Besuch im Banat: BdV-Präsident Stephan Mayer und Stiftungsratsvorsitzender Hartmut Koschyk im Gespräch mit deutscher Minderheit
Temeswar – Der Präsident des Bundes der Vertriebenen (BdV) Stephan Mayer reiste Ende März gemeinsam mit dem Vorsitzenden des Stiftungsrates der Stiftung Verbundenheit, Hartmut Koschyk, in das Banat. Die Stiftung Verbundenheit (unterstützt die Selbstorganisation und Vernetzung deutscher Minderheiten und deutschsprachiger Gemeinschaften sowie an Deutschland interessierter Personen) berichtete.
Ziel der zweitägigen Reise war es, sich ein umfassendes Bild von der Lage der deutschen Minderheit rund um Temeswar zu machen und den Austausch mit politischen, kulturellen und wirtschaftlichen Akteuren zu intensivieren. Eingeladen worden waren Mayer und Koschyk vom Abgeordneten der deutschen Minderheit im rumänischen Parlament, Ovidiu Ganț. Begleitet wurden sie vor Ort unter anderem vom Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien, Dr. Paul Jürgen Porr, sowie von Benjamin Neurohr, Geschäftsführer der Wirtschaftsstiftung „Banatia“.
Auf Einladung des DFDR-Abgeordneten Ovidiu Ganț (1. von links) besuchten BdV-Präsident Stephan Mayer (2. von links) und Hartmut Koschyk (4. von links) die deutsche Minderheit in der Region Temeswar. Foto: Stiftung Verbundenheit mit den Deutschen im Ausland
Erste Stationen der Reise waren die Gemeinden Biled und Großsanktnikolaus im Kreis Temeswar. Beide Orte sind bis heute von der Kultur der Banater Schwaben geprägt. In Biled beeindruckte insbesondere eine sozial engagierte Einrichtung, die täglich rund 40 ältere Menschen mit warmen Mahlzeiten versorgt.
In Großsanktnikolaus wurden die Gäste von Bürgermeister Dănuț Groza empfangen. Die Stadt pflegt eine enge Partnerschaft mit Burghausen in Bayern, dem Wahlkreis des Bundestagsabgeordneten Mayer. Historisch ist der Ort vor allem als Geburtsstadt des Komponisten Béla Bartók bekannt, dessen Mutter Paula Voit Deutsche war. Eine aktive Begegnungsstätte der heimatverbliebenen Banater Schwaben sowie eine Jugend-Trachtengruppe zeugen hier von lebendiger Traditionspflege.
Ein Schwerpunkt der Gespräche lag auf der wirtschaftlichen Entwicklung der Region. In einer Diskussionsrunde mit Vertretern der Wirtschaft, darunter auch ein Repräsentant von Siemens, wurde die Dynamik des Standorts hervorgehoben. Gleichzeitig betonten die Teilnehmer die Notwendigkeit, die Berufsausbildung junger Menschen stärker auszubauen. Insbesondere duale Ausbildungsmodelle nach deutschem Vorbild wurden als zukunftsweisend angesehen.
Besucht wurde auch das traditionsreiche Nikolaus-Lenau-Lyzeums in Temeswar. Die Schule blickt auf eine mehr als 150-jährige Geschichte zurück und verfügt über eine bedeutende deutschsprachige Abteilung. Zu ihren bekanntesten Absolventen zählen die Nobelpreisträger Herta Müller und Stefan Hell. Ovidiu Ganț war Schulleiter dieses Lyzeums und hat die Gründung der Deutschen Spezialabteilung maßgeblich vorangetrieben. Beim Besuch des Adam-Müller-Guttenbrunn-Hauses, dem kulturellen Zentrum der deutschen Minderheit in Temeswar, trafen Mayer und Koschyk den fast 100-jährigen Zeitzeugen Ignaz Fischer. Der bei Kriegsende deportierte Banater Schwaben berichtete über seinen dramatischen Lebensweg.
In weiteren Gesprächen mit Vertretern der Banater Schwaben wurde die breite Palette deutscher Kultur-, Bildungs- und Sozialarbeit im Banat vorgestellt. Dabei wurde auch die jahrzehntelange finanzielle Unterstützung der deutschen Minderheit in Rumänien durch die Bundesrepublik Deutschland gewürdigt.
Zum Abschluss der Reise wurde die Delegation von Monsignore Johann Dirschl, Generalvikar des Bistums, im Sankt-Georgs-Dom in Temeswar empfangen. Neben Einblicken in die Geschichte und die kürzlich abgeschlossene Restaurierung des Doms wurde auch die seelsorgerische Arbeit für Minderheiten thematisiert.
BdV-Vorsitzender Stephan Mayer bekräftigte während des Besuchs im Banat seine Absicht, sich auch künftig im Deutschen Bundestag für die Förderung der deutschen Minderheiten einzusetzen. Dabei hob er insbesondere die Rolle der Landsmannschaften der Banater Schwaben und der Sathmarer Schwaben sowie des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland hervor, die sowohl in Deutschland als auch in Rumänien aktiv sind.
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