30. Mai 2003

Zeidner Gitarrenkränzchen eröffnet Heimattag

Beim Heimattag in Dinkelsbühl gestaltet das Zeidner Gitarrenkränzchen die Eröffnungsveranstaltung am Pfingstsamstag, dem 7. Juni, im Großen Schrannensaal musikalisch mit. Unter dem Titel „Grüße mir Zeiden“ erschien im letzten Jahr eine CD des Zeidner Gitarrenkränzchens, einer wohl einmaligen siebenbürgischen Institution, die auch hier in Deutschland sächsisches und deutsches Liedgut weiterpflegt.
Wer ist dieses Zeidner Gitarrenkränzchen? Seine Ursprünge liegen nun bald ein Dreivierteljahrhundert zurück. Im Jahr 1929 sammelte Irene Königes in Zeiden junge Leute um sich, lehrte sie Gitarre spielen und sang mit ihnen Volkslieder, Heimat- und Kunstlieder. Gemäß dem Leitsatz „Mit einem schönen Lied anderen und sich Freude bereiten“ bot man Ständchen bei Namenstagen von Freunden und Nachbarn, bei geselligen Unterhaltungen, Ausflügen oder Vortrags- und Familienabenden. Irene Königes, bald als „Gitarrenmutter“ bekannt, leitete die Gruppe mit Unterbrechungen in der Kriegszeit und während der Zwangsevakuierung Anfang der 1950er Jahre 35 Jahre lang bis 1964. In diesem Jahr übernahm ihre Tochter Grete (verheiratete von Hollen) ein neues, junges Gitarrenkränzchen, bis 1968 Effi Stamm (verheiratete Kaufmes) die Leitung übernahm. Einige Jahre gab es nun in Zeiden ein „altes“ und ein „junges“ Gitarrenkränzchen, die auch zusammen auftraten, etwa bei Literaturabenden oder beim Zeidner Schulfest 1970.

Die älteren Semester trafen sich noch jahrelang zu gemeinsamen Singabenden, während die jüngere Generation immer öfter auftrat. Neben den Musikprogrammen und Literaturabenden in Zeiden, nahmen die Ausfahrten in benachbarte Gemeinden zu, gemeinsam mit Zeidner Blasmusik, Männerchor und Tanzgruppe wurden kulturelle Programme gestaltet. Mehrere Auftritte in der „Sendung in deutscher Sprache“ des rumänischen Fernsehens sowie im Rundfunk machten das Gitarrenkränzchen im ganzen Land bekannt. Einen Höhepunkt bildete 1973 die Konzertreise nach Oberösterreich, eine für die damaligen Verhältnisse äußerst seltene Gelegenheit ins Ausland zu reisen, für die sich Dr. Fritz Frank, der damalige Obmann der Landsmannschaft der Siebenbürger Sachsen in Oberösterreich, erfolgreich eingesetzt hatte. Das Liedrepertoire änderte sich in den 80er Jahren, als nur noch in Siebenbürgen entstandene deutsche und sächsische Lieder gesungen werden durften. Glücklicherweise konnte man auf die Heimatgedichte und Lieder der Zeidner Mundartautorin Rosa Kraus zurückgreifen. Effi Kaufmes siedelte 1989 nach Deutschland aus, bis 1990 leitete Sybille Greger (verheiratete Burger) das Gitarrenkränzchen, das im Zuge der Massenauswanderung aufgelöst wurde.

In Deutschland trifft sich das Gitarrenkränzchen seit Anfang der 90er Jahre, dank des Einsatzes von Effi Kaufmes, jährlich im hohenlohischen Langenburg gemeinsam mit der ebenfalls wieder gegründeten Zeidner Blaskapelle zu Probenwochenenden. An diesen Tagen wird fleißig geprobt, Erinnerungen werden ausgetauscht, aber auch Zukunftspläne geschmiedet. Bei den großen Zeidner Nachbarschaftstreffen ist das Gitarrenkränzchen eine feste Institution und trägt zur musikalischen Bereicherung der Treffen bei.

Nachdem die Zeidner Blaskapelle schon zwei CD-Aufnahmen eingespielt hatte, gab das Gitarrenkränzchen im letzten Jahr eine eigene CD heraus. Nach tagelangem Notenschreiben durch die Leiterin Effi Kaufmes, nach intensivem Proben in ihrer Wohnung wurden 2001 die Aufnahmen in einem Tuttlinger Tonstudio gemacht. Selbst Zeidens Kirchenkurator Arnold Aescht nahm mit Effi Kaufmes zwei Lieder auf. Entstanden ist ein wunderbares Werk, das dieser einmaligen Institution in der Pflege siebenbürgischen und deutschen Liedgutes voll und ganz gerecht wird. Eine gute Mischung aus 17 sächsischen und deutschen Liedern aus Siebenbürgen konnte dann beim Probenwochenende 2002 in Langenburg der Zeidner Öffentlichkeit vorgestellt werden. Die CD enthält neben dem Zeidner Heimatlied „Grüße mir Zeiden“ auch das Burzenlandlied von Rudi Klusch, oder „Der Berg“, ein Lied, das der ehemalige Zeidner Pfarrer Dieter Barthmes dem Gitarrenkränzchen geschenkt hat. In sächsischer Mundart werden die bekannten Lieder wie „De Astern“ und „Der Iewend kit erun“ von Grete Lienert-Zultner bis hin zu den Mundartliedern von Rosa Kraus gesungen. Der für andere Siebenbürger etwas ungewohnte Zeidner sächsische Dialekt lässt sich nach einigem aufmerksamen Zuhören sicher ganz gut verstehen, heißt es im Burzenland doch, dass die Zeidner beim Reden singen würden. Das Zeidner Gitarrenkränzchen hat mit der CD eine hervorragende Leistung erbracht.

Rainer Lehni


Bestelladresse: Erworben werden kann die CD „Grüße mir Zeiden“ zum Preis von 10 Euro plus Versandkosten bei Effi Kaufmes, Kremser Straße 34, 71034 Böblingen, Telefon: (0 70 31) 27 44 53. Das begleitende Textheft kostet zusätzlich 1 Euro.

(gedruckte Ausgabe: Siebenbürgische Zeitung, Folge 9 vom 31. Mai 2003, Seite 4)

Schlagwörter: Heimattag, Zeiden

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