19. November 2011

Chinesische Investoren und mehr Touristen in Freck

Seit drei Jahren amtiert Arnold G. Klingeis als Bürgermeister von Freck. Unter seiner Führung versucht die Kleinstadt im Alttal, sich als ökologische Vorzeigegemeinde zu profilieren.
Die Stadt beteiligt sich an mehreren EU-Projekten. Derzeit wirbt Klingeis um chinesische Investoren. Gleich zwei Wirtschaftsdelegationen aus Fernost haben sich für Ende Oktober bzw. Anfang November in Freck angekündigt. Diesen Terminen gingen fast zwölf Monate Vorbereitungszeit voraus, erzählt der erst 31-jährige Politiker. Erst Ende September reiste Klingeis selbst in einer rumänischen Delegation nach China. Ziel der Reise war die Anbahnung von wissenschaftlichen und wirtschaftlichen Partnerschaften auf dem Gebiet der erneuerbaren Energien.

Die Brukenthal’sche Sommerresidenz in Freck ...
Die Brukenthal’sche Sommerresidenz in Freck möchte Bürgermeister Arnold Klingeis zu einem Touristenmagneten entwickeln. Foto: Holger Wermke
Die Gespräche kreisten um Fragen wie Abfallentsorgung und die Produktion von Energie aus alternativen Quellen. Klingeis warb besonders für das von ihm angestoßene Projekt „Local Energy“ in Freck/Avrig. Bis 2030 – so der ehrgeizige Plan – möchte er die 13000 ­Einwohner zählende Stadt unabhängig von herkömmlichen Energien machen, und setzt auf Photovoltaik, Biomasse und Wasserkraft. Der Masterplan einer Bukarester Universität liegt bereits vor. Der Bürgermeister rechnet mit Gesamtkosten von 50 Millionen Euro. Um die notwendigen Investitionen zu stemmen, braucht Klingeis finanzkräftige Partner. Möglicherweise gelang in China ein erster Durchbruch. Zumindest berichtet er sichtlich erfreut über die Unterzeichnung einer Absichtserklärung mit Vertretern des Unternehmens Dahzeng Solar Photoelectric Equipment Manufacture. Der Hersteller von Photo­voltaikanlagen sondiere die Möglichkeit, im Industriepark Mârşa zu investieren.

Bislang profitieren Klingeis und die Stadt hauptsächlich vom Marketingeffekt der zahlreichen EU-Projekte, an denen die Stadt ­teilnimmt oder teil genommen hat. Mit EU-Geldern wurden 2008 bis 2010 ein Energie-Masterplan erstellt sowie verschiedene Teilstudien. Ebenfalls mit europäischen Mitteln pflanzte die Stadt testweise vier Sorten Elefantengras, die zur Energieproduktion genutzt werden können. Außerdem hat Freck eine Führungsrolle im Projekt „Urban Energy“, einem europäischen Wissensaustausch von neun Städten. Auf die grüne Karte zu setzen, liegt für Klingeis auf der Hand. Alte Industriebetriebe, wie die Munitionsfabrik oder die einstige Kaserne sind abgewickelt. Neue Ideen müssen her. Erneuerbare Energien stehen vor einer großen Zukunft in Rumänien, ist er sich sicher. Und er möchte mit Freck ganz vorn dabei sein.

Holger Wermke

Schlagwörter: Siebenbürgen, Freck, Tourismus, Wirtschaft

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