23. November 2008

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Georg Meyndt: Sangtigklok

Die Lieder von Georg Meyndt (1852 - 1903) sind auch heute unter den Siebenbürger Sachsen lebendig. Am 17. Dezember dieses Jahres jährt sich sein Todestag zum 105. Mal. Aus diesem Anlass werden in der Rubrik „Sachsesch Wält“ der Siebenbürgischen Zeitung drei seiner bekanntesten Lieder veröffentlicht.
Sangtigklok

Sangtigklok, wol klängst ta sess,
klängst mer ous dem Härzen;
alles, wat ech legde mess,
lihr mich, et verschmärzen.
Bom, bom, bom,
Herrgott, måch mich fromm.

Sangtigklok, wol klängst ta dräw,
trourig mir än Ihren:
Alles, wat mir deïr uch läw,
hun ech na verliren.
Bom, bom, bom,
Herrgott, måch mich fromm.

Sangtigklok, roff än zeräck,
mengen deïre Wiërden;
wonn hie net kit, hun ech Gläck
nichent mih af Iërden.
Bom, bom, bom,
Herrgott, måch mich fromm.

Sangtigklok, loss hemmelwärts
wä de Klong mech fläjjen,
dro wird mir meng uerem Härz
nemmest mih bedräjjen.
Bom, bom, bom,
Herrgott, måch mich fromm.

Der Fiëldschätz

Fiëldschätz: Wat måchst ta, Gang, mät denger Kah?
Hä äs verboddä Fiëld,
wießt ta et net? Ta segst jo gat
de Tofel ugepehlt!

Gang: Herr Fiëldschätz, ach ech bidd’n Ech dräm,
verzåht mir norr noch dett!
Ech hun et wärlech net gewasst
end liëse kån ech net.

Me Vueter sprächt, as Schweizerkah
wer nied´jer wä det Bach;
wat hälf et, wonn em liëse känt
end häw net Brit genach?

De Schil wer norr gebaat fir diën,
die vun der Nit näst wässt;
der Uerem seech, vu wat hie liëw,
de Schil, dä gew äm näst.

Fiëldschätz: Der Fiëldschätz scheddelt norr det Hieft
end såch än trourig un:
Ta uermer Gang, ta uermer Gang!
brommt hie end geng dervun.

Det Motterhärz

Motterhärz, ta Äddelstien, hart äm Dron uch Duulden,
drist et alles gärn ellien, watt de Kängd verschuulden,
fråst dich, wo se riëcht gedåhn, huest se trå erzijen,
kåst en ängden noch verzåhn, mehr se dich bedrijen.

Motteruuģ, ta sesser Stärn iwer denge Kängden,
weïst, wo sich de Wiëch verwärrn, än de riëchten ängden,
huest vu Klennem se bewacht, wonn de Wuulken drohden;
wonn det Gläck än wedder lacht, fänkelst ta vir Fråden.

Motterhånd, ta Guuld uch Gat, hälfst un allen Ängden,
wonn de Kängde sänkt der Mat, bäst ta än ze Hängden,
greïfst fir sä meer än det Feïer, hälfst än, alles brieden,
lihrst, de Nit, dåt Aageheïer, durch de Fleïß erdiden.

Mottermangd, ta sesser Quäll liëwensweïser Lihren,
werst de Kängd meer ous der Häll gärn za Gott bekihren;
biëtst fir sä ä grißer Nit, schwechst vun alle Sängden,
se sä gläcklich, wird der Did dech noch leechle fängden.

Biët, ir Kängd, det Motterhärz sil es long noch liëwen.
Motteruuģ verhät de Schmärz, måcht de Wiëch es iëwen.
Motterhånd, ta hälf as trå, schätz es vir Verdärwen.
Mottermangd as Bibbel så! - Motter sål net stärwen.



Vor einiger Zeit schrieb mir eine Leserin dieser Zeitung: „Bei uns in der Familie und in der ganzen Verwandtschaft wird noch sächsisch geredet. Da hat meine alte Oma sächsische Lieder und Gedichte noch aus ihrer Jugendzeit, alle auswendig, aufgeschrieben.“ Gleich zwei von den Liedern, die sie als Beispiel aufgezählt hatte, stammen von Georg Meyndt (1852 - 1903). Was für eine Freude wäre es für ihn, wenn er erleben könnte, wie seine Lieder noch heute im Sachsenvolk lebendig sind! Da sich am 17. Dezember dieses Jahres sein Todestag zum 105. Mal jährt, haben wir in dieser Ausgabe drei seiner bekanntesten Lieder abgedruckt.

In diesem Zusammenhang sei auch daran erinnert, dass die Lieder Georg Meyndts im Johannis Reeg Verlag, Bamberg, erschienen sind (siehe Siebenbürgische Zeitung), bearbeitet für Singstimme mit Klavierbegleitung sowie für gemischten Chor von Prof. Heinz Acker, zu bestellen zum Preis von 20 Euro, zuzüglich Versand, beim Verlag in Bamberg, Telefon: (09 51) 9 17 84 83.

Es grüßt zusammen mit Hanni Markel

Ihr Bernddieter Schobel

Schlagwörter: Lieder, Mundart

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