14. Mai 2020

Teilung Europas vor 75 Jahren besiegelt

Bei der im Februar 1945 in Jalta stattgefundenen Konferenz der späteren Siegermächte des Zweiten Weltkriegs wurde die fast 50 Jahre andauernde Teilung Europas in eine freie westliche Hälfte und einen kommunistisch dominierten Osten beschlossen. Diese Entscheidung hatte für Rumänien, die dort lebenden Deutschen und damit auch die Siebenbürger Sachsen verheerende Auswirkungen.
Churchills Zettel, auf dem er die Aufteilung ...
Churchills Zettel, auf dem er die Aufteilung Europas in Einflusssphären skizzierte.
Zur Konferenz von Jalta (auch Krim-Konferenz genannt) trafen sich Franklin D. Roosevelt (USA), Winston Churchill (Großbritannien) und Josef Stalin (UdSSR) vom 4. bis 11. Februar 1945; es war das zweite von insgesamt drei alliierten Gipfeltreffen der „Großen Drei“ im bzw. nach dem Zweiten Weltkrieg. Zu den Themen der Konferenz gehörte die Machtverteilung in Europa nach dem Ende des Krieges.

Generalissimus Stalin forderte bei dem Treffen für die Sowjetunion zusätzliche Sicherheiten: Die besetzten Länder in Mitteleuropa und dem Baltikum sowie praktisch der ganze Balkan sollte einen Sicherheitsring von Satellitenstaaten um die Sowjetunion bilden. Darauf gingen Churchill und Roosevelt nur teilweise ein.

Die Einflusszonen in Südosteuropa hatten Stalin und Churchill bereits auf ihrer Moskauer Konferenz im Oktober 1944 in informeller Weise geklärt; die formale Entscheidung erfolgte in Jalta. Churchill hatte in Moskau auf einem unscheinbaren Zettel seinen Vorschlag zur Aufteilung in Einflusssphären notiert. Mit einem blauen Stift zeichnete Stalin den Vorschlag des britischen Regierungschefs ab. Churchill schrieb später in seinen Memoiren, er habe vorgeschlagen, das Papier zu vernichten, weil es die Nachwelt als zynisch erachten könnte, wie sie über das Schicksal von Millionen Menschen entschieden hätten. Doch Stalin hatte diese Sorge nicht. Er riet seinem Gesprächspartner, das Dokument aufzubewahren, was Churchill auch getan hat. Der nachträglich angebrachte Stempel „W.S.C.“ im Kreis ist die Kennzeichnung des Churchill-Archives im britischen Cambridge. Dass es derselbe Churchill war, der wenige Jahre später bei einem Vortrag in Zürich erstmalig den Begriff des „Eisernen Vorhangs“ als Sinnbild der Teilung Europas verwendete und die Einheit des Kontinents beschwor, hat eine gewisse politische Brisanz.

Für Rumänien wurde der Einfluss der Sowjetunion auf 90 Prozent festgelegt, die verheerenden Konsequenzen für das Land und seine Bevölkerung sind allseits bekannt: baldige Machtübernahme durch die Kommunisten, Verfolgung Andersdenkender, Nationalisierung der Industrie sowie Kollektivierung der Landwirtschaft und vieles mehr. Die deutsche Bevölkerung des Landes hatte nicht nur unter diesen Maßnahmen zu leiden, sondern auch durch die spezifische Verfolgung und Entrechtung wegen der pauschalen Einstufung als Anhänger des Dritten Reiches.

An diese folgenschweren Entscheidungen vor 75 Jahren wurde in den vergangenen Monaten kaum erinnert. Und noch wichtiger als die Erinnerung sind Überlegungen, wie der territorialen Expansion einzelner Staaten Einhalt geboten werden und das Recht auf Selbstbestimmung der Länder und Völker gesichert werden kann.

Die Spaltung Europas wurde mit der 1990 unterzeichneten „Charta von Paris“ für beendet erklärt. Dass mit einer solchen Erklärung nicht der „ewige Frieden“ angebrochen ist, haben unter anderem die kriegerischen Auseinandersetzungen im ehemaligen Jugoslawien und in der Ukraine gezeigt. Rumänien hingegen ist als Mitglied der EU und NATO zu einem Stabilitätsfaktor in Südosteuropa geworden.

uk

Schlagwörter: Zweiter Weltkrieg, Zeitgeschichte, Europa

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