15. Januar 2015

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Botschafter des guten Willens - Dr. Franz Schullerus zum 80. Geburtstag

Dr. Franz Reimer Schullerus, Fachtierarzt für Lebensmittelhygiene a.D., feierte am 3. Januar seinen 80. Geburtstag. 1935 in Brezoi geboren, wuchs er in Hermannstadt auf. Nach dem Studium der Tiermedizin in Klausenburg, das er 1973 mit der Promotion abschloss, arbeitete er in diesem Beruf bis zu seiner Ausreise nach Deutschland im August 1979. Im Staatlichen Tierärztlichen Untersuchungsamt Stuttgart wirkte Schullerus im Höheren Dienst bis zu seiner Pensionierung im Jahre 2000. Eine Reihe wissenschaftlicher Veröffentlichungen in der Fachpresse fallen in diese Zeit. 2006 wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande ausgezeichnet.
Durch einen Fernsehbericht erfuhr Dr. Franz Schullerus Anfang des Jahres 1999 von den humanitären Aktivitäten des Freistaates Bayern und der „Bayerischen Kinderhilfe Rumänien“ e.V. und bot seine Mithilfe bei der Verbesserung der Lebensbedingungen der 200 schwerstbehinderten Jungen und Mädchen im Zentrum Păstrăveni, aber auch der Bevölkerung des Ortes Păstrăveni an. Schon nach einem Jahr seines Wirkens stellten sich nicht unerwartete Erfolge ein. Man kann ohne Übertreibung feststellen, dass er die Landwirtschaft im Pilotzentrum Păstrăveni revolutioniert hat. Seit Dr. Schullerus die Leitung der Landwirtschaft mit den Bereichen Ackerbau, Viehzucht, Obst- und Gemüseanbau, die Lagerung und Bevorratung von Lebensmitteln und die Herstellung von gesunder Gemeinschaftsverpflegung übernommen hat, geht es den Betreuten sichtbar besser. Die von ihm dort aufgebaute und stetig erweiterte biologische Landwirtschaft und Tierzucht ist ein Stützpfeiler der Einrichtung. Sie leistet Enormes zur Selbstversorgung mit frischem Gemüse und Getreide, mit Futter für die vielseitige Viehzucht.

Genauso wichtig war aber, dass dadurch Arbeitsplätze für die mittlerweile jugendlichen Heimbewohner geschaffen wurden. Entsprechend ihren Fähigkeiten finden diese in den verschiedenen Bereichen sinnvolle und lebenserfüllende Aufgaben. Die Arbeitsplätze sind gleichzeitig auch Therapieplätze. Nicht wenige haben bereits in der täglichen Arbeit in den Gemüsebeeten, auf den Feldern oder mit den Tieren eine erfüllende Aufgabe gefunden.

Diese großen Erfolge waren nur möglich, weil Dr. Schullerus sehr oft mit dem eigenen Pkw nach Rumänien gefahren ist und viele Wochen ehrenamtlich im Zentrum gearbeitet hat. Die Strapazen, die mit so einer mehr als 1800 km langen Reise, früher oft unterbrochen von langen, sinnlosen Wartezeiten an den Grenzen, verbunden waren, kann nur ermessen, wer selbst einmal mit dem Auto von Bayern in die Moldau gereist ist. Es waren aber nicht nur Entbehrungen und Gefahren einer so langen Reise jenseits der Karpaten, die den Erfolg des Projektes in Gefahr brachten. Es bedurfte unbeschreiblicher Geduld, die Mitarbeiter und die heranwachsenden Behinderten zu motivieren, anzuleiten und zu erreichen, dass diese auch dann weiter engagiert arbeiteten, wenn er nach Deutschland abgereist war.

Er bedauert es zutiefst, dass sein Gesundheitszustand ihm derzeit nur noch ganz selten Reisen mit dem Flugzeug nach Păstrăveni erlaubt, um „seinen Kindern“ zur Seite zu stehen. Die Verantwortlichen vor Ort haben in den zurückliegenden über 15 Jahren aber tüchtig von ihm gelernt und können nunmehr auch ohne seine regelmäßige Präsenz beste Ergebnisse erzielen. Es gibt ja ein Telefon, mit dem man Dr. Schullerus stets um Rat fragen kann.

Das Behindertenzentrum Păstrăveni genießt bei den Verantwortlichen in Rumänien ein sehr hohes Ansehen und wurde durch die Regierung in Bukarest als mustergültiges Modellprojekt eingestuft. Für den landwirtschaftlich-wirtschaftlichen Bereich fällt der Verdienst dafür Dr. Schullerus zu. Dr. Franz Schullerus gehört zu den stillen Menschen im Lande, die kein Aufheben von sich machen. Er besitzt eine menschliche Größe, die zum Nachdenken bringt. Wie sonst könnte dieser Mann, der selbst und seine Familie von den Rumänen während der kommunistischen Ära so viel Leid erfahren hat, nunmehr ohne Grimm im Herzen sein Wissen und Können und nahezu seine gesamte Freizeit einsetzen, um den jungen Rumänen auf dem Weg in ein besseres Leben, auf dem Weg in die europäische Gemeinschaft, mit vollem Einsatz zu helfen. Er hat sich als Botschafter des guten Willens für Bayern und für Deutschland sehr, sehr verdient gemacht.

Uwe Fabritius

Schlagwörter: Jubilar, Geburtstag, Soziales, Landwirtschaft

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