30. Oktober 2021

Corona in Rumänien: „Drama furchtbaren Außmaßes“

Als „nationales Drama furchtbaren Ausmaßes“ bezeichnete Staatspräsident Klaus Johannis in einer Rede an die rumänische Bevölkerung die aktuelle Coronalage im Land, der Direktor der Impfkampagne, Valeriu Gheor­ghiţă, sprach von „Chaos in den Krankenhäusern“ und „Intensivstationen im Belagerungszustand“, in rumänischen Medien ist die Rede von einer „Apokalypse“ und „kriegsähnlichen Zuständen“.
Klaus Johannis (3. von links) nahm vergangene ...
Klaus Johannis (3. von links) nahm vergangene Woche am EU-Gipfel in Brüssel teil; ganz links die scheidende Bundeskanzlerin Angela Merkel. Foto:www.presidency.ro
Das Drama in Zahlen, wie es die Allgemeine Deutsche Zeitung für Rumänien (ADZ) am 27. Oktober meldete: 45.503 Covid-Tote, 16.765 Neuinfektionen, 20.637 Infizierte in den Spitälern, 479 von ihnen minderjährig, 1.867 Personen in intensivmedizinischer Behandlung. Die letzte Zahl ist insofern von Bedeutung, als Rumänien insgesamt nur über 1.668 Intensivbetten verfügt, wie unter anderem in der Süddeutschen Zeitung (SZ) zu lesen war. 30 schwerkranke Patienten wurden bereits nach Ungarn verlegt, auch Österreich nimmt Patienten aus Rumänien auf, das Nachbarland Moldau schickte Ärzte und medizinisches Personal, wie der Tagesspiegel berichtet. Auf Bitte der Regierung in Bukarest würden nun aus anderen EU-Ländern Intensivbetten, Beatmungsgeräte und Medikamente geliefert. Mit 19,01 pro eine Million Einwohner sei die Sterberate durch das Coronavirus in Rumänien weltweit am höchsten, errechnete das Portal ourworldindata.org.

Die Gründe sind vielfältig: Rumänien kämpft mit gefälschten PCR-Tests und Impfnachweisen und hat mit 35 Prozent die zweitniedrigste Impfquote in der EU, was zurückzuführen sei auf ein „völlig überfordertes Gesundheitssystem und starke Kräfte in der Gesellschaft, die vor negativen Folgen der Impfung warnen oder sie gar verteufeln“, so die SZ, die zudem die „schlechte Regierungsarbeit“ als Ursache angab und vorrechnete: „Seit 2012 gab es 17 verschiedene Premiers, 13 verschiedene Regierungen und Dutzende Ministerwechsel“. Zurzeit regiert der gestürzte Premier Florin Cîţu kommissarisch mit eingeschränkten Befugnissen.

Staatspräsident Klaus Johannis schickte als erste Maßnahme Schüler und Lehrer in zweiwöchige Ferien, weil die Ansteckungsgefahr in Schulen besonders hoch ist, verhängte zudem wieder eine allgemeine Maskenpflicht, die erst im späten Frühling aufgehoben worden war, und ordnete eine nächtliche Ausgangssperre an; im Moment dürfen nur geimpfte Personen in den Nachtstunden außerhalb ihrer Wohnungen unterwegs sein.

dr

Schlagwörter: Rumänien, Corona, Gesundheit, Politik, Gesellschaft

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