19. September 2008

"Europa kann auf das Kulturerbe der Siebenbürger Sachsen nicht verzichten“"

Der Schirmherr der Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturtage in Bayern 2008, der bayerische Kultusminister Siegfried Schneider, hat in einer Festansprache am 7. September im Sudetendeutschen Haus in München die kulturhistorischen Leistungen der Siebenbürger Sachsen gewürdigt. Die über acht Jahrhunderte alte Kultur der Siebenbürger Sachsen sei „eine herausragende Kostbarkeit“, die es zu wahren und zu pflegen gilt. Zudem bekannte sich der Minister zur Verpflichtung Bayerns gegenüber dem kulturellen und politischen Erbe aller Heimatvertriebenen. Anschließend boten siebenbürgisch-sächsische und banatschwäbische Gruppen eine vielseitige Brauchtumsveranstaltung, die Staatsminister Schneider als „Kulturspezialitäten“ lobte.
In seiner Festrede ging der bayerische Kultusminister auf die „ausgesprochen bemerkenswerte“ Geschichte der Siebenbürger Sachsen ein. Als Beispiele ihrer kulturellen Glanzleistungen führte er ihre Wehrkirchen und Kirchenburgen sowie den Aufbau eines leistungsfähigen Bildungssystems auf: Volksschulen seien bereits im 14. Jahrhundert attestiert, 1541 sei das erste Gymnasium gegründet und 1722 die allgemeine Schulpflicht eingeführt worden. „In puncto Bildung waren die Siebenbürger Sachsen in Europa echte Trendsetter“, sagte Schneider. Zur wechselvollen Geschichte der Siebenbürger Sachsen gehörten aber auch leidvolle Erfahrungen wie Drangsalierungen und Verfolgungen, die während der Ceauşescu-Diktatur zu einem Anschwellen der Aussiedlerwelle geführt hätten.

Der bayerische Kultusminister Siegfried Schneider ...
Der bayerische Kultusminister Siegfried Schneider während seiner Festansprache bei den Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturtagen in Bayern. Foto: Peter Baumgartl
Die Achtung und Würdigung der Flüchtlinge und Heimatvertriebenen gehören seit jeher zu den Kernelementen der bayerischen Politik, betonte der CSU-Politiker. Deshalb sei es ein großes Anliegen der bayerischen Staatsregierung, „den jüngeren Generationen das große Erbe der Heimatvertriebenen und Flüchtlinge und damit auch das Erbe der Siebenbürger Sachsen an den Schulen zu vermitteln“. Das Wissen um die Geschichte der Siebenbürger Sachsen bezeichnete der Kultusminister „nicht nur für sich genommen als wertvoll“, sondern auch als „Grundlage für den Umgang mit heutigen Herausforderungen“. Die Siebenbürger Sachsen seien ein Vorbild für eine gelungene Integration. Die friedvolle Entwicklung unseres geeinten Europas hänge „auch vom stabilen Gleichgewicht zwischen Wahrung der eigenen Tradition und Kultur und der Notwendigkeit von Wandel und Integration ab“. Vor diesem Hintergrund sei in allen bayerischen Schulen bis hin zum Abitur das Thema Flucht und Vertreibung selbstverständlich Teil der Lehrpläne, versicherte der bayerische Kultusminister.

Wie die Geschichte des 20. Jahrhunderts zeige, sei ein friedliches und freiheitliches Europa alles andere als eine Selbstverständlichkeit und alle hätten die Aufgabe, an der europäischen Wertegemeinschaft aktiv weiter zu arbeiten. Unser gemeinsames Europa biete den Siebenbürger Sachsen in Deutschland sowie im EU- und NATO-Mitgliedsland Rumänien neue Entwicklungs- und Entfaltungschancen.

„2007 war Hermannstadt europäische Kulturhauptstadt. Das ist mit eine Leistung der Siebenbürger Sachsen!“, betonte Schneider. Dem Verband der Siebenbürger Sachsen dankte der Kultusminister für seinen Beitrag, die siebenbürgisch-sächsische Kulturwoche in Hermannstadt. Das zeige, dass der Verband aktiv Brücken nach Rumänien baue und „ein herausragendes Beispiel für friedliche Zusammenarbeit in Europa“ darstelle. Zudem lobte der Kultusminister die Verleihung eines Kultur-, eines Wissenschafts- und eines Jugendpreises sowie die sehr aktive Jugendarbeit, durch welche die Traditionen der Siebenbürger Sachsen bewahrt würden. Beispielhaft dankte der Kultusminister der im Adalbert-Stifter-Saal anwesenden Studienrätin Edda Gross für ihr pädagogisches Wirken, frühere Direktorin an der Brukenthalschule in Hermannstadt und langjährige Gymnasiallehrerin in München.
Der bayerische Kultusminister Siegfried Schneider ...
Der bayerische Kultusminister Siegfried Schneider (Mitte), flankiert vom Bundesvorsitzenden Dr. Bernd Fabritius (rechts) und der Landesvorsitzenden Herta Daniel sowie banatschwäbischen und siebenbürgisch-sächsischen Trachtenträgern. Foto: Peter Baumgartl
Die Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturtage in Bayern zeigten nach Ansicht des Staatsministers, „dass wir in Europa auf das kulturelle Erbe der Siebenbürger Sachsen nicht verzichten können“.

Moderatorin Annette Königes, die professionell und humorvoll durch das Programm der Brauchtumsveranstaltung führte, überreichte Staatsminister Siegfried Schneider als Geschenk den Bildband „Siebenbürgen im Flug“ mit den Worten: „damit Sie in Zukunft ganz genau erkennen, wenn Sie über Siebenbürgen fliegen!“

Grußworte

Heidemarie Weber, Vorsitzende der Kreisgruppe München, freute sich unter den Gästen einen waschechten Siebenbürger Sachsen als Landtagskandidaten, unseren Bundesvorsitzenden, Dr. Bernd Fabritius, an dieser Veranstaltung begrüßen zu dürfen. Sie erklärte, dass Fabritius im wahrsten Sinne des Wortes „ackere“, für neue Ideen werbe und die Menschen dazu anrege, sich unter dem Motto „Nur wer anpackt, bewegt auch etwas!“ für die Gemeinschaft zu engagieren. Dieser Einsatz würde Früchte tragen, wenn alle Landsleute genauso überzeugt davon wären wie unsere Jugendlichen, dass „der Bernd“ die schwierigsten Probleme anpacke und für alles eine Lösung finde.

Die Vorsitzende des Landesverbandes Bayern des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland, Herta Daniel, dankte in ihrem Grußwort Kultusminister Siegfried Schneider, der die Schirmherrschaft über die Kulturtage in Bayern übernommen hatte. Deshalb sei es naheliegend gewesen, dieser Veranstaltungsreihe unter das Motto „Siebenbürgen – ein Thema in bayerischen Schulen“ zu stellen, passend zu dem vom bayerischen Kultusministerium veranstalteten Schülerwettbewerb „Die Deutschen und ihre östlichen Nachbarn“, der im Schuljahr 2008/2009 den „Deutschen im Karpatenbogen“ und damit auch den Siebenbürgern gewidmet sei. Daniel stellte die Frage nach der Bedeutung unseres Brauchtums für die junge Generation und fand eine Antwort darauf in diesem Schülerwettbewerb, der auch das Ziel verfolge, die Erinnerung an die früheren deutschen Siedlungsgebiete und ihren Beitrag zur deutschen und europäischen Kultur wachzuhalten.

Die Grüße des Verbandes der Siebenbürger Sachsen in Deutschland und der befreundeten Verbände in der weltweiten Föderation der Siebenbürger Sachsen, insbesondere des Vorsitzenden des Demokratischen Forums der Deutschen in Rumänien und Hermannstädter Bürgermeisters, Klaus Johannis, überbrachte unser Bundesvorsitzender Dr. Bernd Fabritius. In seinen Grußworten ging er erneut auf die Frage „Wällen mer bleiwen, wat mer sen?“ ein, die er beim Heimattag 2008 in Dinkelsbühl gestellt hatte. Er stellte klar, dass solche Kulturtage nichts mit dem Ausleben von Nostalgie vergangener Tage einer Folklore-Minderheit zu tun hätten, sondern mit dem Leben nach der eigenen Identität, nach eigenen Bräuchen und Traditionen, die wir als den wahren Schatz unserer Gemeinschaft mitgebracht haben. Die Kulturtage betrachtete Fabritius als Bitte und Auftrag zugleich, einen „Bogen aus der Vergangenheit in die Zukunft, eine Brücke des Verständnisses und der Gemeinsamkeiten“ zu spannen. Und deswegen würde unser Verband den erwähnten Schülerwettbewerb in Bayern nach Kräften fördern und unterstützen.

Er dankte der Union der Vertriebenen und Aussiedler, vertreten durch Andreas Orendi, die der Gemeinschaft der Banater Schwaben und Siebenbürger Sachsen erstmalig die Chance auf einen eigenen Vertreter im Bayerischen Landtag eröffnet hat.

Darbietungen

Nach einem wortreichen Beginn wurde der musikalische Ausgleich mit der „Original Siebenbürger Blaskapelle München“ geschaffen. Sie war 1949 als erste Siebenbürger Blaskapelle in Deutschland gegründet worden. Dirigent Werner Schullerus bereichert seit 1998 das traditionelle Repertoire mit neuen, anspruchsvoll gesetzten Stücken und beschert dem Publikum mit seinen Bläsern stets musikalischen Genuss auf hohem Niveau, so die Moderatorin.
Die junge Generation gestaltete das Kulturprogamm ...
Die junge Generation gestaltete das Kulturprogamm im Sudetendeutschen Haus in München mit. Foto: Peter Baumgartl
Die Gäste, unsere Banater Landsleute, erfreuten das Publikum mit dem Sketch „Die Weinkenner“ von Peter Riesz. Günther Wagner, Roland Renn und Stefan Ruttner ernteten für ihre gekonnte Darstellung viel Applaus. Die von Gerhard Kappler vor zwei Jahren gegründete Münchner Gruppe tanzt nach eigenen Choreographien. Nach ihrem Auftritt sicherten die Banater Schwaben Bernd Fabritius die volle Unterstützung bei seiner Kandidatur für den bayerischen Landtag zu.

Gedichte durften bei dieser Brauchtumsveranstaltung nicht fehlen: Die aus Fürth angereiste Lehrerin Rosel Potoradi, die unter anderem mehrere Jahre Kulturreferentin des Landesverbands Bayern war und nun im Kreisverband Nürnberg die Nachbarschaft Fürth leitet, trug in Kleinscheuerner Tracht „Sonnenblumen“ von Grete Lienert und „Wie huot et bießer“ von Mundartdichter Otto Piringer vor.

Auch Klassik war vertreten: Carla Waadt, Querflöte, und Andreas Roth, Klavier, spielten aus der Sonate in g-moll von Johann Sebastian Bach die Sätze Allegro, Adagio und Allegro. Abwechslung bot die siebenbürgisch-sächsische Laienspielgruppe, bestehend aus Mitgliedern der Tanzgruppe Herzogenaurach, mit dem Einakter „Mit gutem Beispiel voran zu gehen“, einem Auszug aus dem Theaterstück „Mensch, Kathi, schau nach vorn“ von Doris Hutter, Stellvertretende Bundesvorsitzende und Kulturreferentin des Landesverbandes Bayern. Die Zuschauer hatten ihr Freude an dem lebhaften Spiel der Laienkünstler, das immer wieder mit Applaus bedacht wurde.

Die Münchner Jugendtanzgruppe präsentierte unter der Leitung von Gerhard Martini in Reußmarkter Tracht drei schwungvolle und in Perfektion ausgeführte Tänze. Der mehrfach ausgezeichnete Chor der HOG Reußmarkt unter der Leitung von Wilhelm Spielhaupter beschloss mit einigen Liedern das bunte Programm und stimmte gemeinsam mit den Zuschauern das Lied „Kein schöner Land“ an.

Ein herzlicher Dank geht an alle Mitwirkenden und an die Organisatoren der beteiligten Kreisgruppen München und Nürnberg.

Herta Daniel

Online-Bildergalerie: Brauchtumsveranstaltung und Podiumsdiskussion im Rahmen der Siebenbürgisch-Sächsischen Kulturtage 2008

Schlagwörter: Verband, Kulturtage, Bayern

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