29. Dezember 2006

425 Jahre deutsches Theaterspiel in Siebenbürgen

Als Veranstaltung der Universität Babeş-Bolyai, Klausenburg, des Instituts für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, Tübingen, der Gesellschaft "Thalia Germanica" (Berlin, Lodz, Temeswar) und der Donauschwäbischen Kulturstiftung des Landes Baden-Württemberg fand vor kurzem die 7. Internationale Wissenschaftliche Tagung zum Thema "Alltag und Festtag im deutschen Theater im Ausland vom 17.-20. Jahrhundert. Repertoirepolitik zwischen Wunschvorstellungen der Kritik und des Publikums" statt.
Die Referenten, darunter bekannte Kulturwissenschaftler wie die beiden Organisatoren, Dr. Dr. h.c. Horst Fassel (Tübingen) und Prof. Dr. Rudolf Gräf (Klausenburg), kamen aus Deutschland, Österreich, Frankreich, England, Brasilien, Estland, Neuseeland, Tschechien, Serbien, Ungarn, Slowenien, aus der Slowakei und dem Gastgeberland Rumänien.
Die 29 wissenschaftlichen Referate gliederten sich um vier große Themenkreise: „Besonderheiten des Musiktheaters“, „Wandertheater im 18. Jahrhundert“, „Stadttheater im 19. Jahrhundert“, „Deutsches Front- und Minderheitentheater im 20. Jahrhundert“. Auf dem Programm stand auch ein Besuch des Rumänischen Nationaltheaters.
Neue Forschungsbeiträge über das deutsche Theater in Siebenbürgen und im Banat brachten Dr. Szabolcs János-Szatmári, Großwardein („Vermittlung zwischen Zentrum und Peripherie im 18. Jahrhundert: Deutsche Wandertruppen in Siebenbürgen und das Deutsche Theater in Hermannstadt“), Dr. Claus Stephani, München („Volkstümliches Theater der Zipser Sachsen im nordsiebenbürgischen Oberwischau. Aspekte der Wandlung lokaler Identität und Tradition“), Dr. Nora Tarr, Klausenburg („Deutsches Kindertheater des 18. Jahrhunderts in Siebenbürgen“), Prof. Dr. Eleonora Pascu („Repertoiregestaltung am Deutschen Staatstheater Temeswar zu Beginn des 21. Jahrhunderts“) und Prof. Dr. Alexandra Pavel („Ionesco-Rezeption in Siebenbürgen“).
Anlässlich der Klausenburger Tagung wurde in Hermannstadt eine umfangreiche Dokumentarausstellung „425 Jahre deutsches Theater in Hermannstadt, 50 Jahre DASS“ eröffnet und ein zweisprachiges, deutsch-rumänisches Begleitheft herausgebracht. In dieser informativen und aufschlussreichen Publikation mit zahlreichen, teils farbigen Illustrationen wird auf 47 Seiten die Geschichte des deutschen Theaters in Hermannstadt dargestellt.
Bereits 1573 gab es hier Aufführungen von Schulkomödien und 1582 ein Festspiel anlässlich des Friedenschlusses zwischen Stefan Báthory und dem russischen Großfürsten Iwan IV. auf dem Großen Ring. Achtzig Jahre später begannen dann – unter den Sachsengrafen Andreas Fleischer und Valentin Franck von Franckenstein – die neuhöfischen Schauspiele. Die 425-jährige Geschichte deutschen Theaterspiels in Hermannstadt endete schließlich nach der Aussiedlungswelle 1990.
Das grafisch ansprechend gestaltete Begleitheft "425 Jahre deutsches Theater in Hermannstadt, 50 Jahre DASS" (Preis: 5 Euro) kann beim Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde, Telefon: (0 70 71) 2 00 25 13, E-Mail, bestellt werden.

M. M.

(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 20 vom 20. Dezember 2006, Seite 13)

Schlagwörter: Tagung, Theater, Geschichte

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