26. Mai 2010

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Rumänien vermisst die Siebenbürger Sachsen

Dinkelsbühl – Rumäniens Innenminister Vasile Blaga hat die aufgrund einer „unmenschlichen Diktatur“ erfolgte Aussiedlung der Siebenbürger Sachsen als empfindlichen Verlust für sein Land bezeichnet. Der Verband der Siebenbürger Sachsen habe indes seine Rolle als Brückenbauer zwischen Rumänien und Deutschland aktiv wahrgenommen und einen „entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Lage“ in Rumänien geleistet. Blaga dankte der Bundesrepublik Deutschland und insbesondere auch den Rumäniendeutschen für die „wichtige Unterstützung“ des EU-Beitrittsprozesses seines Landes. Der Aussiedlerbeauftragte der Bundesregierung, Dr. Christoph Bergner, würdigte die am 60. Heimattag der Siebenbürger Sachsen im mittelfränkischen Dinkelsbühl gehaltene Rede des Ministers als historisch.
Innenminister Vasile Blaga, der selbst aus Siebenbürgen stammt, bedauerte in seiner Rede am Pfingstsonntag vor tausenden Landsleuten, dass die Heimattreffen der Siebenbürger Sachsen nicht in Rumänien stattfinden, und stellte fest, „dass Rumänien Sie vermisst“: „Ich hätte mir gewünscht, dass mein Land entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen hätte, damit Sie dort geblieben wären, wo Ihre Vorfahren und Sie selbst über acht Jahrhunderte einen Raum des Wohlstands und der Toleranz geschaffen haben. Wir Rumänen fühlen heute sehr deutlich, dass Ihre Aussiedlung aus den angestammten Gebieten eine empfindliche Leere hinterlassen hat.“



Mittels ihrer aus Siebenbürgen mitgebrachten „interkulturellen Kompetenz und ethnischen Toleranz“ hätten sich die Siebenbürger Sachsen nicht nur „perfekt in die deutsche Gesellschaft“ integriert. Der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland habe in den vergangenen 20 Jahren seit dem Ende des Kommunismus in Rumänien „einen entscheidenden Beitrag zur Verbesserung der sozialen und wirtschaftlichen Lage in meinem Land geleistet durch humanitäre Hilfe, durch soziales Engagement, aber auch durch die Initiative zu wirtschaftlichen und kulturellen Partnerschaften“. Blaga führte beispielhaft die Städtepartnerschaft zwischen Dinkelsbühl und Schäßburg an. Der Innenminister lobte die Siebenbürger Sachsen als „die besten Brückenbauer zwischen Rumänien und Deutschland“ und bekräftigte das Bemühen seines Landes, das während der kommunistischen Zeit von Rumänien an ihnen begangene Unrecht korrigieren zu wollen. Blaga verwies auf die gesetzgeberischen Schritte zur Rückerstattung enteigneten Eigentums hin. Diesbezüglich bestehe ein kontinuierlicher Dialog mit der Leitung des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland. Heute bestünden gute Voraussetzungen, damit die ausgesiedelten Siebenbürger Sachsen „erneut kulturelle, soziale, wirtschaftliche oder politische Beziehungen in Rumänien knüpfen können“.

Historisches Zeichen

Der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Dr. Christoph Bergner (CDU), bewertete die Rede des rumänischen Innenministers als ein „historisches Zeichen“. In seiner Festansprache in Dinkelsbühl bekräftigte Bergner, es bleibe bei der besonderen geschichtlichen Verantwortung Deutschlands sowohl für die aus Rumänien ausgesiedelten Deutschen, die heute in der Bundesrepublik leben, als auch für die deutsche Minderheit in Rumänien. Der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesminister des Innern würdigte die kulturellen und zivilgesellschaftlichen Brücken, die die Siebenbürger Sachsen nach Rumänien schlagen, als Bausteine eines gemeinsamen europäischen Identitätsbewusstseins. Der Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland sei ein „wichtiger Partner für die Bundesregierung, wenn es um die Interessen der Aussiedler geht“.

Über 18 000 Heimattagsbesucher haben am 60. Pfingsttreffen der Siebenbürger Sachsen vom 21. bis 24. Mai in Dinkelsbühl teilgenommen. Das viertägige Treffen (Motto „Gemeinsam unterwegs“) stand im Zeichen des 25-jährigen Jubiläums der Partnerschaft zwischen der Großen Kreisstadt Dinkelsbühl und dem Verband der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, zudem des 60-jährigen Jubiläums der Siebenbürgischen Zeitung als Verbandsorgan sowie des 10-jährigen Bestehens des Internetportals des Verbandes, SiebenbuergeR.de. An dem traditionsreichen Festumzug durch die Altstadt wirkten am Pfingstsonntag über 2000 Trachtenträger mit.

Christian Schoger

Schlagwörter: Heimattag 2010, Rumänien

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