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Hans Otto Tittes: „Wänjterrah“

Das Gedicht „Wänjterrah“ ist vor längerer Zeit entstanden. Im Begleitbrief teilt der Verfasser dazu mit: „Als ich diese Zeilen geschrieben habe, gab es wohl einen Winter mit viel Schnee, nicht so wie in den letzten Jahren, aber von der Jahreszeit passt das Gedicht doch für einen Januar, so wie wir ihn noch aus unserer Kindheit kennen.“
Der Verfasser Hans Otto Tittes dürfte einem größeren Leserkreis bekannt sein. Besonders seine humoristischen Gedichte, oft kurz und pointiert, erfreuen sich großer Beliebtheit. Diesmal allerdings lernen wir ihn von der nachdenklichen Seite kennen. Sonderlich überraschend ist das freilich nicht, denn zwischen beiden, Humor und Nachdenklichkeit, liegt oft nur ein kleiner Schritt. An die Stelle des humorvollen Überraschungsmomentes tritt hier Einfühlsamkeit bzw. Mitleid mit den frierenden Mitgeschöpfen. Ja, es wird auch Verluste geben. Doch neues Leben steht zum Ausgleich bereit. Dies ist das Geheimnis des sich stets erneuernden Lebens. Und wie die weiße Winterpracht dieses Geheimnis deckend verbirgt, so ahnt man unter der schlicht beschreibenden Sprache dieses Gedichtes den ehrgebietenden Atem der Natur. Dem Autor, Hans Otto Tittes (geb. 24. September 1937), wünschen wir noch viele Jahre frohen und erfolgreichen Schaffens. Sie alle grüßt freundlich Ihr/Euer

Bernddieter Schobel (bernddieterschobel[ät]web.de)


Hans Otto Tittes

Wänjterrah

De Floke fålle schi senjt Dajen,
em mient, dett äs nemmi geriëcht,
dertauß kån em norr äst nooch måchen:
Äm Schnie en Wiëj schoffeln zeriëcht.

Der Wänjter hot de gånz Natur
mät Schnie bedakt; ´t äs ålles za,
näst wiëßt mih, der Gebauer reest.
Na gält fuer åll de Wänjterrah.

Fuer de Gedärer do äm Bäsch,
gemient se Vijjel, Fiss uch Rih,
de Welf, de Schwenj uch åll genn vill,
bededt dess Wänjterah nooch mih:

Well iëwen ålles ägeschnåt,
wärd´n är, dä net ze Freßen hunn,
durch dä fuer as hiesch Wänjterah
villecht net bäs änt Frähjohr kunn!

Und dennich äs et gad, dått et
de Wänjterrah e jed Johr gitt,
well bäs na wor et enj esi,
dått no är bååld det Frähjohr kitt.

Schlagwörter: Mundart, Gedicht

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