26. August 2015

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Martha Scheiner: "Der Kockesch uch de Med"

Siebenbürgisch-sächsisaches Mundartgedicht von Martha Scheiner nach Äsops Fabel „Der Haushahn und die Mägde“.
Åålt uch schwach en Gebeërän wor,
und et word är äng mih klor,
datt sä ellien et nemmih schafft,
dänn et fehlt de nidij Kraft.

Jcha, wunn em än de Johre kitt,
äs em iefach nemmi fit.
De Kreeft lossen äng wennijer za,
na brocht em doch mih Rah.

Et fällt är schwer, dåt änzesähn,
awwer äst mosst na geschähn.
Än Dänst nitt se zwo Med dro af,
mät em gaden Tempo draf.

Det Geflijjel gackert lokt äm Hof,
et leff däjlich norr af uch uew.
Jede Morjen, zer sälwen Zekt,
wäkt der Kockesch all de Lekt.

Wunn sä hirte se’ „Kikiriki“
ous dem Bät sprunge se hih.
„Ze wat äs die Kockesch uch hä?
Hie kreht ängde vill ze fräh!“

l ...







Der Ärjer wor virprogrammiert,
wunn em äm Bät laģ uch hirt,
datt em esi fräh afstoh mess,
glatt, wunn det Driemen esi sess.

Soot, wat känt na mih stieren,
als des Morjest fräh ze hieren,
wä hie lokt kreht: „Kikeriki!“
Gallich word em driw äng mih.

„Läft ich!“, schrie de Åålt, „et äs dich Zekt!
Der Dååch feht un fir all de Lekt.
Bäm ,Kikiriki‛, wunn de Sann afgiht,
sifiert e jeder dro afstiht.“

Däjlich sich detten wedderhielt.
Em dinkt no, wä em gezielt
Sich sächert en lengere Schlof.
Norr, wä ställt em dett „Kikeriki“ ow?

Der Kockesch, hie galt fir: „Schäldich!“
Na wor’t ous mät „Gedäldich!“
Datt se allem en Ängd säzen,
sä det Meßer schi wäzen.

De Kockesch em net iest mih hiert;
nemmest mih fählt sich gestiert.
Uch de Med sich nemmih bekloon. –
Well Wäker huet na det Soon?

De Åålt wacht jed Nuecht mihmols af,
huet mät wennich Schlof genach!
Datt et irscht Mätternuecht na wor,
wasst sä net, wor är net klor.

Än är Patschen se änneschloppt,
uch sich de Pändel iwwerhoppt.
„Ir Med, kutt ous dem Bät erous!
Läft ich!“, kriesch sä durcht Hous.

Un ärer Däk de Gebeërän zaddert,
de Med se gånz verdaddert.
Erfehrt sprunge sä ous dem Bät,
gånz verschlofen uch nooch mäd.

Jed Mätternuecht wor et passiert,
datt sä erämkommandiert.
All krakeelä wäzt sä durcht Hous,
barbes leffen de Med erous.

Wä wor’t na dennich doch si gat,
wä em nooch de Kockesch hatt!
„Uermer Kockesch!“, sooden alle bied,
na deet hie ännen dennich lied.

Wä schleff em esi gat, bäs datt hie kreht
und der Dååch mät „Kikiriki“ ufeht.
Äm Härzen verspirte sä en Wieh.
Na äs der Kockesch nemmih.

Woräm net alles bäm Åålde lossen?
Dänn sälde kitt äst Biëßeret no!

No Äsop: „Der Haushahn und die Mägde“

Fabeln (von lateinisch: fabula = Geschichte, Erzählung, Sage) sind Erzählungen in Prosa oder Versform mit einer belehrenden Absicht. Durch gefällige Form der Darbietung und das auf eine Pointe hin berichtete Geschehen, z.B. über selbstverschuldetes Missgeschick, kann ihre Lektüre unterhaltsam sein. Fabeln wurden schon vor über 5000 Jahren in allen Kulturen erzählt. Der bekannteste Fabeldichter der Antike war Äsop, ein wegen seiner Klugheit von seinem letzten Herrn freigelassener Sklave, der am Hofe des Königs Krösus später zu Ansehen gelangt sein soll. Träger der Handlung sind in dieser literarischen Kleinform meist Tiere mit menschlichen Eigenschaften. Die von Martha Scheiner übersetzte Fabel gehört zu den selteneren, in denen Menschen die handelnden Personen sind. Die letzten beiden Zeilen enthalten die Lehre der Fabel, das Epimythion.

Martha Scheiner wurde 1941 in Hermannstadt geboren und war Lehrerin in Girelsau und Hermannstadt. Nach der Aussiedlung 1980 nach Deutschland wohnt sie in Öhringen, Baden-Württemberg.

Hanni Markel und Bernddieter Schobel

Schlagwörter: Mundart, Fabel

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