1. Mai 2021

Einzigartiges Alttal und Kulturerbe durch überdimensioniertes Autobahndreieck bedroht

Hermannstadt (ADZ) – Eine sogenannte öffentliche Debatte betreffend den Autobahn-Knotenpunkt der A1 (Hermannstadt/Sibiu – Pitești) mit der A13 (Hermannstadt – Kronstadt/Brașov) fand zwischen dem 8. Februar und 15. März d.J. online statt. Der überdimensionierte Knotenpunkt soll bei Boiţa im Rotenturmpass entstehen, was zu einer kompletten Veränderung der Landschaft und des Lebens der Ortsbewohner an der Einfahrt ins Alttal (Valea Oltului) führen wird mit enormen Schäden für die Umwelt und das Kulturgut der Gegend. Eine das ökologische Gleichgewicht und Landschaft weniger belastende Variante wäre gewesen, den Knotenpunkt bei Veștem zu bauen, wodurch die A 13 um acht Kilometer kürzer geworden wäre.
Geplanter Autobahnknoten am Rotenturmpass ...
Geplanter Autobahnknoten am Rotenturmpass zwischen Talmesch und Boita unterhalb der Ruine Landwehr
Zu den beiden Teilnehmern an der von der Nationalen Gesellschaft für Straßeninfrastruktur (CNAIR – Compania Naţională de Administrare a Infrastructurii Rutiere) organisierten Debatte, die in diesem Rahmen gegen den Bau des Knotenpunkts bei Boiţa argumentierten, gehörte der Unternehmer Jens Kielhorn (Erasmus Büchercafé). Kielhorn sprach in der Problematik sodann den DFDR-Abgeordneten Ovidiu Ganţ an, der am 23. Februar eine parlamentarische Anfrage an Verkehrsminister Cătălin Drulă (USR) sandte. Wissen wollte der Parlamentarier Ganţ, wieso man sich für die Lösung entschieden hat, die größere Schäden anrichtet, statt für die kürzere Strecke mit weniger negativen Folgen für die Umgebung. Die Antwort des Ministers wurde dem Parlament am 20. April zugestellt.
Vergleich der beiden Varianten des ...
Vergleich der beiden Varianten des Autobahndreiecks über Vestem und Boiţa (acht Kilometer länger).
Minister Drulă teilte mit, dass die Variante Boiţa am 18. Juli 2019 vom technisch-wirtschaftlichen Rat der Straßeninfrastruktur-Gesellschaft ­angenommen wurde, aufgrund einschließlich der JASPERS-Empfehlungen (Joint Assistence to Support Projects in European Regions – Gemeinsame Hilfe bei der Unterstützung von Projekten in europäischen Regionen). Anschließend fanden geotechnische, archäologische und andere Studien und Verfahren in Höhe von etwa 4,6 Millionen Lei für die avisierte Strecke statt. Bei der Übernahme seines Mandats als Minister waren auch die topographische und die verkehrstechnische Studie abgeschlossen. Für den Abschluss der Machbarkeitsstudie wartet man nur noch auf das Umweltzeugnis. Der technisch-wirtschaftliche Rat der Gesellschaft für Straßeninfrastruktur hat Ende März die Indikatoren der Machbarkeitsstudie genehmigt, die nun die Genehmigungen (Avise) der weiteren Strukturen (Verkehrsministerium, Interministerieller Rat für die Genehmigung der öffentlichen Arbeiten) und schließlich den Regierungsbeschluss erhalten müssen. Sobald der Regierungsbeschluss vorliegt, wird die Ausschreibung für den Entwurf und die Durchführung der Arbeiten an der Autobahn erfolgen.

Wie in der Online-Publikation Turnul Sfatului zu lesen, wo die Problematik detailliert dokumentiert ist, war der derzeitige Verkehrsminister Drulă als Abgeordneter im vergangenen Jahr noch anderer Meinung: Damals sprach er sich gegen die Verlängerung der A13 aus und meinte, die Argumente von CNAIR seien nicht korrekt begründet. Auch äußerte er damals die Hoffnung, dass die Variante Veștem zustandekommen wird.
Diese einzigartige Landschaft am Eingang zum ...
Diese einzigartige Landschaft am Eingang zum Rotenturmpass wird durch das überdimensionierte Autobahndreieck zerstört.
„Die Antwort des Ministers ist enttäuschend“, sagte der DFDR-Abgeordnete Ovidiu Ganţ, „und zwar unter zwei Gesichtspunkten: Einerseits dem Leichtsinn, mit dem man Umwelt- und historisch-archäologische Argumente ignoriert, wobei die ökonomischen auch nicht überzeugen, andererseits der Tatsache, dass man als Abgeordneter der Opposition völlig anders denkt als Minister.“ Diese „Leistung“ wurde nur von Victor Ponta übertroffen, der sich in der Angelegenheit Roșia Montană gleichzeitig als Premier dafür und als Abgeordneter dagegen positioniert hatte, ergänzte Ganţ.

(Dieser Artikel erschien zuerst in der Allgemeinen Deutschen Zeitung für Rumänien)

Schlagwörter: Autobahn, Verkehr, Ökologie, Hermannstadt

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