4. Januar 2026

Feierstunde im Siebenbürgischen Museum: Peter Jacobi gibt Einblick in seine Arbeit

Am ersten Advent fand im Siebenbürgischen Museum in Gundelsheim am Neckar eine besondere Feierstunde statt. Der Bildhauer und Fotograf Peter Jacobi war am 11. November 90 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass fand man sich vor interessiertem Publikum im Museum zu einem Künstlergespräch zusammen.
Peter Jacobi (links) und Dr. Markus Lörz in ...
Peter Jacobi (links) und Dr. Markus Lörz in Gundelsheim. Foto: © Peter Lahr
2024 hatte Peter Jacobi dem Siebenbürgen-Institut an der Universität Heidelberg und dem Siebenbürgischen Museum einen Großteil seiner über Jahrzehnte zusammengetragenen Fotosammlung geschenkt. 2025 folgten als Schenkung an das Museum unter anderem großformatige Abzüge eigener fotografischer Arbeiten aus seiner bekannten Serie „Bilder einer Reise: Wehr- und Kirchenburgen – Stillleben nach dem Exodus“, die auch in zwei Bildbänden erschienen sind. Ein weiterer Anlass für die Veranstaltung war in gewisser Weise ein trauriger. Die Heimatortsgemeinschaft Holzmengen e.V. mit Sitz in Tübingen hat sich aufgelöst und das Siebenbürgische Museum sozusagen als Erben des Vereinsvermögens von 2500 Euro bestimmt. Daher waren auch zahlreiche Mitglieder der HOG zur feierlichen Übergabe nach Gundelsheim gekommen.

Museumsleiter Dr. Markus Lörz begrüßte die Anwesenden, allen voran den Jubilar. Er beglückwünschte Peter Jacobi, dass dieser nun 90 Jahre „jung“ geworden sei. „Ich sage dies bewusst,“ so Dr. Lörz, „denn ich kenne wenige Neunzigjährige, die mit so viel Elan noch am Werk sind wie Sie. Dies macht mir große Hoffnung, dass wir uns in zehn Jahren zu Ihrem Hundertsten hier wieder zusammenfinden werden.“

Er stellte in seinen einleitenden Worten die außergewöhnlich großzügige Schenkung Peter Jacobis heraus, die mit einer Kabinettausstellung, die noch bis zum 15. März 2026 zu sehen ist, gewürdigt wird und lud zu deren Besichtigung im Anschluss ein. Dr. Lörz betonte aber auch, dass in den vergangenen zwölf Monaten das Museum ebenso von anderer Seite viel Unterstützung erfahren habe, unter anderem vom Förderverein des Museums und vielen privaten Spenderinnen und Spendern. Eine besondere Spende stelle dabei jene der Heimatortsgemeinschaft Holzmengen dar. Trotz des traurigen Anlasses verwies der Museumsleiter darauf, dass diese eine hoffnungsvolle und großzügige Geste sei, die Vorstand und Team des Museums mit großem Dank erfülle und großes Vertrauen in die Arbeit des Museums widerspiegele.

Für die HOG Holzmengen trat daraufhin Hans Thellmann ans Mikrofon und überbrachte Grußworte. Er betonte die Freude darüber, dass das Geld einem guten und sinnvollen Zweck zufließe. Im Siebenbürgischen Museum werde das siebenbürgisch-sächsische Kulturerbe für die Zukunft bewahrt und weitergetragen. Man sei daher froh, die so wichtige Arbeit dieser musealen Institution mit der Geldspende unterstützen zu können.

Museumsleiter Dr. Lörz informierte, dass das Geld unter anderem gebraucht werde, die vielen erwähnten Sachspenden dauerhaft zu konservieren und zu erforschen; darunter auch die vielen Hundert historischen Fotografien aus der Sammlung Peter Jacobis. In der Kabinettausstellung könne nur ein kleiner beispielgebender Querschnitt gezeigt werden. Zukünftig werde unter der Federführung des Siebenbürgen-Instituts jedoch der Bestand digital für die Forschung und Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Hierzu werde es am 15. März 2026 eine weitere Veranstaltung geben, in der die Geschäftsführerin des Siebenbürgen-Instituts, Dr. Ingrid Schiel, in das Digitalisierungsprojekt Einblick geben werde.

Daraufhin bat er Peter Jacobi aufs Podium. Zunächst gab der Jubilar in gewohnt charmanter und eloquenter Weise Einblick in die Motivationen und Inspirationen eines Lebens für die Kunst. Künstler zu sein, war in der geistigen Enge des kommunistischen Rumäniens für den jungen Peter Jacobi, der 1955 an der Kunstakademie in Bukarest sein Studium aufnahm, eine Möglichkeit frei zu sein, eigene Ideen ausleben zu können, den Repressalien, soweit eben möglich, zu entgehen und sich mit den Jahren von den Professoren, die teils linientreu Leninbüsten und dergleichen produzierten, abzusetzen. Er ging dabei auch auf die enge Zusammenarbeit mit seiner früheren Ehefrau, der 2022 verstorbenen Künstlerin Ritzi Jacobi, ein und wies auf die Qualität der gemeinsamen Textilarbeiten hin, zu denen auch „Romanica II“ von 1979 gehört, das 2022 die Tate Gallery of Modern Art in London erworben hat.

Nach der Ausreise 1970 in die Bundesrepublik Deutschland wurde die Erinnerungskultur die Leitthematik im Werk des Bildhauers. Bei seiner Auseinandersetzung mit dem Zweiten Weltkrieg kam ab 1979 mit der „Westwall“-Serie auch die Fotografie als eigenständiges Medium hinzu, wie er im Künstlergespräch darlegte. Von nun an waren beide Medien, die Bildhauerei und die Fotografie, feste Größen im Werk des Künstlers.

Danach rückte das Hauptwerk Peter Jacobis in den Mittelpunkt des Gesprächs, das 2009 eingeweihte, nationale Holocaust-Mahnmal Rumäniens in Bukarest. Der Künstler erwähnte in diesem Zusammenhang die von Dr. Markus Lörz kuratierte Ausstellung „Memoria. Denk- und Mahnmale des Bildhauers Peter Jacobi“, die sich 2022 diesem Werk im Siebenbürgischen Museum gewidmet hat. Er lobte explizit den Katalog zu dieser Ausstellung, in dem er seine Werke zur Erinnerungskultur in sehr treffender Weise vermittelt sieht. Museumsleiter Dr. Lörz bemerkte, dass auch beim Holocaust-Mahnmal in gewisser Weise die Fotografien Peter Jacobis eine Einheit mit seinen skulpturalen Arbeiten bilden, da die Monumentalität und die Vielschichtigkeit des Denkmalkomplexes erst durch die aus der Vogelschau von den umliegenden Gebäuden aufgenommenen Fotografien begreiflich werde.

Im nächsten Abschnitt des Gesprächs richtete sich der Fokus auf die Beschäftigung Peter Jacobis mit Siebenbürgen. Der Künstler gab hierzu den Anwesenden Einblick in seine Arbeit an „Bilder einer Reise: Wehr- und Kirchenburgen – Stillleben nach dem Exodus“, die als Beitrag zur Bewahrung der Erinnerung an das Vergangene sowohl künstlerischen, aber auch dokumentarischen Charakter besitzen. Nach einem Exkurs zu seiner jahrzehntelangen Beschäftigung mit Samuel von Brukenthal stand am Ende des Künstlergesprächs wieder die Fotosammlung im Mittelpunkt. Peter Jacobi berichtete darüber, wie er die Fotos über Jahrzehnte vor allem in Rumänien zusammengetragen hat und welche eigenen Arbeiten, inspiriert von diesen historischen Aufnahmen, entstanden sind. Allen voran ist hier „Das schöne bäuerliche Kleid der Städterin“ zu nennen, das die Hinwendung der rumänischen Oberschicht zur ländlichen Tracht in der Zwischenkriegszeit thematisiert.

So schloss sich der thematische Kreis und erschloss dem Publikum gleichsam, dass Fotografien für den Künstler Peter Jacobi sowohl Inspiration für eigene Arbeiten als auch künstlerisches Ausdrucksmittel selbst sind. Danach folgte man dem Jubilar ins Grafikkabinett des Museums, wo er zu dem einen oder anderen Foto Auskunft gab. So ging ein lehrreicher Nachmittag im Siebenbürgischen Museum zu Ende.

red

Schlagwörter: Peter Jacobi, Siebenbürgisches Museum, Gespräch

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