1. Januar 2019

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Trostteddys sorgen für Freude in Siebenbürgen

Maria hat leuchtende Augen, pechschwarze Locken und wird aufgrund der wunderbaren Naivität einer Heranwachsenden schnell zur Sympathieträgerin. Aber die zwölfjährige Maria hat auch jede Menge Probleme. So kann sie zurzeit die Schule im siebenbürgischen Katzendorf nicht besuchen, denn sie muss ganztägig auf ihre vielen Geschwister aufpassen. Ihre Mutter ist im Krankenhaus und bekommt weiteren Nachwuchs. Der Vater ist gerade nicht da.
Gern besucht das Mädchen den evangelischen Pfarrhof und hat sich dort mit der derzeitigen Dorfschreiberin Dagmar Dusil angefreundet. Frau Dusil, die aus Siebenbürgen stammt und seit 1985 in Deutschland lebt, schreibt gerade ein Buch über das gegenwärtige Leben in diesem Ort. Sie spürt die hier fassbare Entschleunigung und genießt die Begegnungen mit der hiesigen Bevölkerung. Dagmar Dusil (links), zurzeit Dorfschreiberin im ...Dagmar Dusil (links), zurzeit Dorfschreiberin im siebenbürgischen Katzendorf, verteilt Trostteddys an Maria (rechts) und ihre Geschwister. Katzendorf ist geschichtsbeladen. Deutsche Siedler gründeten den Ort. Später kamen Rumänen, Szekler und vor allem Roma hierher. Diese Ethnie bildet längst die Mehrheit im Dorf. Und Maria ist eine davon. Sie wohnt in der „Tziganie“ und lud im September die warmherzige und verständnisvolle Dorfschreiberin von weither in ihre nahe und doch so ferne Welt ein. Auf dem Weg dorthin prallen Welten aufeinander. Einige aufgehübschte Fassaden zeugen vom einstigen Glanz der siebenbürgischen Sachsenhöfe. Gefühlte zwei Minuten später wird es lebhaft. Kinder strömen aus allen Himmelsrichtungen heran. Sie fragen nach Teddys.

In Windeseile hatte es sich herumgesprochen, dass diese Knuddeltiere in der abseits gelegenen Siedlung angekommen sind. Einige wurden bereits verteilt. In der „Tziganie“ ist es eng, stickig, Plastikmüll liegt überall herum. Schiefe Bretter-Behausungen prägen das Bild. Wasser gibt es nicht, Strom wird über abenteuerliche Leistungen irgendwie herangeschafft. „Dass so etwas im 21. Jahrhundert in der Europäischen Union möglich ist“, empört sich die ansonsten so souverän wirkende Dorfschreiberin. Vor Marias Hütte bleibt endlich Zeit zum Verschnaufen. Knuddelbären der Deutschen Teddy-Stiftung ...Knuddelbären der Deutschen Teddy-Stiftung erreichen Kinder der Romasiedlung im siebenbürgischen Katzendorf. Fotos: Roland Barwinsky Trostteddys erreichen nun in der brachialen Trostlosigkeit die richtigen Adressaten. Schockstarre stellt sich ein. Besonders beim Blick in die Behausung von Marias Familie. Ein winziger Raum für ein Dutzend Menschen! Erschreckende Bilder nicht aus dem Fernsehen, sondern aus Nahdistanz. Man kann jetzt den Stecker nicht einfach umlegen. Dagmar Dusil wird dieser aufwühlenden Begegnung mit der mit der uns so fremden, anderen Welt in ihrem Dorfschreiberbuch ein extra Kapitel widmen.

Stofftiere der Deutschen Teddystiftung schafften es auch an andere Orten Siebenbürgens wie Schellenberg, Rothberg, Wurmloch, Hetzeldorf und Großau. Leider weigerte sich das Waisenhaus in Hermannstadt diese Spende unbürokratisch entgegenzunehmen. Eigentlich schade. Denn gerade dort wäre es auch angebracht gewesen. Im Kindergarten von Katzendorf kamen ebenfalls ...Im Kindergarten von Katzendorf kamen ebenfalls Teddys an.

Stichwort

Die Deutsche Teddy-Stiftung möchte Kindern in Notlagen mit den süßen Stofftieren helfen. Diese Bären sind für kleine Kinder nicht nur Spielzeug, sondern wichtige Trostspender. In Notsituationen sollen die Kinder durch die Übergabe eines Teddybären abgelenkt werden. Ein negatives Erlebnis wie z. B. eine Verletzung oder die Trennung von den Eltern wird durch das Geschenk positiv überlagert und so kann eine Traumatisierung vermieden werden. Seit Gründung im Jahr 1998 konnten mehr als 100.000 Teddybären an Kinder in Not verteilt werden.

Roland Barwinsky

Schlagwörter: Kinder, Siebenbürgenhilfe, Roma, Katzendorf, Dagmar Dusil

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