2. Juni 2022

Volles Programm am Heimattag: Was die Bundeskulturreferentin persönlich empfiehlt

Endlich – dieses Wort geht mir ständig durch den Kopf. Seit Oktober 2019 bin ich die Kulturreferentin des Verbandes, seit zweieinhalb Jahren reden wir im Heimattagausschuss über den Heimattag. Nun ist es so weit: Das weltweit größte Treffen der Siebenbürger Sachsen wird endlich (!) Wirklichkeit. Auch wenn die Routine teilweise etwas verloren gegangen ist, ist die Maschine gut geölt, jeder weiß, was er zu tun hat.
Doch wie werden die Besucherinnen und Besucher reagieren? Mittlerweile sind alle Corona-Beschränkungen aufgehoben, es gibt keine Masken- oder Nachweispflicht mehr. Bleiben die Leute dem Pfingsttreffen aus Sorge um ihre Gesundheit dann fern? Oder werden sie, gerade weil es nun wieder geht, in Massen strömen? Wird es Konflikte geben, weil manche Gäste trotz der Lockerungen ein höheres Sicherheitsbedürfnis haben als andere? Ich hoffe, nicht! Ich vertraue auf die Rücksichtnahme und den gegenseitigen Respekt, damit sich am Ende alle wohlfühlen. Denn der Heimattag 2022 lohnt wieder den Besuch, es ist keine abgespeckte Version!

Die Redaktion unserer Siebenbürgischen Zeitung hat mich nach meinen persönlichen Programmempfehlungen gefragt. Wo soll ich anfangen? In diesem Jahr haben wir endlich die Gelegenheit, den Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturpreis des Jahres 2021 an die Lexikologin Dr. Sigrid Haldenwang und die Biologin Prof. Dr. Erika Schneider zu übergeben. Die beiden Preisträgerinnen werden am Pfingstsonntag um 17.00 Uhr geehrt, gewähren aber bereits am Vortag Einblick in ihre Arbeit: Am Samstag um 14.00 Uhr wird Dr. Haldenwang einen Vortrag über den Wortschatz der siebenbürgisch-sächsischen Mundarten aus historischer Sicht halten und dabei anhand spannender Fallbeispiele ein erstaunlich buntes Sprachbild zeichnen. Direkt im Anschluss daran wird Prof. Dr. Schneider zur traditionellen Kulturlandschaft im Hügelland Siebenbürgens und ihrer Veränderung unter dem Einfluss des Menschen referieren. Nach diesem Vortrag werden die Zuhörer verstehen, in welchem Maß beispielsweise auch der Reiz der Kirchenburgenlandschaft von der sie umgebenden Natur abhängt.
Eine der beiden Kulturpreisträgerinnen wird die ...
Eine der beiden Kulturpreisträgerinnen wird die abgebildete Karte bei ihrem Vortrag am Heimattag benutzen. Ob es dabei um die Dialekte oder um die Kulturlandschaft Siebenbürgens geht, können die Besucher am Nachmittag des 4. Juni herausfinden.
Wer dann einfach sitzen bleibt, kann sich ein weiteres Referat über die Restaurierung des Tobsdorfer Chorgestühls anhören. Wer weiterzieht, kann es noch rechtzeitig zur Brauchtumsveranstaltung mit Geschichten über die Schmalspurbahn „Wusch“ schaffen. Um 18.00 Uhr wiederum muss der Kulturfreund zwischen einem Konzert der Siebenbürgischen Kantorei und einem Film über den Politiker Hans-Otto Roth wählen. Keine leichte Entscheidung!

Am Pfingstsonntag wird das Thema Russlanddeportation von mehreren Seiten beleuchtet: Dr. Irmgard Sedler stellt um 14.00 Uhr den Katalog „Skoro damoi! Hoffnung und Verzweiflung. Siebenbürger Sachsen in sowjetischen Arbeitslagern. 1945–1949“ in der gleichnamigen Ausstellung vor (Midissage: Freitag, 3. Juni, 18.30 Uhr). Neben den sorgfältig aufgearbeiteten Fakten sind es hier vor allem die persönlichen Schicksale, die berühren. Um 15.00 Uhr spricht Rechtsanwalt Dr. Bernd Fabritius über „Entschädigung von Opfern politischer Verfolgung/Deportation – Grundsätzliches und Herausforderndes“. Parallel dazu hat Dr. Heinke Fabritius um 15.30 Uhr den Fotografen Marc Schroeder zu Gast, der in seinem Bildband „ORDER 7161. Ein Fotobuch zur Russlanddeportation der Rumäniendeutschen“ einfühlsame Bilder einiger der letzten noch lebenden Russlandverschleppten zusammengestellt hat.

Neben der Ausstellung „Skoro damoi!“ seien Ihnen freilich auch die anderen sehenswerten Ausstellungen ans Herz gelegt: Samuel von Brukenthal, die Restaurierung des Tobsdorfer Chorgestühls, die HOG-Regionalgruppe Hermannstadt-Harbachtal sowie Aquarelle und Bilder in Acryl der Hermannstädterin Marietta Lutsch warten auf Sie!

Wie Sie sehen, könnten Sie das ganze Pfingstwochenende in Vorträgen und Ausstellungen verbringen. Spätestens am Sonntag um 19.00 Uhr jedoch empfehle ich, noch einmal an die frische Luft zu gehen und den jungen Leuten beim Open Air vor der Schranne zuzuhören. Musikerinnen und Musiker der Siebenbürgisch-Sächsischen Jugend in Deutschland (SJD) geben bekannte und beliebte Volkslieder zum Besten, bei denen Mitsingen ausdrücklich erwünscht ist.

Zusammen mit all den Bands und Blaskapellen, den Trachtenträgern, den Leckereien, dem Gottesdienst und dem Sportangebot wird es wie immer eine Mischung aus Altbewährtem und Neuem geben. Hören Sie nicht auf die Gerüchte, die behaupten, es gebe kein Festzelt oder im Trachtenumzug herrsche Maskenpflicht. Die diesjährigen Änderungen sind minimal und betreffen lediglich einige örtliche Gegebenheiten: Der Infostand rückt von der Schranne zum katholischen Münster gegenüber, getanzt wird auf dem Schweinemarkt statt auf dem Altrathausplatz und der Trachtenumzug erfährt eine zusätzliche Verlängerung bis zum Nördlinger Tor. Davon abgesehen bleibt der Heimattag so, wie wir ihn kennen und lieben. Sie kennen den Weg, also: Auf nach Dinkelsbühl!

Dagmar Seck

Schlagwörter: Heimattag 2022, Dinkelsbühl, Programm, Kultur, Musik

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