11. Oktober 2019

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Vier neue Mitglieder über die Beweggründe ihres Beitritts zum Verband: "Mir fehlte die Heimat"

Dass ein Verband über sieben Jahrzehnte Gemeinschaft stiftet und auch für Jüngere attraktiv bleibt, ist nicht selbstverständlich. Der Verband der Siebenbürger Sachsen hat es geschafft und begeht in diesem Jahr sein 70. Jubiläum. Auch auf Landesebene wird bald gefeiert: Im Dezember 1949 gründeten die in Baden-Württemberg ansässigen Sachsen ihren landsmannschaftlichen Verband. Heute vertritt die Landesgruppe rund 6500 zahlende Mitglieder – rechnet man die Zahl der Familienmitglieder hinzu, sind es fast 11600. Gerade zum Jubiläum stellt sich die Frage: Was bewegt Siebenbürger im Ländle, sich heute dem Verband anzuschließen? Worin besteht die Anziehungskraft gerade für Menschen jüngeren oder mittleren Alters? Wir haben uns bei vier neuen Mitgliedern umgehört.

Doris Späth, geborene Hierscher (40), aus Karlsruhe

Meine Kindheit, die mich sehr geprägt hat, habe ich in Petersberg bei Kronstadt verbracht. 1990 bin ich mit meiner Familie nach Deutschland ausgewandert. Mittlerweile habe ich eine eigene Familie gegründet: Unsere Zwillinge sind elf Jahre alt und wir leben in Karlsruhe. Eigentlich fehlte es mir an nichts, aber mein Gefühl sagte mir etwas anderes, bis ich merkte, was es war: die Heimat. Vor drei Jahren fing ich wieder an, nach Siebenbürgen zu reisen, und spürte, wie mich diese Reisen erfüllten. Es waren Reisen zu mir selbst, die letzten fehlenden Puzzleteile waren gefunden. Seither ist mir klar, dass ich ein Teil der Siebenbürger Sachsen bin und dies auch in Deutschland bewusst und aktiv leben möchte. Beim diesjährigen Treffen in Dinkelsbühl ist mir aufgefallen, dass wenig Menschen meines Alters dabei waren. Ich fände es traurig, wenn meine Generation eine Lücke hinterlässt. Dieser Verband kann nur bestehen, wenn möglichst viele etwas dazu beitragen – jeder wie er kann. Ich würde mich sehr freuen, wenn mein Jahrgang sich wiederfindet und sich alte Bekannte bei mir melden.Doris Späth ...Doris Späth

Friedrich Zinfert (50) aus Ispringen

Sowohl ich als auch meine Frau stammen aus Mediasch, wir haben zwei Söhne. Seit 1992 lebe ich in Deutschland und betreibe in Ispringen eine Transportfirma. Unsere Siebenbürger Clique hier im Ort organisiert gerne Feste, so zum Beispiel das jährliche Wiesenfest bei Samuel Pitters. Vor rund sechs Jahren hat uns Heinz-Erich Fleischer, damals Vorsitzender der Kreisgruppe Pforzheim – Enzkreis, angesprochen und uns gebeten, die Feste der Kreisgruppe – etwa das Grillfest und das Weihnachtsfest – zu unterstützen. Seither helfen wir im Hintergrund tatkräftig mit. Da ich mich nun schon länger ehrenamtlich engagiere, lag es für mich auf der Hand, auch offizielles Verbandsmitglied zu werden. Besonders schätze ich die Veranstaltungen, bei denen Siebenbürger sich treffen und gemeinsam an die guten alten Zeiten erinnern – so wie neulich beim Kronenfest auf der BUGA.Friedrich Zinfert ...Friedrich Zinfert

Steffen Freese (43) aus Friedrichshafen

Ich habe selbst keine siebenbürgischen Wurzeln. Durch meine Lebensgefährtin Christine Kirtscher und ihre Familie, die aus Agnetheln stammt, habe ich das Land und die Kultur kennen und lieben gelernt. Wir reisen jährlich in die schöne Heimat. Als Mitglieder beziehen wir nun die Verbandszeitung und sind besser über das Land und Veranstaltungen informiert. Besonders interessieren uns Treffen in der Bodenseeregion. Auf diese Weise können wir unsere Verbundenheit zu Siebenbürgen auch unserer Tochter näherbringen und zugleich einen tollen Verband unterstützen.Steffen Freese mit Tochter ...Steffen Freese mit Tochter

Heidrun Rau, 45 Jahre, aus Stuttgart

Aus Siebenbürgen zu stammen, macht einen großen Teil meiner Identität aus – das merke ich zum Beispiel daran, dass ich oft von der Heimat träume. In Agnetheln geboren und in Hermannstadt aufgewachsen, kam ich 1989 noch vor der Wende mit der Familie nach Deutschland. Jetzt lebe ich in Stuttgart und bin Redakteurin in einer Kommunikationsagentur. Ein Freund meiner Eltern, Alfred Mrass, hat mich gezielt gefragt, ob ich die Landesgruppe Baden-Württemberg als Pressereferentin unterstützen möchte – im März dieses Jahres wurde ich dann in dieses Amt gewählt. Je besser ich den Verband kennenlerne, desto deutlicher sehe ich, wie viel Zeit und Aufwand die ehrenamtlich aktiven Mitglieder für die Gemeinschaft aufwenden. Als Verbandsmitglied trage ich dazu bei, dass all das erhalten bleibt, was Siebenbürgern selbstverständlich scheint, von der Siebenbürgischen Zeitung über Lesungen und Ausstellungen bis zu Veranstaltungen wie dem Heimattag in Dinkelsbühl.Heidrun Rau ...Heidrun Rau

Die Berichte wurden von Heidrun Rau aufgezeichnet.

Schlagwörter: Verband, Verbandspolitik, Mitgliedschaft, Jubiläum

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