22. Oktober 2018

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Österreichs Bundesehrenobmann Dr. Fritz Frank zum 95. Geburtstag

Konsulent Dr. Fritz Frank, Ehrenobmann des Bundesverbandes der Siebenbürger Sachsen in Österreich, hat am 15. September in Linz seinen 95. Geburtstag gefeiert. Bei der Feier im Kreise seiner großen Familie begrüßte der 1923 in Klausenburg geborene Jubilar unter den Gratulanten auch Vertreter des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Österreich. Dr. Fritz Frank amtierte von 1969 bis 1994 als Obmann der Landsmannschaft in Oberösterreich und ab 1988 ein Jahrzehnt lang als Bundesobmann in Österreich. Seitens der Bundesorganisation waren neben Bundesehrenobmann Pfr. Mag. Volker Petri die Bundesvorstandsmitglieder Mag. Rolf und Christine Morenz der Einladung gefolgt.
Die Landesorganisation Oberösterreich war vertreten durch die Obmann-Stellvertreter Dr. Christian Schuster und Konsulent Dietmar Lindert sowie durch Frau Traute Teutsch. Die Letztgenannten repräsentieren gleichzeitig auch die Nachbarschaften Wels und Traun, denen sich Dr. Frank jahrzehntelang besonders verbunden fühlte. Wer Fritz Frank in der Vergangenheit kennen lernen konnte und seine Umgebung erleben durfte, kann nachvollziehen, dass die Feier aus Anlass seines hohen Geburtstags ein Tag der Freude und tiefer Dankbarkeit war. In der Rückschau auf Erlebtes und Geleistetes schwingt Dankbarkeit mit, solches mit klarem Geist und körperlicher Unversehrtheit überstanden zu haben. In diesem Gedanken nahm die Familie den Jubilar mit auf eine Zeitreise der Bilder, die, zu einer Präsentation gestaltet, an den Buchstaben des Alphabets von A wie Anfänge (in Bistritz) bis Z wie zukünftige Generationen (Urenkel) entlang führte. Auf das für Fritz Frank prägende Siebenbürgisch-Sächsische ging Volker Petri in seiner Laudatio ein, die im Folgenden gekürzt wiedergegeben wird.

Dipl.-Ing. Reinhard Frank




Lieber väterlicher Freund! Heute blickst Du nun auf 95 Jahre zurück, auf ein erfülltes Leben mit wohl vielen Höhen und Tiefen. Dazu hast Du viele Gäste eingeladen, denn Du bist ein Gemeinschaftsmensch, zu dessen Selbstverständnis die Familie und Freunde dazugehören. Als evangelischer Christ bist Du Dir der Gnade bewusst, oder, wie Du es in Deiner Einladung selbst säkularer formuliert hast: „Das Schicksal hat es mit mir gut gemeint und mich ein hohes Alter erreichen lassen…!“. Du siehst Dein Leben und das Alter positiv, fühlst Dich beschenkt und willst heute diesen besonderen Augenblick bewusst, dankbar und freudig leben.

Deine Kindheit liegt in den bewegenden Jahren 1923-1937. Gott schenkte Dir einen wachen Geist, Menschenliebe, ein starkes Verantwortungsgefühl und eine fast unverwüstliche Vitalität, die Deinen Optimismus und positive Lebenshaltung bis heute nährt. Dr. Fritz Frank begrüßte bei seiner ...Dr. Fritz Frank begrüßte bei seiner Geburtstagsfeier in Linz die Gäste persönlich. Im Schatten der Folgen des Ersten Weltkrieges und der Weltwirtschaftskrise der 1930er-Jahre steht Deine Kindheit. Siebenbürgen, seit 1918 Teil des Königreiches Großrumänien, bringt bedrohliche Veränderungen für die Minderheiten. Im vielsprachigen Klausenburg war es klar, dass Dein Selbstverständnis sich von den Wurzeln herleitete und Deine Bistritzer Ahnen und Deine Eltern Identität schenkten. Du wirst und erlebst Dich früh schon als „Siebenbürger Sachse!“. Die „Rumänisierung“ setzt in Siebenbürgen der ungarischen und sächsischen Minderheit zu. Die Not schweißt unsere kleine Gemeinschaft zusammen. Als Teil dieser „selbstbewussten sächsischen Schicksalsgemeinschaft“ bist Du in Schule und Vereinen gut aufgehoben.

Höchstwahrscheinlich am Palmsonntag 1937 wird aus dem kleinen Fritz ein junger Knecht, ein Jugendlicher in neuer Verantwortung. Deine Konfirmation macht Dir bewusst, Teil der traditionsreichen Evangelischen Kirche Siebenbürgens zu sein, die auch Dir jenes bewahrende „Ein-feste-Burg-ist-unser -Gott-Verständnis!“ vermittelt. Ich denke, dieser Tag in der damals bewegten Zeit vermittelte Dir Deinen inneren Kompass und verband Dich mit dem Geist des christlichen Humanismus.

1937-1945 als Gymnasiast erlebst Du die Jahre des Umbruchs, der Begeisterung und der Faszination. Die politische Ohnmacht, die wirtschaftlichen Einbußen, die Ungerechtigkeit der deutschen Minderheit in Großrumänien verunsicherte. Schrittweise folgt jene Verwandlung. Aus uns provinziellen Siebenbürger Sachsen werden Volksdeutsche. Wir werden Teil der großen deutschen, kulturhistorischen und bald auch politischen Reichsgemeinschaft. Das erlebst Du als Jugendlicher, das fordert auch Dich heraus. Da Du de facto viersprachig aufwächst, zuhause wird sächsisch gesprochen, in der Schule deutsch und rumänisch und auf der Straße und in der Nachbarschaft eben ungarisch – jene Sprache die 1941 nach dem Wiener Schiedsspruch zur Staatssprache wird und die Du bei Deiner Matura im ungarischen Gymnasium ohne größere Probleme schaffst. Du aber sprichst nicht nur diese Landessprachen, sondern erkennst auch den Reichtum aller Traditionen bis heute.

Der furchtbare Zweite Weltkrieg zieht auch Dich in seinen gefährlichen Sog. Bald schon nach der Faszination, dem Aufbruch und den Siegen folgt die Ernüchterung. Du erlebst als junger Mensch das millionenfache Sterben, die unfassbare Zerstörung und Verrohung, persönlichen Verlust in Deiner Familie. Dem Größenwahnsinn der menschenverachtenden Diktatur folgt der Zusammenbruch. Als 23-Jähriger findest Du Dich im geschundenen Europa wieder, erblickst die zu Schutt und Asche zerbombten Städte. In der Schar der Millionen deutschen Flüchtlinge aus dem Osten befinden sich auch Deine Eltern und Landsleute, die im schwer gezeichneten Österreich Zuflucht finden.

1945-65 ergreifst Du die neue Chance, so wie viele Deiner Landsleute. Du arbeitest Dich empor vom Kesselschmied, an welchen Deine Schwerhörigkeit erinnert, zum Studenten der Rechte und erwirbst in Graz den Doktor der Rechte. Wieder hilft Dir Dein Optimismus, Deine Vitalität und Disziplin. Du heiratest Deine liebe Frau, gründest eine Familie und findest in der VOEST eine adäquate Anstellung. Und Du gibst alles – als Ehemann, wohl doch gestrenger Vater, als Jurist und vor allem auch als Mensch und Christ.

1965-95: Immer stärker wird Dir bewusst, „Heimat verloren und neue Heimat“ gefunden zu haben. Deine Landsleute hast Du nie vergessen! Du bist auch ein öffentlicher Mensch und Mitchrist, ein christlicher „homo politicus“, einer, der sich einbringt, für die Anderen stark macht, vorangeht. Dein Engagement und Deine Liebe begleiten Deine Landsleute von Anfang an, schon 1947 beim ersten Stefan-Ludwig-Roth-Treffen in der „Zellwolle“ Lenzing. Nie hast Du Deine Verantwortung für Deine „siebenbürgischen Nächsten“ abgelegt. Mit ganzem Einsatz, mit viel Phantasie und Liebe formst und begleitest Du unsere Vereine zunächst hier in Oberösterreich, danach als Bundesobmann. Deine Nächstenliebe hat nicht nur die hier lebenden Siebenbürger Sachsen im Blick, sondern viel mehr sind Dir auch die in vielfacher Not, in der alten Heimat Lebenden ein Anliegen. Du gehst prägend und unbeirrt den Weg mit unserer Gemeinschaft im Geiste vertrauter christlicher Nachbarschaftsordnungen. Auch diese haben neben Fleiß, Verlässlichkeit und Einsatz von Anfang an unsere Integration in Österreich gelingen lassen.

Nun hast Du jene Altersweisheit erreicht, von der die Chinesen sagen, dass sie „im Ausschalten der unwesentlichen Dinge“ besteht. Nach langen und erfüllten Ehejahren hast Du Deine liebe Elfriede zunächst mitbetreuen und danach Dich von ihr verabschieden müssen. Nun gehst Du Deinen Weg einsamer und bedächtiger, jedoch aktiv und begleitet. Auch Deiner Krankheit, die Dich sichtbar gezeichnet hat, stellst Du Dich mutig, bewusst und gefasst. Du weißt Dich getragen, darfst auf ein erfülltes Leben in lebendiger Gemeinschaft blicken und Deine „Dankbarkeit heute ist eine Liebeserklärung an Dein reiches, gesegnetes Leben“.

Schlagwörter: Frank, Bundesobmann, Österreich, Oberösterreich, Linz, Bistritz, Jubilar, Volker Petri, Laudatio

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