierte als zahlendes Mitglied.
Ladislaus Stuff in der Ehrentafel der Universität ...
Ladislaus Stuff in der Ehrentafel der Universität Wien eingetragen zum Jahr 1566
Am 19. April 1558 wurde Ladislaus Stuff zum Dekan der Medizinischen Fakultät Wien gewählt. In seiner Amtszeit als Dekan vermerkt er in das Fakultätsregister unter anderem, dass er gebürtiger Siebenbürger aus Kelling sei, was aus dem Register seiner Ankunft in Wien von 1549 und aus anderen Registern nicht ersichtlich ist. Stuff nennt sich hier erstmals „Kellinckensis Transsylvanus“. Im dritten Band des Acta Facultatis Medicae (AFM) der Uni Wien auf Folio 218 a vermerkte Stuff das eigenhändig. Der Universitätsarchivar der Uni Wien, Dr. C. Schrauf (1835-1904), sollte dieses erst am Ende des 19. Jahrhunderts feststellen.

Ladislaus Stuff wurde insgesamt sieben Mal zum Procurator der Studenten ungarischer Nation gewählt; in den Jahren 1555 und 1561 bis 1566 hatte er diese Funktion inne. Das zeugt von seinem organisatorischen und auch politischen Talent. Dies Talent ebnete ihm dann wohl auch den Weg zum höchsten Universitätsamt: Im Jahre 1566 wurde er zum Rektor der Universität Wien gewählt. An der Ehrentafel der Universität Wien ist das nachzulesen.

Seine Tätigkeit beschränkte sich nicht nur auf die Verwaltung, die Lehre und auf die Ausübung seines Arztberufes. Im Zeitraum vom 9. Februar 1565 bis 22. April 1567 hatte er auch das Amt des Apotheken-Visitators von Wien inne. In dieser Zeit sammelte er Daten für ein Manuskript, das die Menge der zu verabreichenden Arzneien für die verschiedenen Krankheiten beinhalten sollte. 1567 verfasste er dazu ein Buch mit Titel: „Index simplicium et compositorum Medicaminum“, auch Dispensatorium genannt. Diese von ihm verfasste Schrift sollte eigentlich rasch veröffentlicht werden. Doch aus Mangel an Konsens mit seinen Arztkollegen kam es zu seinen Lebzeiten nie zum Druck. Wieso es zu diesem Dissens der Ärzteschaft in Wien kam, bleibt im Dunkeln. War es die „ausländische“ Herkunft des Verfassers? War es der kollegiale Neid? War es ein medizinischer Richtungsstreit derer von „Wien“ mit denen aus „Padua“? War es ein Affront gegen den bekennenden Protestanten Stuff? Wir wissen es nicht.
Testament von Dr. art., Dr. med. Ladislaus Stuff ...
Testament von Dr. art., Dr. med. Ladislaus Stuff (1530-1570)
Seine beiden letzten Jahre war er von Krankheit gezeichnet. Magister Joannes Rucardus hatte die Rolle des Kommunikators der Medizinischen Fakultät Wien, was im vierten Band der Acta Facultatis Medicae Universitatis Vindobonensis, 1558-1604, Hg. L: Senfelder, 1908 wie folgt vermerkt ist: „Am 8. Mai 1570 starb unser geschätzter Kollege D. D. Ladislaus Stuff. – Die Beerdigungsrede im Stephansdom hielt Mag. Joannes Rucardus. Gott lebe lang!“ Am 8. Juli 1570, also drei Monate nach dem Tode Stuffs, wurde ebendieser Mag. Johannes Rucardus mit der Niederschrift des anzufertigenden Dispensatoriums beauftragt. Es wurden zwei Skripte erstellt, doch zur Drucklegung kam es nie mehr. Erst 1618 wurde eine Ausgabe eines dieser Skripte wiedergefunden.

Vor seinem Tod verfasste Ladislaus Stuff ein eindrucksvolles Testament. Das Original wird im Archiv der Universität verwahrt. Neben zutiefst religiösen Bekundungen im Angesicht des Todes setzt dieses Testament den einzigen Sohn, Matthäus Stuff (damals Professor an der juridischen Fakultät in Wien), zum Haupterben für das immerhin beträchtliche Vermögen ein. Ebenso werden die beiden noch in Siebenbürgen lebenden Schwestern bedacht.

Am 8. Mai jährt sich also der Todestag dieses aus Kelling in Siebenbürgen stammenden Arztes, Lehrers, Dekans und Rektors, dieses streitbaren Universitätspolitikers und Wissenschaftlers aus dem Wien der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts zum 450. Mal.

Josef Henning

Schlagwörter: Gedenken, Arzt, Stuff, Kelling, Wien Universität, Rektor, Padua, Geschichte, Medizin

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