13. November 2011

Gedenken an alle Opfer von Gewalt und Terror

Auch in diesem Jahr wurde Mitte Oktober beim „Studentendenkmal“ in Marienburg in einer Gedenkfeier an den Kronstädter Stadtrichter Michael Weiß und an die Burzenländer Sachsen erinnert, die am 16. Oktober 1612 im Kampf gegen den Fürsten Gabriel Báthory ihr Leben verloren.
Etwa 60 Personen beteiligten sich an der Feier, die traditionsgemäß von dem Demokratischen Forum der Deutschen im Kreis Kronstadt (DFDKK), der Kronstädter Evangelischen Stadtpfarrgemeinde A.B. (Honterusgemeinde) und dem Johannes-Honterus-Gymnasium veranstaltet wird. Der offizielle Teil am Denkmal, mit Ansprachen und Kranzniederlegungen, wurde von der Burzenländer Blaskapelle unter der Leitung von Vasile Glăvan eröffnet. Der Dechant des Kronstädter Kirchenbezirks, Pfarrer Christian Plajer, dankte in einem Gebet für unsere heutige Freiheit und gedachte aller Menschen, die unter Diktaturen leiden müssen. Der DFDKK-Vorsitzende Wolfgang Wittstock begrüßte die Teilnehmer und richtete einen Dank an jene, die die Gedenkfeier vorbereitet hatten. Zwei Schülerinnen des Honterus-Gymnasiums, Ioana Motoc und Letiţia Pârcălăbescu, lasen in Deutsch und Rumänisch einen Text vor, der die historischen Ereignisse rund um den 16. Oktober 1612 und deren heutige Bedeutung als „Gedenktag der Burzenländer Sachsen“ zusammenfasste.
Ioana Motoc, Letiţia Pârcălăbescu, ...
Ioana Motoc, Letiţia Pârcălăbescu, Pfarrer András Pál, Dechant Christian Plajer und der Kreisforumsvorsitzende Wolfgang Wittstock (von rechts nach links) bei der diesjährigen Gedenkfeier am Studentendenkmal in Marienburg. Foto: Richard Sterner
Es folgte ein musikalischer Gottesdienst in der evangelischen Kirche in Marienburg, die leider nur noch sehr selten von so vielen Gästen besucht wird. Die Kirchenchöre aus Honigberg (Leitung: Diana Bâldea) und Zeiden (Leitung: Klaus Dieter Untch) erfüllten das schöne, jedoch reparaturbedürftige Gotteshaus mit ihrer Musik. Die Predigt wurde von Bezirksdechant Plajer, die Liturgie von Pfarrer András Pál gehalten. Beim anschließenden Beisammensein im Marienburger Gemeindesaal hielt der Historiker Thomas Şindilariu einen Vortrag zum Thema „Der Deutsche Orden und das Burzenland“. Erfreulich für die traditionellen Teilnehmer war auch die Anwesenheit – beim Gottesdienst und beim Vortrag – der Jugendgruppe der Schwarzen Kirche, die ihre wöchentliche Jugendstunde diesmal in Marienburg hielt. Eine Überraschung war zudem die Präsenz Katharina Gräfs aus Heldsdorf, der Tochter des Architekten, nach dessen Plänen das Denkmal im Jahre 1913 errichtet worden war.

Zum Schluss noch einige Bemerkungen: Bekanntlich wird bei den jährlichen Veranstaltungen am Studentendenkmal „nicht nur“ an die Opfer von Krieg und Diktatur aus den Reihen der Siebenbürger Sachsen erinnert, sondern „allen Opfern von Terror und Gewaltherrschaft“ gedacht, wie die Ansprachen hervorheben. Es ist zu bedauern, dass Jahr für Jahr gerade dieses „Mahnmal gegen Gewalt“ mutwillig beschädigt wird und in den Wochen vor der Gedenkfeier immer von Neuem gereinigt und provisorisch repariert werden muss. Zudem würde man sich vielleicht auch eine regere Teilnahme – gerade an den Feierlichkeiten am Denkmal – aus den Reihen der Honterus-Schüler wünschen. Denn, wie in jedem Jahr erneut betont wird (und im „Beinamen“ des Denkmals festgehalten ist), fielen 1612 auch „Studenten“ des Honterus-Gymna­siums, junge Bürger des Burzenlands, die für die Freiheit ihrer Heimat ihr Leben verloren. Ihr Gedenken sollte gerade von Gleichaltrigen intensiver verteidigt werden.

Am 16. Oktober 2012 jährt sich die Schlacht bei Marienburg zum 400. Mal. 2013 erfüllt sich ein Jahrhundert seit der Errichtung des Mahnmals. Die Gedenkfeiern bleiben dabei ein wichtiges Zeichen dafür, dass die Geschichte des Burzenlands nicht vergessen wird.

Christine Chiriac

Schlagwörter: Marienburg, Gedenken, Burzenland

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